Zigarren-Kult

Mülheimer Zigarrenzirkel feiert Zeppelin-Zigarre

Zigarre trifft Zeppelin, v. l.: Frank Peylo, Marc Budde und Uwe Müller haben zur Deutschlandpremiere der „La Aurora 107“ eingeladen.

Zigarre trifft Zeppelin, v. l.: Frank Peylo, Marc Budde und Uwe Müller haben zur Deutschlandpremiere der „La Aurora 107“ eingeladen.

Foto: Olaf Fuhrmann / Funke Foto Services GmbH

Mülheim.  Zigarre trifft Zeppelin: Zigarrenfreunde testen die „La Aurora 107“ in der Mülheimer Flughalle. Warum das Paffen immer mehr Liebhaber findet.

Vorsichtig tastet sich die gelbe Flamme an das hellbraune Sumatra Sungrown Blatt voran, bis es sich an den Rändern des Umblatts und den feinen Spitzen der Tabakfasern aus der dominikanischen Republik verfängt. Thomas dreht die kurze dicke „La Aurora 107“, die nicht ohne Grund an einen Zeppelin erinnert, langsam um ihre Achse, bis der gesamte äußere Ring rot glüht. Erst dann wird die Mitte entzündet.

45 Minuten Zeit nur für sich – man kommt runter

Die „Zichte“ ist für Hektiker. Wer Zigarre raucht, muss sich bereits beim Anzünden Zeit nehmen. Gut 45 Minuten pafft man in Ruhe bis zum dicken Ende, in den meisten Fällen also nichts fürs Warten auf dem Bahnsteig. „Man kommt langsam runter“, bestätigt Thomas, der in Kuwait zur Zigarre kam und ansonsten für Siemens internationale Projekte managt. Und an diesem Freitagabend mit rund 30 Gleichgesinnten die Deutschlandpremiere der „La Aurora 107“ erwartet.

http://funke-cms.abendblatt.de:8080/webservice/thumbnail/article/216570011Als Gag hat der illustre Zirkel der für die Zigarre Entbrannten die WDL-Luftschiffhalle am Mülheimer Flughafen gewählt. Eine kleine kubanische Kapelle liefert den lebensfrohen Sound aus Rum und Revolution in die Halle. Der Zeppelin ist allerdings betankt, deshalb muss man Zug um Zug mit Bedacht und zur Sicherheit innerhalb der gemütlichen Party-Zone genießen. Frank Peylo, Geschäftsführer des Flugbetriebs und selbst neugierig auf die neue Sorte, hat eine Ausnahme gemacht.

Könner zupfen das Schwänzchen mit den Fingern

Der Mülheimer Tabakhändler Marc Budde und Uwe Müller – Mitarbeiter der Zigarrenmanufaktur Arnold André – dachten sich diesen Spaß aus, um die „La Aurora 107“ zu zelebrieren, die aus der wohl ältesten Manufaktur der Dominikanischen Republik stammt. Wenigstens 14 Tage hat sie hinter sich, landete auf dem Frankfurter Flughafen, verbrachte zwei Wochen in der Kältekammer, um dem gefürchteten Tabakkäfer den Garaus zu machen.

Der Genuss beginnt schon beim markanten Zigarrenschwänzchen – dem Pigtail –, an dem der Kopf der handgerollten Zigarre verschlossen wird, und den nur Geübte mit Daumen und Zeigefinger abreißen können. Die meisten greifen bei der Beschneidung ungeniert zur Schere, auch Müller. Schon sein Ururgroßvater leitete in Oerlinghausen eine Manufaktur und wusste mit dem Flaggschiff unter den Rauchwaren umzugehen.

Die Zunge kreist um ätherische Öle, glaubt Nüsse, Muskat und Karamell zu schmecken

Jeder Zug ist mit Bewusstsein gefüllt, im Mundraum soll der blaue Dunst aus ätherischen Ölen um die Zunge kreisen. Kenner meinen dabei Nüsse, Muskat und Karamell zu schmecken. Ein Rum oder Schokolade können diesen Genuss verstärken, Müller rät allerdings von Wein ab. Dessen Tannine beeinträchtigen die Zunge. Die hohe Kunst hat man erreicht, wenn man den Rauch über die Mundhöhle und die Geruchsrezeptoren durch die Nase ablässt – ohne dabei husten zu müssen. „Trainingssache“, sagt Müller.

Übrigens: Wer Streichhölzer zum Anzünden nimmt, braucht nicht nur eins – unter Zigarrenfreunden gilt das jedoch als reiner Showeffekt. Alles was brennt, geht natürlich, nur Benzinfeuerzeug und Kerzen verbieten sich, weil dies auf den Geschmack des Tabaks übergeht.

Und doch hat die Zigarre zumindest in diesem Kreis das elitäre Image selbstgefälliger „Bosse“ abgelegt. Man ist schnell per du, sitzt beim Bier oder Wasser.

Die Zigarre wirkt aber auch wie aus der Zeit gefallen in Zeiten, in denen Raucher aus Kneipen und Gebäuden verbannt und gesellschaftlich in der Minderheit sind, in denen Geschwindigkeit zählt. „Für die Zigarre muss ich mir Zeit nehmen, nur für mich“, schwärmt Frank Peylo, „das hat mich begeistert.“

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