STADTGESCHICHTE

Mülheimer Volkshochschule war von Anfang an eine Baustelle

Die Oberrealschule – später Karl-Ziegler-Gymnsasium – war Gründungsort der Mülheimer Volkshochschule. Hier fanden lange Zeit Veranstaltungen und Kurse statt.  

Die Oberrealschule – später Karl-Ziegler-Gymnsasium – war Gründungsort der Mülheimer Volkshochschule. Hier fanden lange Zeit Veranstaltungen und Kurse statt.  

Foto: Stadtarchiv Mülheim

Mülheim.   Die Mülheimer VHS feiert ihr 100-jähriges Bestehen – und eine bewegte Geschichte. Ungeklärte Raum- und Standortfragen zwingen zur Improvisation.

Gerne hätte VHS-Leiterin Annette Sommerhoff den 100. Geburtstag der Volkshochschule (VHS) im großen Rahmen gefeiert. Doch die ungeklärten Raum- und Standortfragen zwingen auch im Jubiläumsjahr zur Improvisation. Mit einem Doppelvortrag zum Start der Mülheimer Geschichtsreihe machten Sommerhoff und der Leiter des Stadtarchivs, Kai Rawe, am Donnerstagabend aus der Not eine Tugend.

Im Rückblick auf die Geschichte und im Ausblick auf Gegenwart und Zukunft der kommunalen Erwachsenen- und Weiterbildungseinrichtung, lieferten sie ihren gut 100 Zuhörern im Haus der Stadtgeschichte eine bemerkenswerte Standort- und Aufgabenbeschreibung, was Volkshochschule leisten will und soll.

Erste Pläne für VHS bereits Ende der 50er-Jahre

Dabei zeigte schon der Blick in die Geschichte der VHS in Mülheim: Das war von Anfang an eine Baustelle. Die Initiative zur Gründung der VHS ging vom damaligen Leiter der städtischen Oberrealschule aus, deren Nachfolgerin heute als Karl-Ziegler-Schule bekannt ist. Das städtische

Gymnasium an der Schulstraße sollte für Jahrzehnte zum zentralen VHS-Standort werden. Obwohl man bereits Ende der 50er-Jahre über ein zentrales VHS-Gebäude nachdachte, realisierte sich dieser Plan erst 1979 mit der Eröffnung der Heinrich-Thöne-Volks-Hochschule an der Bergstraße. Auch wenn dieser von der SPD mit absoluter Ratsmehrheit durchgesetzte Neubau der Akzeptanz und dem Spektrum des Weiterbildungsangebotes guttat, waren es vor allem Kostengründe und die Forderung nach einer dezentral aufgestellten VHS, die CDU und FDP damals opponieren ließen.

Wurde die VHS zunächst ehrenamtlich von Dr. Luther, einem Lehrer der Oberrealschule geleitet und von 28 nebenamtlichen Dozenten inhaltlich ausgestaltet, so stehen der hauptamtlichen Leiterin der VHS, Annette Sommerhoff, heute 200 Honorardozenten zur Verfügung. Sie geben Kurse in den Bereichen Fremdsprachen, berufliche Bildung, Kultur, Politik, Gesundheit, Alphabetisierung, Integration, Erwerb der deutschen Sprache sowie zum Nachholen von Schulabschlüssen.

Fremdsprachen sind der rote Faden

Das Angebot von Fremdsprachenkursen zieht sie wie ein roter Faden durch die gesamte VHS-Geschichte, die aus wirtschaftlichen und politischen Gründen ab 1925 für zwei Jahrzehnte abgebrochen und erst im Rahmen der von der Britischen Militärregierung politisch gewollten „Umerziehung“ der Deutschen zunächst unter der Leitung des Juristen Valentin Tonberg ab 1946 wiederbelebt wurde.

Ein Sprung nach vorne schaffte die VHS unter der Führung des Politikwissenschaftlers Norbert Greger, der sich als erster hauptamtlicher Leiter ganz auf die VHS-Arbeit und deren zielgruppenorientierten Weiterentwicklung konzentrieren konnte. Dabei half ihm auch die politisch gewollte Aufwertung der Weiterbildung, die 1975 in NRW zur kommunalen Pflichtaufgabe gemacht wurde.

VHS ermöglicht allen Menschen Bildung

In ihrem Vortrag sagte VHS-Leiterin Annette Sommerhoff unter anderem: „Die Volkshochschule war, ist und bleibt ein Lern- und Begegnungsort, der allen Menschen Bildung ermöglicht, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft und ihren Vorerfahrungen mit Bildung. In einer immer komplexeren Welt ist es wichtig, dass Menschen in der VHS ein zugewandtes Lernen in der Gruppe erleben, das ihnen hilft, ihr Leben selbstbestimmt und sinnvoll zu gestalten.“

Am 18. März lädt die VHS an der Aktienstraße 45 um 18 Uhr zu einem Vortrag über 70 Jahre Grundgesetz ein.

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