Schule

Mülheimer Schüler debattieren über Ruhrbadestrand

Bürgermeisterin Margarete Wietelmann debattiert mit den Sechstklässlern aus dem Karl-Ziegler-Gymnasium im Ratssaal über eine Badestelle an der Ruhr.

Bürgermeisterin Margarete Wietelmann debattiert mit den Sechstklässlern aus dem Karl-Ziegler-Gymnasium im Ratssaal über eine Badestelle an der Ruhr.

Foto: Tamara Ramos / FUNKE Foto Services

Sechstklässler aus dem Karl-Ziegler-Gymnasium simulieren im Ratssaal eine Debatte über den Ruhrbadestrand.

Baden in der Ruhr – viele Mülheimer täten das gerne. Die Entscheidung, dass eine Badest elle am Fluss eingerichtet werden soll, ist zwar gefallen, die Realisierung aber zieht sich hin. Zwei sechste Klassen aus dem Karl-Ziegler-Gymnasium simulieren im Ratssaal noch einmal eine Debatte zu dem spannenden Thema. Bürgermeisterin Margarete Wietelmann leitet die Sitzung und ist überrascht, wie viele Pro- und Contra-Argumente von den jungen Politikern vorgebracht werden.

Bürgermeisterin leitet die Debatte

Schon bevor das Planspiel startet, werden kritische Fragen laut. „Wieso machen wir sowas?“, will ein Schüler von der Sitzungsleiterin wissen. Die hat eine Erklärung parat: „Bei diesem Spiel könnt ihr lernen, euch eine Meinung zu bilden und diese auch vor anderen zu vertreten“, sagt sie und verspricht, die Meinung der Schüler später mitzunehmen in die Gremien der Erwachsenen. Geklärt wird vor Beginn der Diskussion auch, dass man beim Debattieren nicht einfach so reinrufen, sondern sich melden – und die anderen ausreden lassen sollte.

Nicht reinrufen, andere ausreden lassen

Vier Fraktionen bilden den Stadtrat, Gruppe A ist für eine Badestelle an der Ruhr. „Das verstößt nicht gegen die EU-Wasserrichtlinie und auch nicht gegen die Renaturierung des Flusses. Die Bürger sollten in der Ruhr schwimmen dürfen“, gibt Anna ein erstes Statement ab. Fraktion D ist entgegengesetzter Meinung. Sie verweist auf die Vergangenheit: Schon 1985 habe es eine Badestelle am Fluss gegeben– und die habe häufig für Probleme gesorgt. Nachteile des Badestrandes: Lärm, der die Anwohner störe. Müll, der die Ruhr verschmutze. Unfallgefahren, weil der Uferabschnitt nicht von Bademeistern bewacht werde.

Die Nachwuchsparlamentarier der Fraktionen B und C sind „unentschieden“. Einerseits verstehe man, „dass die Bürger in der Ruhr schwimmen möchten“, andererseits fürchte man eine Beeinträchtigung der Wasserqualität, hohe Reinigungskosten, Badeunfälle. „Es sollte kein Eintritt genommen werden, weil die Leute nicht zahlen wollen und an anderen Uferstellen schwimmen gehen“, argumentiert die Gruppe B. Die Badenden könnten „die Tiere verscheuchen“, glaubt die Gruppe C.

Recherche bei Expertin und im Netz

Unvorbereitet sind die Schüler nicht in die Sitzung gegangen. Sie arbeiteten im Politikunterricht zum Thema, recherchierten im Netz und ließen sich von einer Expertin – Stefanie Krohn vom Haus Ruhrnatur – beraten. „Am meisten Spaß hat es gemacht, nach Argumenten zu googlen, mit denen man die Aussagen der anderen widerlegen kann“, erklärt Benedikt. Und Nuria sagt: „Ich finde es gut, wenn man seine Meinung sagen und seine Stimme abgeben kann.“

Bevor ein politischer Beschluss gefällt wird, gibt es aber viele Wortmeldungen, die zeigen, wie unterschiedlich man eine Sache sehen kann. Dass das Ruhrwasser durch Plastikmüll und Sonnencreme verunreinigt wird, fürchten einige Kinder. Dass unter Umständen Bäume für die Badestelle fallen müssen, beunruhigt andere. „Die Ruhr ist so groß, die Tiere können sich doch woanders ansiedeln“, sagt ein Mädchen. „Warum müssen wir schwimmen, wo die Fische schwimmen? Was, wenn die es nicht cool finden, mit uns zu schwimmen?“, fragt Elif, und an ihrem verschmitzten Grinsen sieht man, dass es ihr Spaß macht zu debattieren.

Umweltschädigung und zu hohe Kosten

Neben dem Umweltschutz machen vielen Nachwuchspolitikern auch die Kosten Sorgen. „Ein neues Schwimmbad zu bauen oder eine Badestelle einzurichten - dafür haben wir in Mülheim gar kein Geld“, meinen die meisten. Manche scheuen sich sogar davor, Überwachungspersonal oder zusätzliche Mülleimer zu finanzieren. Auch das Reinigen des Ruhrwassers käme zu teuer, und: Mit dem Heißener Bad und dem Naturbad in Styrum habe Mülheim doch genug Freibäder. Nach einer Stunde ruft die Sitzungsleiterin dann zur Abstimmung auf. Das Ergebnis ist unerwartet: Nur drei Schüler sind für die Badestelle, die große Mehrheit ist dagegen – bei einer Enthaltung. „Das Schwimmen in der Ruhr wird also nicht erlaubt“, fasst Margarete Wietelmann zusammen. Das Spiel ist aus, wirkt laut Politiklehrer Simon Duscha aber schon nachhaltig: „Mit dem Rathaus haben die Schüler bisher trockene Veranstaltungen verbunden, von dieser Debatte heute aber sind sie ganz angetan. Das ist ein schöner Abschluss für unsere Unterrichtsreihe zu Kommunalpolitik.“

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