Menschen in Mülheim

Mülheimerin (90) erinnert sich an Reise nach Palmyra

Paula Prill aus dem Wohnpark Dimbeck erinnert sich gerne an ihre Reise nach Syrien.

Foto: Michael Dahlke

Paula Prill aus dem Wohnpark Dimbeck erinnert sich gerne an ihre Reise nach Syrien. Foto: Michael Dahlke

Mülheim.   Syrien ist heute nicht mehr wie vor 20 Jahren. Paula Prill war 1997 dort. Viele Kulturstätten, die sie gesehen hat, sind zerstört.

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Wenn Paula Prill (90) in den letzten zwei Jahren den Fernseher eingeschaltet hat, bekam sie häufig Bilder aus dem Syrien-Krieg zu sehen. Aufnahmen, die sie traurig gemacht haben, denn die Seniorin hat das Land 1997 bereist – und sie hat viele beeindruckende Stätten besichtigt, die mittlerweile in Schutt und Asche liegen. „Das ist so unglaublich schade, aus diesem Land hätte man so manches machen können“, sagt sie bedauernd.

Eine Rundreise haben Paula Prill und ihr Mann Karl damals unternommen, unbedingt sehen wollten sie die geschichtsträchtige Oasenstadt Palmyra, die seit 1980 auch Unesco-Weltkulturerbe ist. „Wir waren immer sehr an Geschichte und an anderen Kulturen interessiert“, erzählt die alte Dame, während sie in ihrem Album mit Fotos aus Syrien und Jordanien blättert.

„Das ist ja wie in der DDR“

Zunächst ging es aber nach Damaskus. Die Prills und ein weiteres Ehepaar wurden von einem privaten Führer durch die Stadt geführt. „Irgendwie hatte ich damals sofort den seltsamen Gedanken: Das ist ja wie in der DDR. Dort wurde auch mit großer Strenge gegen den Willen der Menschen regiert“, erinnert sich Paula Prill, die als junger Mensch in Thüringen lebte, bevor sie nach Westberlin floh und dann als Flüchtling nach Mülheim kam.

Kontakt zu Einheimischen habe man während der Syrien-Reise nicht bekommen, der Fremdenführer ließ es nicht zu. Er wendete auch manche Frage der Touristen zu Land, Leben und Politik ab. „Wir wollten wohl zu viel wissen“, glaubt Paula Prill. Dabei habe sie so viele Fragen gehabt – etwa an die verhüllten Frauen, die sie überall erblickte. „Ich hatte Angst, dass sie bestraft werden könnten, wenn sie mit uns redeten. Also habe ich sie lieber gar nicht angesprochen.“

Im TV die Zerstörung der antiken Kulturgüter gesehen

Die Deutschen besuchten auch andere syrische Städte, besichtigten das römische Theater und die Zisterne in Bosra oder auch ein griechisch-orthodoxes Kloster im Wallfahrsort Maaloula. Ob es diese Bauwerke heute noch gibt, ich weiß es nicht“, sagt die 90-jährige.

Gesehen hat sie in den TV-Berichten, wie viele der antiken Kulturgüter in Palmyra vom IS zerstört wurden. „Unfassbar“, so Prill. Denn der umkämpfte Ort, der vor 2015 touristisch recht gut erschlossen war, habe durch sein vielfältiges kulturelles Erbe bestochen, er sei mit seinen Grabstätten, Lehmhäusern und anderen alten Gebäuden sehr eindrucksvoll gewesen. „Da hätte man tagelang bleiben und sich so viel ansehen können.“ Die Mülheimerin und ihr Mann interessierten sich besonders für Ausgrabungen, suchten das Gespräch mit den Archäologen vor Ort.

Seniorin teilt Erinnerungen an ihre Reisen

Ihrer Familie (drei Enkel, drei Urenkel) hat die Seniorin natürlich von der Syrien-Reise erzählt. Über den Kaffee mit Basilikum, den es dort gab oder über den Taxifahrer, der immer erst eine Wasserpfeife rauchen musste, bevor er weiterfuhr. Paula Prill hat im Wohnpark Dimbeck auch einen Mitbewohner gefunden, der ebenfalls viel gereist ist. Ab und zu setzen sich die Zwei in die Rosenlaube und tauschen Erinnerungen aus – auch über Syrien.

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