Tierschutz

Mülheimer Tierschützer wollen Elend der Stadttauben beenden

Tauben in der Mülheimer Innenstadt: Die einen mögen sie, die anderen hassen sie. Tierschützer wollen etwas gegen das Elend der Stadttauben tun.

Tauben in der Mülheimer Innenstadt: Die einen mögen sie, die anderen hassen sie. Tierschützer wollen etwas gegen das Elend der Stadttauben tun.

Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Mülheimer Tierschützer wollen mit einem Taubenhaus in der Innenstadt das Elend der Stadttauben beenden. Das Projekt sucht noch Mitstreiter.

Keine Innenstadt ist ohne Tauben. Auch in Mülheim sieht man die verwilderten Tauben häufig, meist sehen sie gerupft und kränklich aus, sie sind unterernährt und nicht selten auch verletzt. Dennoch vermehren sie sich ständig und unkontrolliert. Tierschützer, auch in den Nachbarstädten, versuchen schon länger, mit Taubenhäusern Stadttauben an einen Ort zu binden, wo man auch ihre Fortpflanzung auf natürliche Weise kontrollieren und die Anzahl der Tauben senken kann. Ein Haus für Stadttauben mit einem passenden Konzept dazu plant der Mülheimer Tierschutzverein.

Stadttauben haben keine hohe Lebenserwartung

Sprüche wie „Ratten der Lüfte“ kennt Sigrid Krosse natürlich. „Stadttauben werden entweder gehasst oder geliebt“, weiß die Vizevorsitzende des Mülheimer Tierschutzvereins. „Dazwischen gibt es meistens nichts.“ Krosse versteht diese Ablehnung nicht. Für sie sind Tauben „liebenswerte, sanfte Geschöpfe“. Und sie seien auch nicht gefährlicher, was die Übertragung von Krankheiten angehe, als der Sittich, den man in der Wohnung halte. Allerdings, räumt Krosse ein, halten sich Tauben oft an schmuddeligen Orten wie in Bahnhofsnähe auf. Und ihre Lebensbedingungen sind so armselig, wissen Tierschützer, dass Stadttauben von ihren zwölf bis 15 Lebensjahren meist nur zwei oder drei erleben können.

Dabei ist das Elend der Stadttauben menschengemacht. Sie stammen zumeist von verwilderten Brief- oder Haustauben ab, und die sind, erklärt Krosse, darauf gezüchtet, sich ständig zu vermehren. Anders als wilde Vögel brüten sie also das ganze Jahr über. Und zudem sie sind standorttreu: Wo sie aufgewachsen sind, dahin kehren sie zurück. Stadttauben folgen also nur ihrem genetischen Programm. Manchmal mischen sich auch verirrte weiße Ziertauben unter die graue Verwandtschaft.

Weiße Hochzeitstauben finden oft nicht zurück zum Züchter

Gestrandete Hochzeitstauben sind ein besonderes Problem, so Tierschützer. „Das kommt auch immer mehr in Mode“, weiß Sigrid Krosse. Ein schönes Bild, wenn weiße Tauben bei Hochzeitsfeiern freigelassen werden, doch finden diese Tauben häufig den heimischen Schlag nicht wieder. Weiße Vögel sind übrigens auch für Greifvögel ein besonders leichtes Opfer.

Ein Taubenhaus, wo die Tauben täglich gefüttert und die Gelege kontrolliert werden und durch Attrappen ersetzt werden können, müsste in Mülheim im Bereich Hauptbahnhof, Schloßstraße, Viktoriaplatz stehen, so der Tierschutzverein, der schon vor einiger Zeit eine Begehung in der Stadt gemacht hat. Die Tauben müssten an diesen Ort gewöhnt werden, so Sigrid Krosse.

Das Taubenfüttern hat die Stadt Mülheim verboten

Eine Einwilligung des Immobilienbesitzers und eine Genehmigung der Stadtverwaltung dafür vorausgesetzt, denn diese untersagt das Füttern der wildlebenden Tauben ausdrücklich per ordnungsbehördlicher Verordnung. Eine Zuwiderhandlung sei eine Ordnungswidrigkeit, stellt Stadtsprecher Volker Wiebels klar: „Es droht ein Verwarnungsgeld.“

Derzeit ist ein Taubenhaus in der Innenstadt allerdings nicht das vordringliche Thema des Tierschutzvereins, der gerade mit der Übernahme des Tierheimgeländes auf Erbpacht sowie der Sanierung beschäftigt ist.

Wer sich ehrenamtlich am Stadttaubenprojekt des Mülheimer Tierschutzvereins beteiligen möchte, kann über oder 0208 7402088 mit den Tierschützern Kontakt aufnehmen.

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