Ghost Bike

Nach Unfall in Heißen: Eltern kämpfen für Gedenk-Fahrrad

Anja und Stephan Langefeld fordern mehr Achtsamkeit und Aufmerksamkeit von den Verkehrsteilnehmern.

Anja und Stephan Langefeld fordern mehr Achtsamkeit und Aufmerksamkeit von den Verkehrsteilnehmern.

Foto: Frank Oppitz

Mülheim.   Erneut wurde ein „Ghost Bike“ aufgestellt, das an die Schülerin erinnern soll, die 2017 tödlich verunglückte. Erstmals äußert sich die Familie.

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„Entsetzt und traurig“ sei Anja Langefeld über das rätselhafte Verschwinden des weißen Fahrrads gewesen, das zum Gedenken an ihre 13-jährige Tochter aufgestellt wurde. Doch er werde immer wieder ein neues Rad aufstellen, betont Stephan Langefeld, Vater des nach einem Unfall im Oktober vergangenen Jahres verstorbenen Mädchens. „Und wenn es zu meiner Hauptbeschäftigung wird!“

Dass Familie Langenfeld dabei auf breite Unterstützung zählen kann, zeigte sich gestern, als Angehörige, ehemalige Schulkameraden, Lehrer und der ADFC die Familie dabei begleiteten, nach dem Verschwinden des Gedenk-Fahrrads im November ein neues sogenanntes „Ghost Bike“ an der Unfallstelle am oberen Frohnhauser Weg aufzustellen. „Das Rad ist für mich wie ein Stolperstein“, sagt Anja Langefeld. „Für mich ist es ein Symbol für das, was unserer Tochter hier passiert ist. Es soll die Menschen innehalten lassen.“

Langefelds Tochter fuhr mit dem Fahrrad auf ihrem Schulweg, als sie der Zusammenstoß mit einem Lkw tödlich verletzte. Mit dem Vorfall beschäftigt sich derzeit die Duisburger Staatsanwaltschaft. Derzeit werde ein Gutachten ausgewertet, in einigen Wochen könne man Genaueres sagen, sagte eine Sprecherin auf Anfrage.

Während die Schuldfrage weiterhin ungeklärt ist, wird seit dem Unfall verstärkt über die Sicherheit des Radverkehrs in Mülheim diskutiert – wobei insbesondere die Schulen in der Nähe der Unfallstelle in Heißen Forderungen stellen. „Zu keiner Schule und keiner Kindertagesstätte im Umkreis gibt es einen sicheren Zufahrtsweg“, ärgert sich Sonja Petersen, Geschäftsführerin der Waldorfschule. Zumindest habe sich die Stadt bereit erklärt, die Einführung von Schulwegplänen an den Schulen zu unterstützen, beginnend an der Waldorfschule. Dabei soll es nicht nur darum gehen, die Gefahren des Schulwegs im Unterricht zu besprechen und diesen gemeinsam abzugehen, „sondern im zweiten Schritt auch darum, die Gefahren abzumildern“, sagt Petersen.

Doch wie können Stellen wie der Unfallort an der Einfahrt des Heißener Hofs wirklich weniger gefährlich werden? In einer Stellungnahme der Verwaltung auf eine Anfrage der Grünen in der BV 1 heißt es: „Der Unfall ereignete sich aufgrund unglücklicher Umstände und war mit straßenverkehrsrechtlichen Mitteln nicht zu verhindern.“ Mehr als die Einfahrt mit zwei zusätzlichen Fahrrad-Piktogrammen zu markieren sei aus diesem Grund nicht zu machen.

Unter den anwesenden Bekannten und Angehörigen würde man sich dagegen Warnpfosten oder weitere farbliche Markierungen wünsche – während für alle gleichzeitig klar ist, dass dadurch nicht jeder Unfall verhindert werden kann.

„Jedes neue Auto hat inzwischen eine Einparkhilfe, damit es ja nicht zu einem Blechschaden kommt“, beklagt Sonja Petersen. „Aber warum werden die Neuwagen nicht alle mit einem Totwinkelwarner ausgestattet, so wie es längst technisch möglich ist?“ Auch Anja Langefeld glaubt, dass weitere Markierungen nicht helfen würden, solange sich nicht im Kopf der Verkehrsteilnehmer etwas verändere: „Das Entscheidende ist: Es bräuchte mehr Achtsamkeit und Aufmerksamkeit unter den Menschen.“

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