Bildungspolitik

Mülheimer Politiker denken über weitere Gesamtschule nach

Wo wollen künftig die Kinder lernen? Die Forderung nach einem neuen Schulentwicklungsplan wird laut..

Wo wollen künftig die Kinder lernen? Die Forderung nach einem neuen Schulentwicklungsplan wird laut..

Foto: Frank Molter

Mülheim.   Bedarf für eine vierte Gesamtschule sehen Mülheimer Eltern, aber auch Politiker. Doch der Weg dahin geht nur über ein klares Elternvotum.

Bis auf den letzten Platz werden die drei Mülheimer Gesamtschulen auch im kommenden Schuljahr belegt sein. Die Nachfrage ist anhaltend groß. 544 Schüler wollen im kommenden Schuljahr eine Gesamtschule besuchen, knapp 100 zu viel. Dabei stockt die Gesamtschule in Saarn sogar noch einen ganzen Zug auf. Die Kapazitäten sind überall ausgeschöpft. „Ich halte nichts davon, große Systeme immer noch größer zu machen“, sagt die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Franziska Krumwiede-Steiner. Langfristig sprechen sich die Grünen für die vierte Gesamtschule aus – und nicht nur sie.

Die Grünen verweisen dabei auch auf die Entwicklungen in den Kitas: Es kommen mehr Kinder in die Schulen. „Es fehlt aus unserer Sicht eine Gesamtschule in der Innenstadt“, sagt die Fraktionssprecherin der Grünen. Eine persönliche Idee von ihr: „Vielleicht böte sich ja dafür das bisherige VHS-Gebäude an.“

Reinhardt (MBI): Wir arbeiten mit überholten Zahlen

Einer, der schon lange eine weitere Gesamtschule in der Stadt fordert, ist Lothar Reinhardt, Fraktionschef der Mülheimer Bürgerinitiativen (MBI). Der Andrang werde in den nächsten Jahren noch größer werden, sagt auch er. „Man muss nur mal in die Grundschulen schauen, wie voll die inzwischen sind.“ Die MBI machen sich daher erneut stark für einen aktualisierten Schulentwicklungsplan, der das alles berücksichtigt. „Wir arbeiten derzeit mit überholten Zahlen.“ Reinhardt mahnt zur Eile: „Wir werden eine weitere Gesamtschule nicht von heute auf morgen aus dem Boden stampfen können.“

Mit Blick auf die aktuellen Anmeldezahlen sieht man bei der CDU keinen Handlungsbedarf. „Eine weitere Gesamtschule macht überhaupt keinen Sinn“, sagt der bildungspolitische Sprecher der CDU, Heiko Hendriks. Er geht davon aus, dass alle Mülheimer Kinder, deren Eltern diese Schulform wünschen, dort auch einen Platz erhalten. Zahlreiche Anmeldungen an den Mülheimer Schulen stammen von Eltern aus Nachbarstädten. „Mir fehlt auch die Fantasie“, sagt Hendriks, „wie wir eine neue Schule gebäudetechnisch und finanziell stemmen sollten.“

Heinemann-Schule musste am meisten Kinder abweisen

Den Bedarf sieht man dagegen in der SPD. „Grundsätzlich stehen wir einer weiteren Gesamtschule positiv gegenüber“, sagt der Fraktionsvorsitzende Dieter Spliethoff und verweist auf den klaren Elternwillen, der für die SPD ausschlaggebend sei.

Bei vielen Eltern, die keinen Platz für ihr Kind an einer Gesamtschule erhalten haben, gibt es Verärgerung. „Viele tun uns auch leid“, heißt es an der Willy-Brandt-Schule, wo allein 79 Anmeldungen nicht berücksichtigt werden konnten, 34 davon wurden zumindest an eine andere Gesamtschule weitergeleitet, etwa nach Saarn, wo Schulleiterin Claudia Büllesbach von einem starken nachträglichen Andrang spricht. In Saarn geht man davon aus, dass nach der Aufstockung kein Kind mehr abgewiesen werden muss. Ganz anders sieht es an der Gustav-Heinemann-Gesamtschule aus, wo der weitaus größte Andrang herrscht und 86 Schüler abgewiesen werden mussten.

Elternvotum vor Einrichtung einer neuen Schule

Die Errichtung einer neuen Gesamtschule setzt ein festgelegtes Verfahren voraus. Zunächst müsste eine Elternbefragung erfolgen. „Diese Befragung muss vor der Errichtung einer Gesamtschule in den dritten und vierten Schulklassen erfolgen“, erklärt der Leiter des Schulverwaltungsamtes, Uwe Alex. Mindestens 112 Mülheimer Eltern mehr, als es Plätze gibt, müssten sich für eine Gesamtschule in der Stadt aussprechen. Ist das der Fall, folge ein Errichtungsverfahren mit Anmeldungen. Eine Gesamtschule muss vier Klassenzüge haben.

>> ENTSCHEIDUNG MIT GROSSER TRAGWEITE

Die Elternbefragung in einer Stadt und die Anmeldezahlen müssen am Ende nicht übereinstimmen. Tatsächliche Anmeldungen könnten also geringer oder höher ausfallen. Ein Risiko für die Schulplaner.

Fest steht für die Schulverwaltung: „Die Errichtung einer weiteren Gesamtschule hätte eine große Tragweite.“ Finanziell, räumlich und für die ganze Schullandschaft.

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