MUSIK

Mülheimer Pianist holt Preis bei Online-Wettbewerb

Der Mülheimer Markus Siedenberg an seinem Flügel. Er spielt besonders gerne Stücke von Beethoven oder Wagner-Bearbeitungen.

Der Mülheimer Markus Siedenberg an seinem Flügel. Er spielt besonders gerne Stücke von Beethoven oder Wagner-Bearbeitungen.

Foto: Tamara Ramos

Mülheim.   Der Mülheimer Markus Siedenberg überzeugt mit eigener Klavierbearbeitung zu Wagners „Tristan und Isolde“. Musiker aus aller Welt nahmen teil.

Die Opern von Richard Wagner haben es ihm besonders angetan. Dr. Markus Siedenberg versenkt sich oft und gerne in diese komplexen und hochemotionalen musikalischen Welten. Ganz besonders schätzt er „Tristan und Isolde“. „Das ist die Oper schlechthin“, findet der 46-jährige Pianist. Verschiedene Aufnahmen des Musikdramas (uraufgeführt 1865) stehen in seinem CD- und DVD-Regal. Seine Lieblings-Isolde ist die bekannte Mezzosopranistin Waltraud Meier, die oft bei den Festspielen in Bayreuth gesungen hat.

Es verwundert also nicht, dass Markus Siedenberg sich auch mit einem Stückchen „Tristan und Isolde“ am III. Internationalen Future Stars Klavierwettbewerb beteiligte. Mit einer zehnminütigen musikalischen Paraphrase, die er selber geschrieben hat. „Klavierfassungen von Wagner-Opern gibt es ursprünglich nicht. Es gibt aber Pianisten, die eigene Bearbeitungen geschaffen haben“, erklärt der Musiker und Musikwissenschaftler. Mit seiner Tristan-Transkription und deren Interpretation überzeugte er die hochkarätig besetzte Jury, er wurde mit dem Sonderpreis „Best Original Composition“ ausgezeichnet.

Mülheimer spielte auf eigenem Instrument

Die Future Stars International Piano Competition ist übrigens kein gewöhnlicher Wettbewerb, denn er wird online ausgetragen. Pianisten aus aller Welt können Vorspiel-Videos einreichen. „Wir haben es mit einer neuen, demokratischeren Form des Wettbewerbs zu tun“, meint Markus Siedenberg. Die Teilnahmegebühr sei relativ gering. Somit könnten sich auch junge Musiker aus aller Welt beteiligen, die kein Geld für Flüge, Unterkunft und Vorspiel auf anderen Kontinenten hätten.

Der Online-Wettstreit habe aber noch weitere Vorteile: „Es ist den Teilnehmern freigestellt, was sie spielen. Man kann so lange an seinem Vortrag feilen, wie man will, kann immer wieder neue Videos drehen, bis alles perfekt ist. Außerdem fallen Störfaktoren wie etwa Lampenfieber weg. Und man kann sein eigenes Instrument benutzen“, zählt der Familienvater auf.

Markus Siedenberg übte schon mit drei Jahren

An seinem Steinway-Flügel hat er gesessen und seine Transkription vor laufender Digitalkamera mehrfach eingespielt. „Erst mit der fünften Aufnahme war ich zufrieden“, berichtet er. Beim Filmen gelte es Regeln zu beachten: So müssen Tastatur, Finger und Oberkörper immer zu sehen sein. Und: Die Aufnahme darf nicht digital bearbeitet werden. „Bild- und Tonqualität der Videos sind okay. Die Jury kann eindeutig beurteilen, wie die Qualität des Vortrages ist“, sagt Markus Siedenberg.

Die Konkurrenten könne man zwar nicht live erleben, ihr Video aber später im Internet anschauen. Der Pianist, der mit drei Jahren den ersten Klavierunterricht erhielt, beschäftigt sich schon wieder mit einer anderen Wagner-Oper. Er möchte das Finale der „Götterdämmerung“ von der Orchesterfassung in eine Klavierpartitur übertragen. Vielleicht wird er sie online präsentieren – oder auch vor Publikum. Denn: „Das Konzertsaalerlebnis ist für den Zuhörer schon am besten“, so Siedenberg.

<< ZUR PERSON MARKUS SIEDENBERG

Dr. Markus Siedenberg ist in Mülheim aufgewachsen, er machte an der Waldorfschule sein Abitur. Mit 17 Jahren begann er bei Prof. Till Engel an der Folkwang-Hochschule in Essen zu studieren. Er promovierte im Fach Musikwissenschaft über drei Aufnahmen der Sonate Opus 11 von Ludwig van Beethoven. Neben Musik, Musikpädagogik und Musikwissenschaft hat der verheiratete Vater von fünf Kindern auch Philosophie, Geschichte und Literaturwissenschaft studiert. Derzeit studiert er Mathematik.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben