VHS-Lehrgang

Neun neue Duisburger Mediatoren schlichten jeden Streit

Yvonne Isensee und Antonia Köster haben sich von Monique Ridder (v.l.) an der VHS zu Mediatorinnen ausbilden lassen.

Foto: Stephan Eickershoff

Yvonne Isensee und Antonia Köster haben sich von Monique Ridder (v.l.) an der VHS zu Mediatorinnen ausbilden lassen. Foto: Stephan Eickershoff

Duisburg.   Neun Teilnehmer haben nun den ersten Mediatoren-Lehrgang der VHS abgeschlossen. In 220 Übungsstunden lernten vor allem eines: Geduld zu haben.

Monique Ridder und ihre Kollegen werden immer dann gerufen, wenn es Knatsch gibt. Ist der Zaun des Nachbarn zu hoch, hat der Kollege sich daneben benommen oder ist der Partner fremdgegangen? „Wir klären Konflikte überall dort, wo Menschen miteinander auskommen müssen“, sagt die 45-jährige Mediatorin. Sie weiß: Die Nachfrage steigt. Daher lassen sich immer mehr Menschen zu solchen überparteilichen Streitschlichtern ausbilden. Zum ersten Mal haben nun neun Mediatoren erfolgreich ihr Zertifikat an der Volkshochschule erworben.

Um als Streitschlichter arbeiten zu können, braucht man zunächst Eines: „Geduld“, weiß Monique Ridder, die das Seminar als Dozentin leitete. „Man sollte generell ein Menschenfreund sein.“ Diese Voraussetzung bringen Antonia Köster und Yvonne Isensee mit – sie sind zwei der neun neuen Mediatoren und damit qualifiziert, jegliche Art von Konflikten zu klären. „Für mich war der Lehrgang eine Vorbereitung auf den Wiedereinstieg in den Job nach der Kinderpause“, sagt die 52-jährige Antonia Köster. Als Projektleiterin in der IT- und Logistikbranche kann sie nun Lerngruppen moderieren, AGs leiten und dort vermitteln. „Im Wirtschaftsleben treten häufig Konflikte auf – ein Chef schlittert oft von Konflikt zu Konflikt.“

„Am Ende wurde Tacheles geredet“

Auch Yvonne Isensee möchte das Gelernte im Job anwenden. „Seit 16 Jahren arbeite ich im Personalwesen und als ehrenamtliche Richterin am Duisburger Arbeitsgericht“, berichtet sie. Einen Konflikt zwischen drei Arbeitskolleginnen in ihrem Büro konnte sie bereits beilegen. „Alle zwei Wochen haben wir uns für anderthalb Stunden zusammengesetzt – am Anfang noch mit verschränkten Armen.“ In Einzel- und Gruppengesprächen kristallisierte sich dann heraus, was die Kolleginnen tatsächlich störte.

„Am Ende wurde Tacheles geredet“, berichtet Yvonne Isensee. Jede formulierte ihre Gefühle, schrieb auf Karten auf, was sie voneinander erwarteten, ihre Wünsche und Vorstellungen. „Mit jedem Gespräch wurden die Formulierungen wertschätzender.“ Ein gutes Gefühl sei es gewesen, zu sehen, wie ein Konflikt beigelegt werden kann. „Dabei führen etwa 20 Prozent der Mediationen nicht zum Ziel“, weiß Dozentin Monique Ridder. Wenn die Fronten zu verhärtet sind, helfen auch Gespräche nicht mehr weiter.

So lange nachhaken, bis der Konflikt zu Tage trittt

In dem etwa ein Jahr dauernden VHS-Kurs gab sie den Teilnehmern Techniken und Werkzeuge an die Hand. „Etwa zur gewaltfreien Kommunikation“, sagen Antonia Köster und Yvonne Isensee. In 223 Unterrichtsstunden lernten sie vor allem zuzuhören, solange nachzuhaken, bis der wahre Grund des Konflikts zu Tage tritt. „Es ist ein Unterschied, ob ich sage ,ich fühle mich verlassen' oder ,ich bin einsam’“, erklärt Monique Ridder. „Mit dem ersten formuliere ich einen Vorwurf, mit dem zweiten bringe ich meine Gefühle zum Ausdruck.“

Um diese herauszukitzeln, gelte es für jeden Mediator, gut zuzuhören. „Und auf keinen Fall etwas zu interpretieren oder zu werten, sondern so lange nachzufragen.“ Schwierig werde der Job, wenn Klienten aufbrausend, sogar aggressiv reagieren. „In solchen Situationen ruhig und verständnisvoll zu bleiben, lernt man nur, indem man Situationen durchspielt“, weiß Antonia Köster. In Rollenspielen schlüpften die Teilnehmer in die Rolle des Chefs, des Nachbarn oder des verletzten Ehemannes. Durch den Perspektivwechsel wächst das Verständnis für das Gegenüber. Bis am Ende das Ziel einer jeden Mediation erreicht ist: „Wertschätzung auf beiden Seiten.“

Im VHS-Verbund gibt es etwa 300 Aktive

Mediation ist ein Verfahren zur freiwilligen Beilegung von Konflikten und seit 2012 als Option zur außergerichtlichen Konfliktbeilegung auch in Deutschland gesetzlich geregelt. Dabei unterstützt der Mediator als neutrale dritte Person die Konfliktparteien, konstruktiv miteinander ins Gespräch zu kommen und „Win-Win-Lösungen“ zu finden. Die sollen allen Beteiligten gerecht werden und nicht auf ein Sieger-Verlierer-Modell hinauslaufen. Viele Konflikte lassen sich so durch Mediationsverfahren einvernehmlicher und günstiger lösen als vor Gericht. Im DOME-Verbund der Volkshochschulen (Duisburg, Oberhausen, Mülheim, Essen) sind etwa 300 Mediatoren aktiv.

Der neue Mediations-Lehrgang startet am Freitag, 29. September, in der VHS. Interessierte erfahren bei einer kostenlosen Infoveranstaltung am Mittwoch, 28. Juni, um 18.15 Uhr in der VHS im Stadtfenster alles rund um diese Zusatzausbildung, die etwa 2100 Euro kostet. Infos unter 0203 - 283-2063 oder www.mediation-rhein-ruhr.com.

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