Extreme punkte Mülheims

Mülheims Grenzen, Höhen, Tiefen: Abstecher zu Extrempunkten

Lukas Rentmeister, Vermessungstechniker in Ausbildung, neben dem alten Grenzstein in Dümpten, der heute nicht mehr exakt die nördlichste Stelle der Stadt Mülheim markiert.

Foto: Michael Dahlke

Lukas Rentmeister, Vermessungstechniker in Ausbildung, neben dem alten Grenzstein in Dümpten, der heute nicht mehr exakt die nördlichste Stelle der Stadt Mülheim markiert. Foto: Michael Dahlke

Mülheim.   Ein Ausflug zu den nördlichsten, östlichsten, südlichsten und westlichsten Punkten der Stadt mit interessanten Begegnungen.

Ein alter Grenzstein steht an der Ecke Leppkesfeld/Hexberg. „Essen“ entziffert man auf der einen Seite, „Mülheim“ auf der anderen. Hinten müsste „Oberhausen“ eingraviert sein, doch da steht – gar nichts. Der „Lepkeshof“ mit seinem Hofladen nebendran, der am Dreistädteeck liegt, hat schon eine Oberhausener Adresse.

Hier, am nördlichsten Punkt der Stadt, beginnen wir unsere Rundreise zu den „Extrempunkten“ Mülheims. Zum Osten, Süden und Westen, zum höchsten und zum niedrigsten Punkt der Stadt.

Hoch im Norden treffen wir Norbert Lange, der bei der Stadt für das Koordinaten-Kataster zuständig ist, und den angehenden Vermessungstechniker Lukas Rentmeister. Beide arbeiten beim Mülheimer Amt für Geodatenmanagement, Vermessung, Kataster und Wohnbauförderung und haben für uns den nördlichsten Punkt Mülheims genau vermessen, mittels eines modernen GPS (GNSS)-Geräts. Der alte Markstein, das sieht man gleich, steht nicht mehr korrekt. „Der wurde bei Baumaßnahmen vielleicht mal versetzt“, schätzt Norbert Lange. Und dann wohl nicht wieder korrekt eingebaut. Ein paar der alten Grenzsteine gibt es noch in Mülheim, weiß Vermessungstechniker Lange. Der da am nördlichsten Grenzpunkt müsste aus der Zeit um 1910 stammen, vermutet er.

Grün ist’s in Mülheims Norden, in Dümpten: Felder, Wiesen, per Rad ist man in 3,4 km in der neuen Mitte Oberhausen, in 5,7 km am Gasometer, und nur 4,3 km Radweg führen nach Dellwig.

Zum westlichsten Punkt am besten mit dem Rad

Auch zum westlichsten Punkt der Stadt kommt man am besten mit dem Rad. Der Grugaradweg, der aus Essen kommend in Heißen endet, führt genau daran vorbei. Herauflaufen kann man über die Wienenbuschstraße von Fulerum aus auf die Radtrasse. Ganz heran kann man nicht: Hinter einem Wall liegt das EVAG-Betriebsgelände in Essen-Frohnhausen, und ein Eckchen vom EVAG-Grundstück liegt auf Mülheimer Stadtgebiet, wie das Luftbild zeigt. Das ist die westlichste Ausdehnung. Regelmäßiger „Grenzgänger“ ist Jürgen Kirmse (63) aus Essen-Altendorf. Er geht allein, konzentriert sich auf die Natur, lässt seine Gedanken schweifen.

„Heute habe ich gut 14 Kilometer lang keinen Menschen getroffen.“ Über den Radschnellweg ist er heute schon in die Mülheimer Innenstadt gewandert. Von dort zum Wasserbahnhof, dann an der Ruhr entlang nach Kettwig, Werden und über Essen-Stadtwald geht’s wieder auf dem Radweg über Mülheimer Stadtgebiet nach Hause. Über sechs Stunden und mehr als 30 km waren es heute. Der sportliche Ruheständler macht das mehrmals pro Woche. „Ich gehe immer so, dass ich auch abkürzen kann“, erzählt er. Seine Lieblingsroute mag er nicht verraten: „Ich laufe da, wo kein Auto fahren darf. Einfach losgehen und suchen“, so seine Empfehlung. „Es lohnt sich immer!“

