OB-Stichwahl

Mülheim: Neuer OB Marc Buchholz im ersten Interview

CDU-Kandidat Marc Buchholz wird zum Oberbürgermeister für Mülheim gewählt.

CDU-Kandidat Marc Buchholz wird zum Oberbürgermeister für Mülheim gewählt.

Foto: Tanja Pickartz / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Er ist der vierte CDU-Oberbürgermeister Mülheims: Marc Buchholz. Er will weiter gegen Corona vorgehen, für Etat kämpfen und einen Partner finden.

CDU-Kandidat Marc Buchholz ist der Gewinner der OB-Stichwahl. Mit 56,91 Prozent der Stimmen hat er sich bei der Stichwahl am Sonntag gegen Monika Griefahn (SPD) durchgesetzt. Sie errang 43,09 Prozent der Stimmen.

2:0 für Buchholz! Ihre Kampagne hat sich ausgezahlt. Aus 94 Stimmen Vorsprung bei der Wahl vor zwei Wochen sind deutliche 6732 Stimmen Vorsprung geworden. Mit klarem Votum haben sich die Mülheimer nun für Sie als Oberbürgermeister entschieden. Im Jahr 2009, bei Ihrer OB-Kandidatur in Bottrop, waren Sie unterlegen. Nun sind Sie Sieger – was geht Ihnen durch den Kopf?

Marc Buchholz Vor allem Erleichterung, dass wir unser Ziel erreicht haben, dass der Wahlkampf zu Ende ist. Ich habe immer gesagt, am Montag gehe ich wieder ins Rathaus. Dass tue ich in den kommenden fünf Jahren als Oberbürgermeister besonders gern. Der Wahlkampf mit zehn OB-Kandidaten war speziell. Und es gab dieses hohe Misstrauen in der Stadt. Aber die Bürger haben gedacht, da ist einer, der versteht, warum wir so frustriert sind. Der Wahlkampf war auch deshalb besonders, weil ich eine so prominente Mitbewerberin hatte.

Das Handy des Gewinners klackert ununterbrochen

Wer freut sich mit Ihnen? Wer hat die erste WhatsApp geschrieben?

Viele, die sich freuen, sind hier vor Ort: aus der Partei, außerdem die Freunde von den Grünen. Klasse, dass sie hier sind: Timo Spors, Tim Giesbert, Kathrin Rose. Mein Handy klackert die ganze Zeit. Zu den ersten WhatsApp-Glückwünschen gehörten Heinz Ermers, der ehemalige Parteivorsitzende der SPD in Kevelaer, Christian Mangen und Dieter Spliethoff.

Hat sich Mitbewerberin Monika Griefahn schon gemeldet?

Ja, sie hat vorhin angerufen und mir gratuliert.

Glauben Sie, dass die Mülheimer heute vor allem Sie als Person gewählt haben – oder sich in erster Linie für die Partei CDU entschieden haben?

Das war schon eine Personenwahl. Es stand eine versierte ehemalige Ministerin gegen einen Kommunalverwaltungsmenschen. Die Bürger haben abgewogen, wer von beiden mehr bewegen kann. Und sich für mich entschieden wegen der Erfahrung in der Kommune. Ich bin häufiger gefragt worden: Herr Buchholz, was möchten Sie? Und dann hat mein Neun-Punkte-Plan gegenüber dem Zehn-Punkte-Plan von Frau Griefahn wohl überzeugt. Meine Ideen waren konkreter als ihre.

Wie starten Sie ins neue Amt? Benennen Sie Ihre drei Prioritäten.

