Haushalt

Mülheimer Schulen und Bad: Ärger über verzögerte Sanierungen

Auch die Gesamtschule Saarn leidet unter der veränderten Prioritätenliste der Stadt.

Auch die Gesamtschule Saarn leidet unter der veränderten Prioritätenliste der Stadt.

Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Wegen der Sanierung der Mülheimer VHS hat die Stadt zahlreiche Investitionen nach hinten geschoben. Schulen und Schwimmbadbetreiber ärgert das.

„Diese Entscheidung ist bitter“, sagt Claudia Büllesbach, Direktorin der Gesamtschule Saarn. Weil für die Sanierung der Volkshochschule 22,5 Millionen Euro mehr in den Haushalt eingeplant werden müssen, verschieben sich zahlreiche dringend notwendigen Investitionen in Mülheim. Leidtragend ist unter anderem die Gesamtschule Saarn – aber nicht nur dort regt sich der Ärger.

„Jeden Tag sind wir froh, dass nichts passiert“, sagt Helmut Kremer, Vorsitzender des Beirates der Schwimm- und Wassersport GmbH. Seit Jahren ist das Friedrich-Wennmann-Bad in desolatem Zustand. Beide Heizungen sind ausgefallen, es läuft die Ersatzheizung. Das Dach ist marode, das Becken undicht: Regelmäßig fliegen Fliesen ab, Wasser geht verloren. „Das Becken hält einfach nicht mehr“, sagt Kremer. Regelmäßig stopfen die Mitarbeiter im wahrsten Sinne notdürftig die Löcher. „Wir hoffen, dass es uns nicht um die Ohren fliegt.“

Mülheim ist Notstandsgebiet in Sachen Wasserfläche

Mülheim sei in Sachen Wasserfläche ohnehin ein „Notstandsgebiet“. Nirgendwo im Ruhrgebiet gibt es weniger Raum zum Schwimmen pro Einwohner als hier. Fiele nun auch noch das Heißener Bad aus, „wäre das die allergrößte Katastrophe“, sagt Kremer.

Denn nur im Friedrich-Wennmann-Bad bietet die Stadt regelmäßige Öffnungszeiten von morgens bis abends. Müsste es geschlossen werden, bräuchte es mehr Zeiten für die Öffentlichkeit im Südbad. Das ginge zu Lasten der Vereine und nicht zuletzt der Schwimmausbildung der Kinder. Schon jetzt wartet manches Kind zwei Jahre auf einen Platz im Anfängerschwimmkurs.

Stadt Mülheim kann Schließung von Gebäuden nicht ausschließen

„Wir können nicht mehr ausschließen, dass wir das ein oder andere Gebäude in den nächsten Jahren schließen müssen“, sagt Frank Buchwald, Leiter des städtischen Immobilienservices. „Die Sanierung der VHS wird zu Schmerzen führen.“ Schon jetzt brauche die Stadt eigentlich „das doppelte Geld, um die Schulen in Ordnung zu bringen“.

Besonderen Bedarf hat da die Gesamtschule Saarn. „Unser Hauptthema ist nicht, dass sich die Sanierung der Mensa verschiebt, sondern die Gesamtverzögerung der Sanierung“, sagt Schulleiterin Büllesbach mit Blick auf das Hauptgebäude und den Neubau an der Ernst-Tommes Straße.

Die Mensa, gebaut in den 70er Jahren und nicht mehr den heutigen Standards entsprechend, „kriegen wir irgendwie gestemmt“. Aber wer die Schule betritt, sieht schnell, dass der Zustand an einigen Stellen unterrichtsunwürdig ist: offene Decken, miserable Akustik, alte Böden und Fenster.

Mülheimer Grundschulen: Sanierung verzögert sich um vier Jahre

Aber auch in den Grundschulen ist die Situation prekär: Um vier Jahre verschiebt sich die Sanierung eines Gebäudes der Martin-von-Tours-Grundschule, ebenso die Sanierung des Altbaus und des WC-Gebäudes an der Trooststraße. Die Schulleiterinnen wollen sich zu der Verzögerung nicht äußern, aber Frank Buchwald stellt klar, dass die verschobenen Maßnahmen notwendig sind für einen besseren Betrieb. „Gehen Sie in das WC-Gebäude an der Trooststraße: Es sieht nicht gut aus und es riecht auch nicht gut.“

Nicht jeder Zeitverzug liegt allerdings an den Investitionen in die VHS, auch der Mangel an Baufirmen, die Aufträge übernehmen, macht der Stadt zu schaffen. Jedoch sorgen die 22,5 Millionen Euro, die Kämmerer Frank Mendack bis 2025 in den Haushalt einplant, vor allem im Jahr 2024 für Engpässe: Dann schlägt die Bauzeit mit 15 Millionen Euro zu Buche – 14 Millionen für die Baukosten, eine Millionen für die Planungskosten. Dass Mülheim bis dahin aus den Auflagen des Nothaushaltes herauskommt, hält Mendack angesichts seiner Milliarden-Verschuldung und einem negativen Eigenkapital von 500 Millionen Euro für „ausgeschlossen“.

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