Kultur

Mülheimer Theater nimmt NS-Ideologie unter die Lupe

Was heißt ‘lebenswert’? Theaterkollektiv „I can be your translator“ betrachtet im Ringlokschuppen die ideologische Rechtfertigung der Euthanasie.

Was heißt ‘lebenswert’? Theaterkollektiv „I can be your translator“ betrachtet im Ringlokschuppen die ideologische Rechtfertigung der Euthanasie.

Foto: Ringlokschuppen

Mülheim.   Mit Musik, Theater und Humor nähert sich das Mixed-Ability-Kollektiv „I can be your translator“ im Ringlokschuppen dem schweren Thema Euthanasie.

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Dieses Stück kriecht Linda Fisahn jedes Mal „unter die Haut, es stößt wie ein Stein gegen mein Herz“. Das schwere Thema Euthanasie hat sich das Musik- und Theaterkollektiv„I can be your translator“ vorgenommen. Den Preis des „Favoriten Festivals 2018“ haben sie mit ihrer theatralen Auseinandersetzung bereits eingeheimst. Die Jury war beeindruckt, berührt von der Tiefe und auch dem Humor, zu dem das Stück immer wieder zurückkehrt. Am Freitag ist die Gruppe aus Menschen ohne und mit Behinderung im Ringlokschuppen.

Als „Mixed Ability Gruppe“ bezeichnete sie die Jury, es ist aber überhaupt das erste Stück bei dem die Behinderung mancher der acht Mitglieder überhaupt eine besondere Rolle spielt, sagt Linda Fisahn, die mit Trisomie 21 oder auch Down-Syndrom auf die Welt kam. Einsteins Relativitätstheorie haben „I can be your translator“ schon in Musik- und Perfomance-Passagen übersetzt, indem sie etwa Musik unendlich gedehnt haben. Auch die Kurven und Songs der Monroe haben sie unter die theatrale Lupe genommen. Gestartet sind sie vor vielen Jahren als experimentelle Musikband bei dem Projekt Domo an der TU Dortmund, dann kam die gemeinsame Idee, das mit Theater zu verbinden.

„Unterschiedliche Menschen, die unterschiedliche Dinge können“

„Wir sind keine Gruppe aus Behinderten und Nicht-Behinderten, sondern einfach unterschiedliche Menschen, die unterschiedliche Dinge können“, sagt Mitglied Lis Marie Diehl, denn Theater sei immer ein Kompromiss aus den verschiedenen Fähigkeiten seiner Akteure. Fisahn etwa spielt Violine und Klavier, „manchmal habe ich Schwierigkeiten mit der Aussprache. Aber ich arbeite daran.“

Auch das Thema Euthanasie übersetzt das Kollektiv in verschiedene Kunstebenen: Musikpassagen wechseln sich mit Sprache, Performance und auch Ausschnitten aus Dokumenten ab, die – vielleicht überraschend – bis ins Jahr 2000 gehen.

Beginn Freitag, 8. Februar: 19 Uhr, Karten: 12 Euro.

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