Menschen machen’s möglich

Mülheims Wellcome-Engel: Ehrenamtler entlasten junge Eltern

Die Mülheimer „Wellcome-Engel“ Gaby Ravenstein (l), Stephanie Zwilling (2.v.l.) und Heidemarie Haggert (r.) zusammen mit der Projektkoordinatorin Rosemarie Esser.

Die Mülheimer „Wellcome-Engel“ Gaby Ravenstein (l), Stephanie Zwilling (2.v.l.) und Heidemarie Haggert (r.) zusammen mit der Projektkoordinatorin Rosemarie Esser.

Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Die Wellcome-Engel unterstützen junge Familien beim Start in den Alltag – ehrenamtlich. Sie sind bei „Menschen machen’s möglich“ nominiert.

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„Mütter dürfen auch Frau sein. Dafür brauchen sie Zeit, mal in die Wanne zu gehen oder durch Geschäfte zu schlendern“, findet Heidemarie Haggert. Doch mit einem Baby – oder sogar mehreren – fehlt dafür schlichtweg die Zeit. Da springt die 51-Jährige ein. Sie ist ein „Wellcome-Engel“ und unterstützt ehrenamtlich junge Eltern beim Start ins Familienleben.

„Es ist einfach eine schöne und wertvolle Aufgabe“, findet Haggert, die selbstständig arbeitet und keine Kinder hat, dafür aber viele Nichten und Neffen. Einmal pro Woche besucht sie für drei Stunden die Zwillinge Pia und Jan. Nach einem Kennenlerntreffen haben sowohl Mama Miriam Höser als auch Heidemarie Haggert gemerkt, dass es passt. Zehn Monate sind die beiden Geschwister mittlerweile alt – bis zu ihrem ersten Geburtstag wird der „Wellcome-Engel“ noch regelmäßig bei den beiden sein, um ihre Mama zu entlasten.

Hilfe in den ersten Monaten nach der Geburt

So ist der Gedanke hinter dem ehrenamtlichen Projekt, das es in Mülheim seit 2013 und bundesweit seit 2006 gibt. Die Ehrenamtlichen sollen den jungen Eltern in den ersten Monaten nach der Geburt helfen, diese neue und besonderere Herausforderung zu meistern – gerade in den Familien, die keine große Familie in der Nachbarschaft wohnen hat, die einspringen kann.

Die Ehrenamtlerinnen – es sind in Mülheim nur Frauen – gehen dann an ein bis zwei Tagen pro Woche in ihre Familie. Dort helfen sie den Müttern und Väter ganz individuell, indem sie mit zum Kinderarzt gehen, über den Schlaf des Kindes wachen, während die Eltern sich ausruhen oder sich um das Geschwisterkind kümmern. Zudem findet alle sechs Wochen ein Team-Treffen statt, in dem sich die Ehrenamtlerinnen austauschen können.

In Mülheim betreuen die „Wellcome-Engel“ derzeit acht Familien. „Aus ganz unterschiedlichen Schichten und mit ganz unterschiedlichen Familienkonstellationen“, erklärt Rosemarie Esser, Mülheimer Projektkoordinatorin. „Es sind die ganz klassischen Familien, Alleinerziehende, Eltern mit Migrationshintergrund und ohne, Mehrlingsfamilien oder Familien von kranken Kindern.“ Einschränkungen gibt es nicht. Obwohl Träger des Projekts die Frühen Hilfen und die Evangelische Familienbildungsstätte sind, ist es konfessionsübergreifend.

„Ich hatte selbst Großeltern vor Ort und möchte anderen Familien etwas zurückgeben“

Auch Stephanie Zwilling und Gaby Ravenstein helfen ehrenamtlich einmal pro Woche in zwei Mülheimer Familien. „Ich wollte einfach mal was anderes machen“, beschreibt die 54-jährige Stephanie Zwilling ihre Beweggründe. Sie arbeitet selbstständig als Altenpflegerin, hat zwei erwachsene Kinder. „Der Grund war aber nicht, dass ich es nicht abwarten kann, Oma zu werden. Aber ich selbst hatte Großeltern in der Nähe, als meine Kinder klein haben. Ich möchte denen etwas zurückgeben, die dieses Glück nicht haben.“ Sie unterstützt eine Familie mit einem schwer kranken Kind. Wenn sie einmal in der Woche da ist, geht sie viel spazieren.

Gaby Ravenstein ist pensioniert und zweifache Oma. Als die Enkelkinder etwas größer wurden, meldete sie sich bei den „Wellcome-Engeln“ und kümmerte sich um den Sohn einer Alleinerziehenden. Ein Jahr ist mittlerweile rum und Ravenstein ist wieder in einer anderen Familie. „Der Junge kommt aber manchmal noch zu uns in den Garten.“ Denn in einem Jahr baut man eine gewisse Bindung zu den Kindern auf.

„Es ist vollkommen okay, wenn der Kontakt auch nach dem Jahr bestehen bleibt. Dann allerdings außerhalb des Projektes“, sagt Koordinatorin Rosemarie Esser. Ihr ist es auch wichtig, zu betonen, dass sich die Ehrenamtlerinnen nicht komplett verpflichten. „Wenn irgendwas in der Familie ist oder jemand eine Auszeit braucht, ist das vollkommen in Ordnung“, betont sie.

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