Als erstes müssen wir die Corona-Pandemie in der Stadt so weiter bekämpfen, dass es nicht zu einem erneuten Lockdown kommt. Wir müssen mit Vertretern von Schulleitungen und aus der Elternschaft sprechen, um Vorsorge zu treffen. Mein zweiter Punkt sind die Etatberatungen für das kommende Jahr. Die müssen gut vorbereitet werden. Wir müssen finanziell handlungsfähig bleiben. Der Glückwunsch des NRW-Finanzministers Lutz Lienenkämper, der gerade reingekommen ist, ist ein willkommener Anlass, um noch einmal für den Schuldenschnitt zu werben. Drittens geht es jetzt darum, Mehrheiten zu finden. Das Angebot geht an alle demokratischen Parteien. Schwarz-Grün plus meine Stimme hat gute Chancen auf eine Gestaltungsmehrheit.

Buchholz will Gespräche mit Bürgerinitiativen und Bürgern weiterführen

Es wird nicht leicht sein, Ihren Slogan „Neues Vertrauen in die Verwaltungsspitze“ umzusetzen. Die Affäre um SPD-Oberbürgermeister Ulrich Scholten hat tiefe Spuren im Volk hinterlassen. Wie wollen Sie die Bürger zurückgewinnen?

Ich werde die Gespräche mit Bürgerinitiativen und Bürgern weiterführen. Aus der Podiumsdiskussion von WAZ und NRZ habe ich eine Idee von drei Damen mitgenommen. Sie fragten, ob es nicht gelingen kann, mit Stadtrat, Verwaltung und Bürgern einmal jährlich eine Bürgerstadtratssitzung zu gestalten. Das werde ich dem Ältestenrat vorschlagen. Man sieht daran übrigens, dass der Wahlkampf auch dazu nütze sein kann, auf Ideen zu kommen.

Sie haben sich ausgesprochen für eine Zusammenarbeit mit den Grünen. Wie werden Sie das angehen?

Das haben wir gerade schon hier am Nachbartisch mit den Grünen besprochen. Wir wollen in den nächsten Tagen mit vielen Gesprächen konkreter werden. Ich freue mich auf die Gespräche. Es passt menschlich und thematisch.

2,1 Milliarden Euro: Die Mülheimer sind immer wieder aufs Neue frustriert, wenn Sie über die unfassbar hohe Verschuldung ihrer Stadt sprechen. Wie machen Sie Ihnen echte Hoffnung?

Der letzte Haushalt muss uns Hoffnung machen. Der Kämmerer konnte vier Millionen Euro ins Jahr 2020 mitnehmen. Und der Bund erstattet von den Kosten für die Unterkunft nach SGB II pro Jahr 14 Millionen Euro mehr. Das ist mehr als ein Hoffnungsschimmer.

Die Task Force Klimawandel soll im Büro des Oberbürgermeisters angesiedelt werden

Ihre Kontrahentin Monika Griefahn hat noch vergangene Woche einen Klimaplan für Mülheim skizziert. Sie haben bisher lediglich angekündigt, eine „Task Force Klimawandel“ einzusetzen. Was ist Ihr Programm?

Wir haben ja bereits eine Gruppe von fünf bis sechs Mitarbeitern im Büro des Kollegen Peter Vermeulen, die sich mit dem Thema beschäftigen. Monika Griefahns Vorschläge waren in vielen Teilen nichts Neues. Die Task Force – sie wird aus einer Person bestehen – soll in meinem Büro angesiedelt werden. Es wird eine Koordinierungsstelle sein, eine Schnittstelle zwischen Politik und Bürgern. Ein Oberbürgermeister muss wissen, welche Umweltthemen im Umlauf sind.

Werden Sie vor dem Umzug ins OB-Büro das Gespräch mit Ihrem Vorgänger, Ulrich Scholten, suchen?

Wenn es sein Gesundheitszustand zulässt, werde ich mich sicherlich mit ihm austauschen. Das gebietet die Höflichkeit und die vernünftige Amtsübergabe. Ich wünsche dem Alt-OB alle Gute.

Was denken Sie, was die Schlagzeilen Ihrer Amtszeit sein werden? Worüber werden die Menschen in fünf Jahren, bei der nächsten Kommunalwahl, reden?

In fünf Jahren steht in den Zeitungen: Buchholz wirbt für weitere fünf Jahre um das gewonnene Vertrauen.

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