Verkehr

Mülheimer Verkehrswacht fordert: Weg mit Handys im Verkehr

Wolfgang Packmohr (l.), Leiter des Dezernats Verkehr, und Gunter Zimmermeyer, Vorstand der Verkehrswacht Mülheim, präsentieren die Plakatkampagne „Lass Dich nicht ablenken“. Die Taxis von Auto Stephany dienen als rollende Botschafter.

Wolfgang Packmohr (l.), Leiter des Dezernats Verkehr, und Gunter Zimmermeyer, Vorstand der Verkehrswacht Mülheim, präsentieren die Plakatkampagne „Lass Dich nicht ablenken“. Die Taxis von Auto Stephany dienen als rollende Botschafter.

Foto: Martin Möller

Mülheim.   Todesfälle steigen an. Kampagne mit der Polizei und dem Mülheimer Taxiunternehmen Stephany soll die Augen öffnen. Politik will sich einbringen.

Der Umriss einer Person ist mit weißer Kreide auf dem Asphalt aufgemalt. Die Baseballkappe in gleicher Farbe liegt knapp daneben. Mit Blut getränktes Verbandszeug ist zu erkennen. Im Hintergrund steht ein Polizist mit gelber Warnschutzjacke, seitlich von ihm der Einsatzwagen mit Blaulicht. Alles deutet auf einen Unfall mit Personenschaden.

Zum Glück ist dieses Bild auf den Aufklebern der Aktion „Lass Dich nicht ablenken“ nur gestellt. Damit möchte die Verkehrswacht Mülheim die Teilnehmer am Straßenverkehr aufrütteln. Aber es stellt anschaulich dar, was auf deutschen Verkehrswegen traurige Wirklichkeit ist. „2018 gab es in NRW einen Anstieg der Todeszahlen durch Unfälle“, erläutert Gunter Zimmermeyer von der Verkehrswacht Mülheim.

Handfeste Statistiken gibt es nicht

Als Grund dafür nennt der Vorsitzende der Verkehrswacht neben der zunehmenden Rücksichtslosigkeit in der mobilen Gesellschaft die Ablenkung vor allem durch das Smartphone. Handfeste Statistiken gebe es nicht. In NRW sind drei Menschen nachweislich durch die Benutzung des Handys während der Fahrt verstorben. „Aber es werden viel mehr sein“, vermutet Zimmermeyer. Das Problem sei der Datenschutz: „Die Justiz darf die Kommunikationsgeräte nicht ohne weiteres auf eine mögliche Benutzung bei Unfällen überprüfen.“

Mit ihrer am Samstag gestarteten Kampagne will die Verkehrswacht in Zusammenarbeit mit der Polizei an die Vernunft aller Beteiligten appellieren. Im Blickpunkt steht nicht nur der Autofahrer. „Es sind immer mehr Radfahrer und Fußgänger, die zum Risiko werden“, berichtet Polizeidirektor Wolfgang Packmohr, zuständig für den Bereich Verkehr der Städte Essen und Mülheim. Die ständige Beschäftigung mit dem Smartphone beeinträchtige die Konzentration auf die Umgebung und den fließenden Verkehr. Dies führe zu einer Gefährdung der eigenen Person und anderer Verkehrsteilnehmer. Jeder müsse sich seiner Verantwortung bewusst werden.

Unfall auf Mühlenbergkreuzung mit toter Schülerin

Auf den 15 Fahrzeugen des Taxiunternehmens Stephany werden die Türaufkleber mit der gestellten Unfallszene im Stadtgebiet demnächst präsent sein. Chef Randolf Stephany hofft, dass andere dem guten Beispiel folgen werden. Veranlasst hat ihn unter anderem das Erlebnis eines Mitarbeiters. „Einer unserer Fahrer war Augenzeuge des schrecklichen Unfalls auf der Mühlenbergkreuzung vor ein paar Jahren“, schildert der Taxichef. Damals kam eine von einem PKW erfasste Schülerin ums Leben. Sie soll mutmaßlich durch den Gebrauch des Handys den Verkehr nicht ausreichend beachtet haben.

Die anwesenden Vertreter der Politik loben das Engagement des Unternehmers. Oberbürgermeister Ulrich Scholten verspricht, das Thema in der Verwaltung zu besprechen: „Wir können die Plakate auf die städtischen Fahrzeuge kleben.“ Als Aufsichtsratsmitglied der Mülheimer Entsorgungsgesellschaft (MEG) will Ratsherr Peter Beitz (FDP) sich einsetzen: „Ich werde antesten, inwieweit es möglich ist, die Fahrzeuge der MEG in die Kampagne miteinzubeziehen.“ Gemeinsam mit Henner Tilgner (CDU) erwägt er, die Angelegenheit in den zuständigen Ausschüssen auf die Tagesordnung zu setzen und eine Unterstützung der Aktion seitens der Stadt zu sondieren.

>> ZU WENIG KAPAZITÄTEN FÜR KONTROLLEN

Im Jahr 2018 hat die Polizei einen Rückgang der Verstöße gegen das Verbot der Nutzung elektronischer Geräte in Mülheim festgestellt: Die Zahl sank von 1206 auf 1070 bei den Autofahrern. Bei Radfahrern stiegen die Zuwiderhandlungen im Berichtszeitraum jedoch von 65 auf 105.

Der Rückgang der Gesamtzahl sei kein Anlass zur Beruhigung, mahnt Polizeidirektor Wolfgang Packmohr.

Vielmehr habe die Polizei aufgrund fehlender personeller Kapazitäten nicht die Möglichkeit, ausreichend zu kontrollieren.

Die Aufkleber sind bei der Verkehrswacht erhältlich. Interessenten erfahren Näheres unter 44 49 15 60.

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