Saarn

Mülheimer Schüler zeigen Szenen aus ihren Musicals

Großes Musical-Konzert in der Gesamtschule Saarn: Die Darsteller gaben einen beeindruckenden Überblick über die Musical-Inszenierungen der letzten zehn Jahre.

Foto: Fabian Strauch

Großes Musical-Konzert in der Gesamtschule Saarn: Die Darsteller gaben einen beeindruckenden Überblick über die Musical-Inszenierungen der letzten zehn Jahre. Foto: Fabian Strauch

Mülheim.   Mit selbstgebastelten Requisiten und quietschenden Mikros fing alles an.Gesamtschule Saarn blickt heute auf viele tolle Produktionen zurück.

Angefangen hat das alles vor zehn Jahren mit acht gebrauchten Lampen, selbstgebastelten Requisiten, einer Art Bühne, quietschenden Mikrofonen. Aber auch mit hoffnungsvollen Stimmen, mit Feuereifer, mit einem Traum: „Wir wollen Musicals!“ Heute können die Schüler an der Gesamtschule Saarn ganz selbstbewusst sagen: „Wir können Musicals!“

Denn davon, was das vergangene Jahrzehnt an Abenteuern boten – und nicht nur als Inszenierung auf der Bühne –, haben Schüler und Ehemalige am Donnerstagabend in der Aula der Schule gleich einen ganzen Liedreigen gesungen: Ausschnitte aus Ritter Rost, Emil und die Detektive, Dracula, der Murch und Brundibár gehörten zu den vielen Glanzlichtern, die die Schüler live noch einmal vor ausverkaufter Aula sangen. Das von Norina Kuchel burschikos auf den Punkt gebrachte „Adel ist geil“ und auch das Duett zwischen „Mina“ und „dem Grafen“ beklatschte das Publikum begeistert.

Ehrgeizige Projekte wurden zum Erfolg

Die Ausschnitte zeigten aber auch, wie die Inszenierungen mit den Schülergruppen um den Musiklehrer Sebastian Klein und Kunstlehrerin Stephanie von der Marwitz Stück für Stück im Laufe der Zeit erwachsen wurden. Und auch ehrgeiziger: Von den Kindergeschichten tastete man sich voran zu Kästners „Emil“, Shakespeares „Sommernachtstraum“, Dracula.

Mit der Kinderoper „Brundibár“ wagte sich die Gesamtschule dann vor zwei Jahren nicht nur mutig an ein musikalisch anspruchsvolles Stück, sondern auch an das schwere Thema Nationalsozialismus. Begleitend zur Oper zeigte der Projektkurs des Jahrgangs 12 damals Einblicke in Konzentrationslager, das Leben in Theresienstadt. „Die Aufführung war sehr erfolgreich, den Schülern war aber genauso die Auseinandersetzung mit dem Thema wichtig“, fügt von der Marwitz hinzu.

Technik und Bühne immer professioneller

Auch die Technik und Bühnengestaltung professionalisierte sich mit jedem Stück. Der drei Meter hohe und vier Meter lange Drachenkopf aus „Der Murch und die Zharfe“ konnte computergesteuert auch noch Darsteller verspeisen und gehört sicher zu den spektakulärsten Requisiten, die Schüler und Lehrer in Handarbeit umsetzten. Zum rockigen Musical „13“ im vergangenen Jahr probte man erstmals mit einer Live-Band – „das Publikum ist anspruchsvoller geworden“, merkt Klein an.

Die Zeiten, als Stephanie von der Marwitz tagelang detailversessen an einer Küche für Emil und die Detektive zeichnete, sind aber zum Glück vorbei: „Die Küche war im Stück nur drei Minuten zu sehen, aber ich wollte sie perfekt haben“, meint die Kunstlehrerin verschmitzt. Heute werden die Hintergründe zwar immer noch nach eigener Vorlage erstellt, aber professionell gedruckt.

Zur Theaterarbeit zählt auch die Sponsorensuche

Bis zu 20 000 Euro kann deshalb eine Produktion verschlingen, verrät Musiklehrer Klein: „Allein die Rechte für die Stücke, zum Beispiel für ‘13’, kostet bis zu 1000 Euro pro Aufführung.“ Also gehört zum „Freizeitvergnügen“ der Lehrer und Schüler auch noch die ständige Sponsorensuche, damit die anspruchsvollen Ideen auch umgesetzt werden können.

Trotz neuer Profi-Bühne, Funkmikros und viel Unterstützung ist jede neue Inszenierung zeitaufwendig geblieben: Praktisch ab Herbst beginnt für die beiden engagierten Lehrer die Sieben-Tage-Woche bis zur Aufführung im Februar. Und der Ausgleich? Von der Marwitz: „Es sind halt tolle Kinder – das ist unsere Motivation.“

>> An Bühnenerfahrung wachsen - Nächste Premiere

Mehr Selbstbewusstsein, frei reden können – für Schüler kann die Bühnenerfahrung einen Entwicklungsschub bringen. Bei Joshua (14) und Lavinia (13) ist das so. „Ja, ich bin schon ein bisschen zur ‘Rampensau’ geworden“, meint Joshua, der den Prinz im „Murch“ gespielt hat. Liegt auch in der Familie, denn da sind alle musikalisch.

„Ich mag es, in verschiedene Rollen zu schlüpfen. Man erfindet sich auf der Bühne neu, ich fühle mich dann frei“, schwärmt Lavinia. Mal ist sie ein Eisvogel, dann ein Roboter, dann die kleine Schwester. Sie und Joshua hat das Musical-Fieber angesteckt, man merkt’s. Und wenn mal die Stimme versagt? „Kein Problem – dann muss man improvisieren.“

Das nächste Musical an der Gesamtschule Saarn kommt im Januar 2018 raus. „Mein kleiner Horrorladen“ wird ein Streifzug durch die 50er Jahre mit Rock’n Roll und Petticoats.

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