Wirtschaft

Mülheimer Unternehmen entwickelt Arbeitsplätze der Zukunft

MIgosens Geschäftsführer Paiman Minavi zeigt, wie beschreibbare Bildschirme die gemeinsame Arbeit an Unterlagen ermöglichen. Vorteil: Anschließend lassen sich die veränderten Daten sichern und mitnehmen.

Foto: Oliver Müller

MIgosens Geschäftsführer Paiman Minavi zeigt, wie beschreibbare Bildschirme die gemeinsame Arbeit an Unterlagen ermöglichen. Vorteil: Anschließend lassen sich die veränderten Daten sichern und mitnehmen. Foto: Oliver Müller

Mülheim.   Ein Chip sorgt für individuelle Sitzhöhe, Licht und Arbeitsumfeld: Intelligente Büros sollen wechselnde Arbeitsorte und Individualität verbinden.

Kann eine einfache Chipkarte dazu beitragen, dass man sich in jedem beliebigen Büro ‘wie Zuhause’ fühlt? Wenn Paiman Minavi seinen Firmenausweis auf den Schreibtisch legt, surrt dieser elektronisch gesteuert in die bevorzugte Sitzhöhe, stellt sich das Licht nach seinen Wünschen ein, öffnen sich elektronisch gesicherte Schränke, die nur solche Unterlagen freigeben, für die er autorisiert ist.

Wie sieht der „Arbeitsplatz der Zukunft“ aus? Die Mülheimer Firma Migosens glaubt, auf die komplexe Frage Antworten gefunden zu haben. Flexible Arbeitsplätze und Aufgaben, Gleitzeiten sind Anforderungen an Arbeitgeber. „Sie müssen sich Gedanken machen, wie sie den Arbeitsplatz attraktiv für unterschiedliche Mitarbeiter gestalten können“, will Minavi, Geschäftsführer von Migosens, diese Utopie mit entwickeln.

Was dem einen als Science Fiction erscheint, ist für Migosens die Antwort auf den Spagat zwischen Flexibilität und Individualität von modernen Arbeitsbedingungen - „Smart Office“ nennt Minavi das Konzept, mit dem jeder jederzeit und überall ‘sein’ Umfeld installieren kann. Denn die Mülheimer sind spezialisiert auf Digitalisierung, den Umgang und Schutz von Daten, „was liegt näher als das vorzuleben, was wir als Lösung anbieten?“

Eigenverantwortung und flache Hierarchien

Die Idee des intelligenten Büros ist aus der eigenen Erfahrung geboren worden. 2005 hat sich Migosens im Haus der Wirtschaft an der Wiesenstraße gegründet. Doch die Räume im denkmalgeschützten Haus auf zwei Etagen stellten die nunmehr 15 Mitarbeiter vor Herausforderungen: zu eng, unflexibel, wenig kreativ. „Es entsprach nicht unserer Philosophie von Offenheit, Eigenverantwortung und flachen Hierarchien“, sagt Minavi.

Anfang dieses Jahres zogen sie daher eine Etage höher und veränderten die Räume: Wände raus, Licht rein --„wir wollten aber kein Großraumbüro mit ‘Käfigen’“. Also gestaltete man alles flexibel nach Anforderungen. Feste Büros gibt es nicht, lediglich Stühle, Tische und Bildschirme. Jeder kann sich an jedem Platz direkt einstöpseln und findet ‘seine’ vertraute Umgebung wieder. Büromaterial zieht jeder in seinem eigenen Wägelchen an Ort und Stelle. Und verlässt den Tisch so leer, wie er ihn gefunden hat: „Clean Desk“, nennt es Minavi. Schreibtischabteile können nach Bedarf sogar in Sitzecken umgebaut werden. Wer telefoniert, geht in einen eigenen Bereich, wer sich bespricht in einen anderen. Die Digitalisierung macht Ortswechsel mit allen Unterlagen möglich. Im Besprechungsraum ist daher auch nur ein Bildschirm. Er erlaubt die Bearbeitung mit digitalem Stift. Das Bearbeitete lässt sich mitnehmen.

„Wir sind Menschen, keine Roboter.“

Doch schafft die schöne neue Arbeitswelt nicht gläserne Mitarbeiter? Wo bleibt das Persönliche, das ‘Wir-Gefühl’? „Wir sind mit vielen Ideen noch in der Entwicklung, probieren aus“, räumt Paiman Minavi ein. Die erfassten Daten auf den Mitarbeiterausweisen werden anonymisiert, sie sollen nicht der Kontrolle dienen, versichert er. Als Unternehmen, das auch Datenbeauftragte schult, sei man dafür sensibilisiert: „Wir haben eine Kultur des Vertrauens untereinander, nicht einmal die Arbeitszeiten werden überprüft, wir arbeiten ergebnisorientiert.“

Und dennoch: Auf die klassischen Medien ‘aus Holz’ will Minavi ebensowenig verzichten wie auf gemeinsame Treffen. So gibt es eine Bücherecke, zudem sind „viele von uns häufiger bei den Kunden als im Büro, aber die Begegnung und der Austausch sind uns wichtig“, betont der Geschäftsführer. Eine offene Küche und ein gemeinsamer Essbereich dienen daher der Kommunikation. Zudem gibt es einen wöchentlichen Jour fix und ein Mal im Monat ein gemeinsames Kochen, wo man sich auch privat austauscht. „So ist man motivierter, identifiziert sich mit dem Unternehmen. Ein Arbeitgeber darf nicht vergessen: Wir sind Menschen, keine Roboter.“

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik