BIETSPIEL

Mülheimerin verehrt seit 65 Jahren den Sänger Vico Torriani

MarIene Weins hat eine Mülheimer Lokalausgabe vom 21. September 1995. Darin: ein Bericht über sie selbst und ihren liebsten Sänger Vico Torriani.

MarIene Weins hat eine Mülheimer Lokalausgabe vom 21. September 1995. Darin: ein Bericht über sie selbst und ihren liebsten Sänger Vico Torriani.

Foto: Herbert Höltgen

mülheim.   Die Redaktion sucht die älteste WAZ-Lokalausgabe: Marlene Weins hat eine Ausgabe von 1995 aufbewahrt. Aus Zuneigung zu ihrem Lieblingssänger.

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Die große Suche nach der ältesten Lokalausgabe der Mülheimer WAZ hat erst begonnen: Nachdem Redaktionsleiter Mirco Stodollick sich mit einer WAZ-Ausgabe von 2014, die ihn an die Geburt seiner Tochter erinnert, ins Rennen gebracht hat, haben Leser in ihre Erinnerungsstücke geblickt. Leserin Marlene Weins bietet eine Mülheimer WAZ-Ausgabe vom
21. September 1995.

An jenem Donnerstag war Marlene Weins selbst in der Zeitung. In dem Bericht „Im ,Koffer voller Seligkeit’ liegen die Erinnerungen“ gratuliert die heute 80-Jährige ihrem Idol Vico Torriani zum
75. Geburtstag. Der Sänger und Schauspieler mit Schweizer Wurzeln, der gerne auf Italienisch sang und große Erfolge in den 50er, 60er und sogar in den 70er Jahren feierte, begleitet die Styrumerin ihr Leben lang.

Marlene Weins: „Die Stimme, diese Stimme!“

„Die Stimme, diese Stimme!“, erinnert sich Marlene Weins und streckt ihre Hände mit Schwung von sich. Wenn Vico Torriani „Addio Donna Grazie“ im Radio und später vom Tonband sang, durfte keiner aus der Familie der Styrumerin sprechen. Stille sollte herrschen.

Als Verehrerin, heutzutage spräche man von Super-Fan, hat Marlene Weins eine beträchtliche Sammlung von Vico-Torriani-Memorabile. Von diesem „Koffer voller Seligkeit“ erzählt der WAZ-Bericht aus dem Jahr 1995. Damals wie heute darin zu finden: Schallplatten, Magazine, Poesiealben mit Fotos des Sängers, wie ihn Marlene Weins aus Illustrierten ausschnitt.

Das macht sie nicht mehr, doch ihre Sammlung ist ihr wichtig – so wie die Musik von Torriani. „Heute höre ich Vico zwei bis drei Mal im Monat, als 15-Jährige hörte ich ihn jeden Tag“, sagt Weins. Denn: Ob in den 50ern oder heute, legt Marlene Weins eine Platte, heute eine CD, ihres Lieblingssängers auf, dann bekommt sie gute Laune. Auch davon erzählt der damalige WAZ-Bericht. Den Artikel schickte sie dem Sänger und er antwortete wenige Tage später mit einem kleinen, signierten Dankeswort – auch das hat Marlene Weins akribisch aufbewahrt.

„Ich war das erste Mitglied im Vico-Torriani-Fan-Club, deutschlandweit“, sagt die Styrumerin, die lange Jahre als selbstständige Fußpflegerin arbeitete und auch mit 80 Jahren noch drei Kunden hat. Sie ging zu jedem Torriani-Konzert, das es in ihrer Umgebung gab, sah ihr großes Idol neun Mal. „Ich habe ihn nie als Mann, sondern als Sänger verehrt“, sagt sie.

Als sie in den 1950ern mit ihrem Mann, damals war er ihr Verlobter, nach einem Konzert in Oberhausen ein Autogramm haben wollte, stellte sie sich brav an – und die beiden verpassten die letzte Bahn nach Mülheim. Sie mussten laufen. Marlene Weins hatte neue Schuhe an. „Das war ein Marsch, und heftige Blasen habe ich mir gelaufen“, erinnert sie sich. „Doch gelohnt hat es sich alle mal.“ Sie geht aber mit der Zeit: „Spielt David Garrett Geige, bin ich auch in einer anderen Welt.“

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