Stadtgeschichte

Das Mülheimer Medienhaus feiert seinen zehnten Geburtstag

Riesig war der Andrang bei der Eröffnung des Medienhauses auf dem Synagogenplatz vor zehn Jahren am Samstag, 22. August, 2009.

Riesig war der Andrang bei der Eröffnung des Medienhauses auf dem Synagogenplatz vor zehn Jahren am Samstag, 22. August, 2009.

Foto: Roy Glisson / WAZ Foto Pool

Mülheim.  Anfangs noch umstritten, belebt und bereichert das Haus am Synagogenplatz heute die Mülheimer Innenstadt. Was erwartet Leseratten in der Zukunft?

Flip-flip-flip: Im Nu baut sich das Medienhaus am heutigen Synagogenplatz Bild für Bild vor den Augen auf. Allerdings nur im Daumenkino. Der witzige „Zeitraffer“ über die Entstehungsphase wurde zur Eröffnung des Gebäudes am 22. August 2009 verschenkt. Er dokumentierte einen ersehnten Neuanfang und auch ein neues Zeitalter für die Mülheimer Stadtbibliothek. In einer Woche, am Donnerstag, 22. August, wird das Medienhaus zehn Jahre alt. Und feiert dies mit einer Woche voller Aktionen.

„Hell und freundlich“, staunten 2000 Besucher zur Eröffnung in Mülheim

„So hell und freundlich“, gingen rund 2000 Besucher zur Eröffnung an jenem Samstag im August 2009 staunend vom Erdgeschoss bis in die dritte Etage. „Wir sind regelrecht überlaufen worden, viele meldeten sich für eine Führung an“, erinnert sich die heutige Leiterin der Stadtbibliothek, Claudia vom Felde – damals noch in Stellvertretung. Denn das nigelnagelneue Gebäude war nicht nur optisch lichtdurchflutet und hochmodern, sondern erst recht technisch: Elektronische Ausleihe, Computer und Internetzugang, Rückgabe von Medien rund um die Uhr – der Schritt ins digitale Zeitalter wurde mit dem Umzug gemacht.

Die „alten Holzmedien“ – Bücher – gab und gibt es natürlich auch. Doch von der ehemals düsteren, 40 Jahre alten Stadtbibliothek mit Randlage grenzte sie sich hier inmitten der City mit einer Lounge und zwei Terrassen durch hohe Aufenthaltsqualität ab. Mancher mochte sich damit trösten, dass es den Blick auf die Ruhr hier nicht mehr gab.

Das Medienhaus etablierte sich bald als zentraler Verweilort

„Den Begriff ,Medienhaus’ hatten die Leute schnell im Kopf“, sagt vom Felde. Genutzt wird das Haus laut eigener Kundenforschung stark als „Verweilort“, viele bleiben einen halben Tag, manche sogar den ganzen. So steigen seitdem die Nutzerzahlen. Mehr als 17.000 Ausweise sind derzeit im Umlauf – das entspricht aus Sicht der Leiterin den Erwartungen von 10 Prozent einer Stadtbevölkerung. Hinter jeder Karte allerdings stecken gut zweieinhalb Mit-Nutzer.

Mit ins Haus zogen das MST-Stadtmarketing, das Medienkompetenzzentrum und Rick’s Café. Damit gab es in der oft totgesagten Stadtmitte wieder Veranstaltungen satt: Polit-Debatten, Musikabende zum Mitsingen, Lesungen wie die Herbstblätter. „Mehr schaffen wir aber schon aus Personalgründen nicht“, sagt vom Felde. Auch zur großen Flüchtlingsbewegung 2015 leistete das Medienhaus einen Beitrag mit Sprach-Angeboten wie „Willkommen in Deutschland“.

Warnung vor PPP-Projekten: Stadt zahle dabei drauf

Unumstritten war der Wechsel von der Ruhr an den Synagogenplatz jedoch nicht: 2007 warnten die Mülheimer Bürgerinitiativen (MBI) im Vorfeld eindringlich vor sogenannten Public-Private-Partnership-Modellen, bei denen die Stadt zwar Eigentümerin des Hauses ist, dieses aber von Privat bauen lässt, um dort für 25 Jahre zur Miete einzuziehen.

Das Medienhaus – damals mit der SKE Facility Management und für 41,2 Millionen Euro geplant – sei ein „aktuelles Beispiel“ für unseriöse Rechnungen, urteilte MBI-Chef Lothar Reinhard. Und hält auch heute daran fest: „De facto zahlt die Stadt hier drauf“, begründet dies Reinhard mit hohen Mieten, so zahle Mülheim etwa seine eigene Grundsteuererhöhung in der Miete mit.

Die Stadtbibliotheksleiterin sieht jedoch gerade in diesem PPP-Fall eine „wertschätzende Zusammenarbeit“ zwischen privater und öffentlicher Hand: Der Vermieter kümmere sich gut um das Haus, man spare vergleichsweise Energie.

Schmerzhafte Spardiskussionen

Schmerzhaft waren allerdings die Spardiskussionen, die am neuen Haus bereits nach zwei Jahren nicht vorbeigingen: 2011 strich die Politik den Bücherbus, auch den Stadtteilbibliotheken wollten manche als

Fell. In der Bevölkerung aber ist die Akzeptanz des Medienhauses groß, erkennt Claudia vom Felde an einem wichtigen Punkt: Es gebe kaum Vandalismus.

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