Kultur

Mülheims ältester Chor gibt sein Abschiedskonzert

Mülheims älteste Sängergemeinschaft, der Männerchor Frohsinn, gab am ersten Advent sein letztes Konzert in der St. Barbara-Kirche am Schildberg

Mülheims älteste Sängergemeinschaft, der Männerchor Frohsinn, gab am ersten Advent sein letztes Konzert in der St. Barbara-Kirche am Schildberg

Foto: Franz Naskrent

Mülheim.  Männerchor Frohsinn gestaltete am ersten Advent sein letztes Konzert. Er löst sich nach 166 Jahren auf – aber die Sänger bleiben zusammen.

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Als der Männergesangverein in der Silvesternacht 1851/52 aus einer Sektlaune heraus ins Leben gerufen wurde, hätten sich seine Gründer wohl nicht träumen lassen, dass ihr Kind 166 Jahre alte würde. Insofern ist die Geschichte des Frohsinns eine Erfolgsgeschichte, die am ersten Adventssonntag in der Barbarakirche mit einem eintrittsfreien und überaus gut besuchten Abschiedskonzert ausgeklungen ist.

„Es tut schon weh“, bekennt der Chor-Vorsitzende Horst Stemmer, ehe er die 350 Konzertbesucher im Kirchenschiff von St. Barbara begrüßt. „Wir wollen ihnen heute ohne Abschiedsgedanken Frohsinn vermitteln, so wie wir das immer getan haben“, sagt Stemmer. Doch der traurige Unterton in seiner Stimme ist unüberhörbar.

22 Chorbrüder geben noch einmal alles

Die Zuhörer, die fast ausschließlich aus reiferen Semestern bestehen, bekommen auch beim 25. Adventskonzert, das der Frohsinn in St. Barbara singt, zu hören, was sie als musikalische Einstimmung in den Advent lieben. Zum Beispiel: „Ein Ros ist entsprungen“, „O, du fröhliche“, „O heilige Nacht“ oder: „Nun freuet euch ihr Christen.“ Die 22 Chorbrüder des Frohsinns und ihr Gastsolist Henry Görke geben alles und bekommen ihren verdienten Applaus. Am Ende, als das letzte Konzert des Mülheimer Traditionschores mit der zweiten Zugabe nach 97 Minuten ausklingt, gibt es stehende Ovationen und Bravo-Rufe.

Hausherr und Frohsinn-Ehrenmitglied, Pfarrer Manfred von Schwartzenberg, hat es sich nicht nehmen lassen, dem Chor mit „I am sailing“ zum Abschied ein Ständchen zu bringen. „Wir haben gemeinsam Freude am Gesang und an der Verkündigung des christlichen Glaubens. Und heute, da ich selbst wenige Monate vor meinem Abschied als Pfarrer von St. Barbara stehe, fühle ich mich besonders solidarisch mit ihnen“, sagt von Schwartzenberg.

Stammtisch und gemeinsame Ausflüge in Zukunft

„Viele fragen uns: Warum macht ihr mit 22 Leuten nicht einfach weiter. Doch wir spüren als Chorbrüder, dass wir älter und kränker werden, dass unsere Stimmen nachlassen und dass wir das Konzertpublikum nicht mehr so unterhalten können wie wir das wollen und für richtig halten“, begründet Horst Stemmer die Auflösung des Chores, dessen Mitglieder durch einen Stammtisch und gemeinsame Ausflüge als „Frohsinn-Familie“ weiter zusammenbleiben wollen.

Wer sich nach dem Konzert im Auditorium umhört, stößt gleichermaßen auf Trauer und Verständnis. „Das ist ein schmerzhafter, aber notwendiger Abgesang, weil der Nachwuchs fehlt“ ist da zu hören und: „Mir werden das traditionelle Liedgut und seine musikalische Einstimmung in den Advent fehlen“ oder: „Nicht nur Chöre haben es heute schwer, weil sich niemand mehr binden will“. Aber traditionelle Männerchöre sind leider ein Auslaufmodell und nur noch in ländlichen Stadtteilen und Orten lebensfähig, wo Menschen noch gemeinschaftsbezogen leben und traditionell in einem Chor, bei der Freiwilligen Feuerwehr oder im Schützenverein aktiv sind.“

>>>Sängergemeinschaft mit bewegter Geschichte

Der Männergesangsverein Frohsinn probte bis 1943 im Rheinischen Bauernhaus an der Delle. Nach dessen Zerstörung im Krieg wurde der Handelshof für 60 Jahre die Heimat der Sänger. Es folgten zehn Jahre im Haus Dimbeck, die letzten eineinhalb Jahre probte man im Bürgergarten oder in der Zionskirche.

Im Haus der Vereine in der Alten Dreherei soll es künftig einen Schrank geben, in dem Bilder und Pokale von Mülheims ältestem Chor zu sehen sein werden. „So bleiben wir auch der Nachwelt in Erinnerung“, freut sich Geschäftsführer Werner Heinrichs, der dem Chor seit 63 Jahren treu ist.

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