Corona

Mülheimer Krisenstab blickt mit Anspannung auf den Herbst

Sorge um „Superspreader“: Stadtdirektor und Krisenstabsleiter Frank Steinfort zeigt, welche weitreichenden Auswirkungen auf die Kita- und Schullandschaft eine einzelne Familienfeier selbst in der Nachbarstadt haben kann.

Sorge um „Superspreader“: Stadtdirektor und Krisenstabsleiter Frank Steinfort zeigt, welche weitreichenden Auswirkungen auf die Kita- und Schullandschaft eine einzelne Familienfeier selbst in der Nachbarstadt haben kann.

Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Trotz steigender Zahlen ist Mülheim nicht an der Grenze der Bewältigung angekommen, entwarnt die Stadt. Familienfeier schafft weiter Probleme.

Wenn auch stadtweit die Zahl der Corona-Infizierten gestiegen ist, sieht sich der Mülheimer Krisenstab noch nicht an der Grenze der Bewältigung angekommen. Wenn da nicht der Faktor Mensch querschießt. Aktuell verhagelt eine Familienfeier mit derzeit 39 bekannten Infizierten die Bilanz. Mit Ungewissheit blickt Krisenstableiter Frank Steinfort daher auf den Herbst, wenn das soziale Leben weiter in die Innenräume wechselt.

Welche Auswirkungen bereits eine einzelne Feier auf Mülheim haben kann, selbst wenn sie in der Nachbarstadt passiert, zeigt Steinfort an einem Diagramm: 39 Infizierte mit Kindern wirken sich auf Gruppen bzw. Klassen an 13 Mülheimer Kitas und Schulen aller Schulformen aus. „Das sind wirkliche ‘Spreader’. Genau da, wo wir mit allen Mitteln versuchen, dass es nicht passiert“, schwingt auch Frust in Steinforts Stimme mit. „Wir leiden unter den fünf Prozent, die sich nicht an die Regeln halten.“

„Unverschämte Gästeliste“: Stadt erstattet Strafanzeige

Als „unverschämt“ bezeichnet der Krisenstabsleiter vor allem das, was besagte Veranstalter der Festivität als ,Gästeliste’ zur Verfügung gestellt haben, um die Infizierten nachverfolgen zu können. Ein einziger Name und eine Handy-Telefonnummer für sieben nicht weiter benannte Personen. Zum Teil gehe bei Anruf niemand an den Apparat oder versteht sprachlich die Fragen nicht. Eine mühselige Arbeit für das Gesundheitsamt.

Alle möglichen Infizierten hat die Stadt deshalb noch nicht gefunden und verständigen können, schildert Steinfort den Ernst der Lage. Sie können also, ohne es zu wissen, das Virus verbreiten. Eine Strafanzeige wegen Verletzung des Infektionsschutzgesetzes hat die Stadt daher bereits gestellt.

Stadt prüft zielgenauere Quarantäne-Maßnahmen

Wie will man künftig mit Infektionsfällen etwa an Schulen umgehen? Bislang müssen Schüler klassenweise für fünf Tage zuhause bleiben, dann wird getestet. Falls der Test negativ ausfällt, geht’s zurück an die Schule. Zumindest besteht so die Möglichkeit, dass nicht-infizierte Schüler nur sieben Tage ,einkaserniert’ bleiben.

Die Stadt Essen hingegen schicke inzwischen nur Schüler aus dem direkten Sitzumfeld des Infizierten in Quarantäne, und nicht die gesamte Klasse. Die Ergebnisse dieser sehr eng gefassten Maßnahme wird auch Mülheim bis zu den Herbstferien prüfen, und dann möglicherweise übernehmen. Mit Beschwerden entweder gegen vermeintlich zu drastische oder aber zu lockere Maßnahmen rechnet Steinfort in jedem Fall. „Am Ende entscheiden wir aber nach Evidenz, und nicht danach, welche Eltern uns den meisten Druck machen.“

Stadt verlässt sich nun auf Berechnung des RKI

In einer Sechs- oder sogar Sieben-Tage-Arbeitswoche reagiert der Krisenstab auf die Corona-Entwicklungen „flexibel bis an die Grenzen der Belastbarkeit“, sagt der Leiter. Künftig aber will die Stadt ihre Informationen zum Corona-Virus nicht mehr mehrmals täglich aktualisieren, sondern – ähnlich wie das Robert-Koch-Institut – ein Mal am Tag.

Auch verzichte man bei der Darstellung der Sieben-Tage-Inzidenz auf eigene Berechnungen, sondern legt die des RKI zugrunde, „denn nur diese Zahl ist laut Coronaschutzverordnung ausschlaggebend“. In der Vergangenheit hatte es Widersprüchlichkeiten zwischen Zahlen der Stadt und des RKI gegeben.

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