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Mülheimer war im Turnen ein Meister auf dem Pauschenpferd

Manfred Risse aus Dümpten hat in seinen Koffer viele alte Zeitungsartikel und Erinnerungen aus der aktiven Turnerzeit beim TV 1856 Mülheim archiviert

Manfred Risse aus Dümpten hat in seinen Koffer viele alte Zeitungsartikel und Erinnerungen aus der aktiven Turnerzeit beim TV 1856 Mülheim archiviert

Foto: Martin Möller

Mülheim.   Manfred Risse war über 20 Jahre lang Kunstturner und für den TV 1856 Mülheim auf Rheinlandebene unterwegs. Geräte hat er sich selbst beigebracht.

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Manfred Risse rollt seine Schultern rückwärts. „Das geht noch, aber ich habe mittlerweile Probleme“, gibt er zu. Es sind die Folgewirkungen der aktiven Zeit als Leistungssportler. Der 84-Jährige war über 20 Jahre lang Kunstturner und mit seiner Turngemeinde 1856 oft in der WAZ. So auch am 6. Juni 1955, die Zeitung mit einem Bericht zu seinem Verein hat er behalten.

Damals war Risse quasi fit wie ein Turnschuh, auch wenn er Schläppchen trug. Bereits als Schüler stieg er beim Turnen ein. Sein Vater nahm ihn mit in den Anbau vom Vereinslokal des TV Einigkeit in Dümpten. Auf engem Raum lernte Risse die ersten Schritte. „Entweder blieb man früher dabei oder man ging stiften“, sagt er und entschied sich in den 1950er-Jahren, weiter zu turnen. Dies machte sich bezahlt, denn der Mülheimer hatte Talent. Auch wenn die Voraussetzungen im Turnsaal nicht gerade optimal waren. „Wir hatten dort so wenig Platz, dass wir gar nicht viele Geräte aufbauen konnten. Daher begann seine Turnkarriere am Pauschenpferd statt am Boden. „Wir hatten für den Holzboden keine Matten“, erinnert sich Risse zurück.

An drei Geräten hat er einst begonnen

Auf dem Pferd mit den beiden Griffen machte er später viele Punkte, erhielt mitunter auch die „vollen zehn“, die beste Bewertung im Turnen. Verbunden war damit allerdings auch unheimlich viel Fleiß, aber der Dümptener zeigte sich ehrgeizig. Zunächst lernte er beim TV Einigkeit drei Geräte: neben dem Pauschenpferd noch Sprung (über das Pferd) sowie Reck. Vielmehr brachte er sich die Technik selbst bei und half seinen Kollegen. „Ich habe immer schon angetrieben“, gibt er zu.

Das Zugpferd war er in der Jugend dann bei der Mülheimer TG 1856. Dorthin wechselte Risse, um bessere Trainingsbedingungen zu haben. Und er war fester Bestandteil einer sechs Mann starken Riege, die sich auf Wettkämpfen auf Kreisebene, im Turngau Duisburg-Mülheim, hervorragend präsentierte. In einem Vergleichswettkampf des Gaus gegen die Grafschaft Moers errangen Risse und seine Riege auch den ersten Platz. Die Urkunde dazu hat er gemeinsam mit vielen Zeitungsartikeln in einem Koffer archiviert.

„An den Ringen war ich nur Mittelmaß“

Aufgrund der guten Leistung war die TG 1856 auch auf der Rheinlandebene bekannt und turnte mit seiner Mannschaft dort gegen bessere Gegner. Bei Auswärtswettkämpfen durften die Turner bei Familien der Gegner übernachten. In eine Landesauswahl kam Risse allerdings nie. Er lernte auch erst in seinem zweiten Verein, an den Ringen zu turnen. Das hatten die Riegenkameraden ihm voraus. „Man kann nicht alles aufholen, an den Ringen war ich nur Mittelmaß“, gesteht der ehemalige Turner, der dafür einmal in der Einzelwertung Rheinlandsieger wurde – natürlich am Pauschenpferd.

Vereinsintern lieferte er sich mit seinem alten Kollegen Hermann Fischdick Kopf-an-Kopf-Rennen, wenn es um die beste Punktzahl ging. Mal erturnte der eine mehr, mal der andere. Risses zwei Jahre jüngerer Bruder war später auch in der Riege dabei. „In 15 Jahren hat er mich ein einziges Mal geschlagen“, weiß der Sportbegeisterte noch genau. Die Riege brach hinterher zusammen, viele orientierten sich beruflich um. Risse war mit 34 Jahren mehr als ein Turn-Opa, brachte aber immer noch gute Ergebnisse, zeigte sich selbst aber oft bescheiden. „Für mich war es dann auch ein Schlussstrich.“

Später lief er noch Marathon, die Bestzeit liegt bei 3:45 Stunden. Heute schnitzt er große Holzfiguren. Das machen die Schultern auch noch mit.

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