Umweltprojekte

Mülheimer Schüler zeigen Wege in die Nachhaltigkeit

Ein Blick aus der Buchhandlung am Löhrberg: Hier informieren die Schüler der

Ein Blick aus der Buchhandlung am Löhrberg: Hier informieren die Schüler der

Foto: Christoph Wojtyczka

Mülheim.   In Schaufenstern in der Innenstadt klären Schüler über ökologische Themen auf. Die Vorstellung der Projekte stimmt auf den„Fair Flair“-Markt ein.

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Früher kauften Chiaras Eltern noch Plastikflaschen. „Aber mittlerweile sind sie bei uns nur noch aus Glas“, sagt die Neuntklässlerin der Luisenschule, die mit ihren Freunden eine Schildkröte aus Plastikabfällen gebastelt hat. Aber: „Das ist keine Kunst, sondern eine Warnung.“

Denn wer die Kunststoff-Kröte bis zum 13. Mai im sonst recht sterilen Schaufenster der Barmer begutachten kann, soll sich dabei gleichzeitig auf Schülerplakaten über Mikroplastik in der Ruhr informieren – und motiviert werden, seinen Müll zu reduzieren. „Jeder kann seinen Teil beitragen“, findet Chiara.

Sechs Schaufenster in der Innenstadt wurden von Kindern und Jugendlichen aus dem „Netzwerk Nachhaltig leben macht Schule“ dekoriert und mit eigen recherchiertem Infomaterial gefüllt. Was als Sonderaktion zur Einstimmung auf den Umweltmarkt „Fair Flair“ nächste Woche gedacht ist, ist für die jungen Umweltschützer längst gelebter Schulalltag: In AGs widmen sie sich auf ganz unterschiedliche Weise grünen Themen.

Fahrradwerkstatt und Fairer Handel

Da ist etwa die Grundschule im Dichterviertel (GGS) und ihr „Grünes Klassenzimmer“, das in der Buchhandlung am Löhberg neben Lektüre für Hobby-Gärtner vorgestellt wird. In dem Klassenraum unter freiem Himmel bauen die Schüler selbst Kräuter an – einfach für den angenehmen Geruch oder um daraus anschließend selbst Kräuterbutter herzustellen.

Auch schärft eine kürzlich eröffnete Fahrrad-Selbsthilfewerkstatt das Umweltprofil der GGS, präsentiert in der Augenoptik Breuer. „Ich war der erste Kunde in der Werkstatt!“, sagt Viertklässler Mohamad stolz, der dort bereits sein Fahrrad und das seiner Schwester hingebracht hat. Um Fahrräder geht es – passenderweise – auch bei Speedy-Bikes. Hier stellt das Gymnasium Broich aus, dessen Umwelt-AG in einem Film nicht nur für Radmobilität wirbt, sondern die Nachhaltigkeit direkt auf mehrere Säulen stellt.

Von Mehrwegbechern bis zu Geschenkboxen

Neben Müllvermeidung und erneuerbaren Energien beschäftigen Schüler sich auch mit gerechtem Handel – durch Verkaufsaktionen fairer Schokolade oder Recherchen zu Bananenbauern in Südamerika. „Wir wollen Themen verbinden“, sagt Lehrer Ralf Böhner-Aschoff.

Auch mit Beiträgen dabei ist der Waldkindergarten, der im CBE über die Waldpädagogik informiert, sowie die Realschule Mellinghofer Straße, die im Schaufenster der HDI-Versicherungen müllfreie Alternativen vorstellt: Von Mehrwegbechern bis zu Geschenkboxen. „Wer etwas zum Abgeben hat, kann es dort anbieten. Dadurch konsumieren wir weniger“, sagt Bejza von der Klasse 10c – eine der vielen anwesenden Mädchen. Ist Umwelt denn nichts für Jungs? „Ich glaube“, vermutet Neuntklässlerin Tessa, „viele wissen gar nicht, was sich alles hinter dem Thema verbirgt.“

Fast 70 Aussteller beim Mülheimer Umweltmarkt

Nachhaltigkeit boomt: Fast 70 Aussteller sind beim nächsten Mülheimer Umweltmarkt „Fair Flair“ dabei – 25 mehr als bei der letzten Ausgabe vor zwei Jahren. „Das zeigt doch, dass das Thema immer mehr ankommt“, findet Anika Füge, Projektleiterin bei der Mülheimer Initiative für Klimaschutz , die den Markt am Donnerstag, 10. Mai, gemeinsam mit dem Mülheimer Stadtmarketing (MST) veranstaltet.

Oberstes Ziel der Veranstaltung ist es, Anregungen für nachhaltiges Handeln im Alltag zu geben. „Dabei kann jeder entdecken: Was begeistert mich? Wo sind meine ökologischen Stellschrauben“, sagt Füge, die sich vor allem für regionale Erzeugung und Ernährung einsetzt. Neben dem biologischen Anbau geht es auf der „Fair Flair“ etwa auch um regenerative Energien oder Naturkosmetik – in Mitmach-Aktionen oder Infoveranstaltungen, direkt in den Ruhranlagen zwischen Schloßbrücke und Schleuseninsel. Für Kinder gibt es Baumklettern, das Essen ist (nicht nur) vegan.

Upcycling ist auch ein großes Thema

„Wir haben in diesem Jahr viel mehr faire Kleidung, Upcycling ist auch ein großes Thema. Ansonsten wird die Müllreduzierung immer wichtiger“, sagt Füge mit Blick auf Aussteller wie den Essener Laden „Glücklich Unverpackt“, wo man verpackungsfrei einkaufen kann. „Unsere Vision ist, dass es so etwas künftig auch in Mülheim gibt.“

Vor Ort sein wird auch das Mülheimer Repair Café. „Deswegen sollten die Besucher unbedingt etwas mitbringen, was repariert werden muss.“ Was das sein kann? „Alles, was man selber tragen kann.

>>> INFO: AUCH DER ALPENVEREN INFORMIERT

Ebenfalls ein thematischer Vorausblick auf die „Fair Flair“ ist die Ausstellung „Klimawandel, Klimaschutz“ des Deutschen Alpenvereins, die noch bis Montag, 7. Mai, in der Hauptsparkasse am Berliner Platz zu sehen ist.

Auf Stelen, interaktiven Stationen und Faltwänden macht die Ausstellung deutlich, dass die Folgen des Klimawandels massive Veränderungen mit sich bringen werden, dass aber jeder Möglichkeiten hat, ihnen zu begegnen.

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