Spar-Diskussion

Mülheims Theater-Chefs kontern Kritik an ihrem Wirken

Das zu den Weißen Nächten im Sommer alljährlich farbenfroh inszenierte Theaterhaus am Raffelbergpark

Foto: Andreas Köhring

Das zu den Weißen Nächten im Sommer alljährlich farbenfroh inszenierte Theaterhaus am Raffelbergpark Foto: Andreas Köhring

Mülheim.   Kurz vor der Ratssitzung, in der der Etat verabschiedet wird, geht das Theater in die Offensive und nimmt Stellung zum Vorwurf der Nische.

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Der Tagungsort der jüngsten Kulturausschusssitzung war schon wegweisend. Die Kulturpolitiker trafen sich im Theater an der Ruhr, das zwar nicht Bestandteil eines Kürzungsvorschlags der Gemeindeprüfungsanstalt war, aber dann doch ins Zentrum einer heftigen Diskussion geriet, die in dem Vorwurf des „elitären Nischentheaters“ gipfelte. Wie ernst die beiden Geschäftsführer Sven Schlötcke und Helmut Schäfer die Situation tatsächlich nehmen, war ihrem ausführlichen, mit Zahlen gespickten und faktenreichen Vortrag anzumerken.

Den Vorwurf der Nische griff Schlötcke auf und wandelte ihn in eine Tugend. Da sich die Gesellschaft seit Jahren wandele und immer weiter fragmentiere , ein Prozess, der durch das Internet beschleunigt werde, habe das Theater eine zielgruppenorientierte Strategie entwickelt. So gebe es sowohl Angebote für ein klassisch-bürgerliches Publikum wie auch für jüngere, studentische Zuschauer.

Schlötcke: Angebot nicht nur für klassisch-bürgerliches Publikum

Zuwanderung spiele eine zunehmende Rolle, seit dem Ratsbeschluss von 2002 (als Folge des Pisa-Schocks) auch die partizipative Kinder- und Jugendarbeit mit den Schulen. 3500 Schüler würden durch Vor- und Nachbereitung von Vorstellungen durch die Theaterpädagogik erreicht. Am Morgen erst war das Haus voller Schüler, die sich von „Die Schöne und das Biest“ hätten begeistern lassen. Maria Neumann präsentierte in der vergangenen Spielzeit 55 Mal Märchen, bei denen sie Zuschauer mit einbezieht.

Und in der Götter-Trilogie, die Anfang 2018 fortgesetzt wird, stehen in einem von der SWB geförderten Projekt Schüler der Willy-Brandt-Schule auf der Bühne. Dürrenmatts Physiker erlebten bislang 21 Vorstellungen mit einer Auslastung von 99 Prozent. Die liege beim Jungen Theater insgesamt bei 80 Prozent. Dass gleich zwei Stücke zum Westwind-Festival nominiert wurden, zeige, dass auch die Qualität geschätzt werde. Für Dieter Spliethoff, Fraktionschef der SPD, ist gerade diese Arbeit in den Schulen von unschätzbarem Wert, den man nicht einkaufen könne.

SPD und CDU erklären, dass sie zum Theater stehen

Schlötcke nannte Kooperationspartner, wies auf unterschiedliche Projekte der internationalen Arbeit hin, die nahezu komplett durch Fördergelder (etwa von Land und Bund) realisiert würden. Er kündigte an, dass das Theater 2018 abermals bei den Ruhrfestspielen präsent sein wird. Im Vergleich mit anderen Häusern zeigte er, wie schlank Team und Leitung bei etwa gleicher Veranstaltungszahl wie in Oberhausen aufgestellt seien. Für die CDU sicherte Angelina Spiegel nach einigen „unangenehmen Fragen“ im Vorfeld zu, dass sie grundsätzlich hinter dem Theater stehe, und lobte die Bandbreite.

Ausschussvorsitzender Georg Hötger von der BAMH, der die Diskussion mit der Forderung einer unmäßigen Einsparsumme losgetreten hatte, hüllte sich, abgesehen von einer Anregung, in Schweigen.

>> DAS THEATER AN DER RUHR

Das 1981 gegründete Theater an der Ruhr hat 42 Beschäftigte und zwei Geschäftsführer. Roberto Ciulli ist nur noch Ensemble-Leiter und inszeniert mit 83 Jahren bis zur Sommerpause noch drei Stücke.

Das Theater wirbt jährlich zwischen 700 000 und 1 Million Euro an Drittmittel ein und verfügt über zahlreiche Partner.

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