Am Breitscheider Bach liegt Mülheims Süden

Der südlichste Punkt Mülheims liegt mitten im Gelände, und man muss sich von Ratingen-Lintorf aus herantasten: Die Lintorfer Straße „In der Drucht“ führt genau an Mülheims Südspitze vorbei. Die liegt am Breitscheider Bach, in der Nähe der Brücke. Dort wohnt Ellen Gross seit ihrer Kindheit, ihre Familie zog einst aus Bayern her. Der Blick aus ihrer Haustür geht in Mülheims grünen Süden, im Rücken rauscht der Verkehr auf der A 524. Die Autobahn stört sie nicht – „aber früher war schon weniger Verkehr“. Frau Gross ist bei der Gartenarbeit, und was sie stört, sind die Maulwürfe im Garten. „Aber ob die nun alle aus Mülheim rübergekommen sind, weiß ich nicht“, lacht sie. „Da drüben ist schon Duisburg“, zeigt sie uns noch, dann zieht sie sich aber wieder ihre Gartenhandschuhe an.

Wir fahren weiter zu Mülheims westlichstem Punkt. Der liegt im Schifffahrtskanal der Ruhr, nördlich vom Kreuz Kaiserberg. Wenn man in der Verlängerung des Kolkerhofwegs (Speldorf) über die Straße Schwiesenkamp nach Duisburg fährt und auf der Brücke den Blick scharf nach links zur Eisenbahnbrücke schweifen lässt, liegt die Westspitze Mülheims ganz unspektakulär mitten im Wasser. Am besten lässt sich das aus der Vogelperspektive erkennen.

Mülheims Gipfel ist schon fast in Essen

Wer der Stadt aufs Dach steigen will, muss wieder bis zur Stadtgrenze Richtung Essen-Kettwig fahren: An der höchsten Stelle erhebt sich Mülheim stolze 152,70 Meter (über Normalhöhennull, NHN). Das hat das Katasteramt gemessen, und man ist an dieser Stelle mit einem Bein schon fast in Essen. Der Messpunkt, den kein Gipfelkreuz ziert, liegt etwa da, wo der Saalsweg auf die Meisenburgstraße stößt. Mitten im Grünen beginnt hier oben das Naturschutzgebiet. Mülheims Gipfel besteigt man am besten bei gutem Wetter: Von oben sieht man weit über Mülheim bis zum Gasometer Oberhausen und zum Bottroper Tetraeder.

In den Ruhrniederungen ist Mülheim am flachsten. Nur 26,00 Meter liegt der niedrigste Punkt der Stadt über NHN. Im Ruhrbogen, direkt am Ufer der Ruhr. Der niedrigste Punkt liegt im Deponiegelände und ist somit nicht öffentlich zugänglich, teilte die Stadt auf Anfrage mit.

Der Mittelpunkt der Stadt ist übrigens nicht das Rathaus, noch nicht einmal die Stadtmitte. Zumindest nicht aus Sicht der Vermesser. Der geografische Mittelpunkt Mülheims liegt in Saarn, mitten in den Ruhrauen, nah an Ruhrufer und Leinpfad, beim sogenannten „Entenschnabel“ (wo früher die Wasserrutsche stand).

Die Stadtmitte ist nicht der Mittelpunkt

Der Mittelpunkt der Stadt ist ein Rechenergebnis, das man erhält, wenn man von den Koordinaten der Stadtgrenze ausgehend die Fläche bestimmt und sich dann (vom entsprechenden Computerprogramm) den Mittelpunkt der Fläche darstellen lässt.

Mülheims Stadtmitte liegt übrigens (obwohl auch in der Nähe der Ruhr) höher als der tiefste Punkt in den Ruhrniederungen. Die Kreuzung Löhberg/Schloßstraße liegt nach Aussage des Amtes für Geodatenmanagement, Vermessung, Kataster und Wohnbauförderung in einer Höhe von etwa 39 Metern. Im Bereich der Schloßbrücke beträgt der Höhenwert etwa 32 Meter über NHN.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik