KULTUR

Mülheimer Kinder beweisen Rhythmusgefühl auf dem Glockenspiel

Groß war die Aufregung der Kinder vor dem Auftritt, bei dem sie ihr Rhythmusgefühl auf dem Glockenspiel bewiesen.

Groß war die Aufregung der Kinder vor dem Auftritt, bei dem sie ihr Rhythmusgefühl auf dem Glockenspiel bewiesen.

Foto: Michael Dahlke

Mülheim.   Einmal im Jahr zeigen Ellen Pröfrocks Schüler, was sie im Rhythmikunterricht gelernt haben. Den gibt es seit fast 40 Jahren.

„Im Land der Blaukarierten sind alle blaukariert“ tönt es durch die Aula der Dependance der Wilhelm-Busch-Schule. Rund 15 Kinder singen und spielen dazu erstaunlich genau im Takt auf ihrem Glockenspiel. Begleitet werden sie von Rhythmik-Pädagogin Ellen Pröfrock auf der Gitarre.

Vor fast 40 Jahren hat sie die Schule für Rhythmik und Instrumentalunterricht gegründet, mittlerweile unterrichtet sie auch die Kinder von Schülern, die ganz am Anfang bei ihr gelernt haben.

Das Kursangebot von Pröfrock, die neben der Gitarre auch Geige und Klavier spielt, richtet sich an Kleinkinder bis hin zum Grundschulalter. Die Ältesten sind acht Jahre und nehmen am Instrumentalunterricht teil.

Gymnastikbälle stimulieren Sensorik

Spielerisch vermittelt die Rhythmus-Pädagogin ihnen musikalische Fähigkeiten. Zum Beispiel mit dem Altglockenspiel. „Gemeinsam lernen die Kinder aufeinander zu hören und im richtigen Tempo zu spielen“, erklärt sie. Der Musikunterricht findet nicht nur im Sitzen statt – er ist aktiv. Gymnastikbälle werden im Takt zur Musik auf den Boden getickt. Das stimuliere gleichzeitig die Sensorik. Knetbälle oder Kokosnüsse benutzt Pröfrock ebenfalls: „Ich habe ganze Schränke voller Material. Das wähle ich spontan aus und gehe so auf die individuellen Bedürfnisse ein.“ Auch bei den Kindern zwischen zwei und drei Jahren, die gemeinsam mit Eltern und Großeltern an den Rhythmikstunden teilnehmen, sowie den Vier- bis Sechsjährigen.

Nach zwei Jahren Instrumentalunterricht endet für die Mädchen und Jungen die Zeit mit Ellen Pröfrock, die viele schon von klein auf kennen. „Das ist schon traurig“, meint Tessa (7) am Montag vor dem Abschlussvorspiel. Dem ging bereits ein kleiner Wissenstest voraus: Noten, Intervalle oder Tonabstände – all das haben die Musikschüler gelernt und das sollten sie auch zeigen. Ob das nicht unter Druck setzt? „Nein im Gegenteil“, meint Pröfrock. „Die Kinder sind eher stolz.“

Größer als vor dem Test war eindeutig die Aufregung vor dem Abschlussvorspiel. Auch wenn die jungen Musiker schon kleine Profis sind, „wir sind ein bisschen nervös“, meinen Andreas und Simon (beide 8 Jahre). Beim Vorspiel lief aber alles super. Gemeinsam mit den Rhythmikmusikschülern (bis 6 Jahre) spielten sie das Lied über die Blaukarierten, auch genannt das „Lied vom Anderssein“. „Ich möchte den Kindern hier Werte zu vermitteln. In dem Lied geht es darum, dass Menschen wegen ihres Aussehens ausgegrenzt werden. In der letzten Strophe gibt es statt Blaukarierter, Grüngestreifter oder Rotgefleckter nur noch Buntgemischte“, erläutert Pröfrock. Das passe mehr denn je zur heutige Zeit und es sei wichtig, den Kindern diese Werte zu vermitteln.

Auch wenn nach dem Vorspiel die Zeit der Kinder bei Ellen Pröfrock endet – mit der Musik machen ganz viele weiter. Die Pädagogin steht im Kontakt zu städtischen Musikschulen und kennt viele Lehrer.

Talente in gute Hände geben

So ist es auch bei Mieke. „Ich fange jetzt an, Horn zu spielen“, erzählt die Siebenjährige stolz. Pröfrock ergänzt: „Mieke ist wirklich talentiert. Da ist es ganz wichtig, sie in gute Hände zu geben.“ Seit vier Jahren ist das Mädchen dabei. Ihr Vater Dirk Drachenberg erzählt: „Ich finde es wichtig, dass die Kinder eine rhythmische Ausbildung bekommen. Auch für die Gehirnbildung in dem jungen Alter.“

In 40 Jahren hat Ellen Pröfrock vielen Kindern einiges beigebracht – gemeinsam mit ihrer langjährigen Kollegin Annegret Schulz-Schneider, die mittlerweile nicht mehr dabei ist. Der Rhythmus-Pädagogin sei es wichtig, dass nicht immer die Blockflöte das erste Instrument ist, weil die sich gar nicht so eigne. Ans Aufhören denkt die 63-Jährige nicht. „Solange ich gesund bin, mache ich weiter. Ich habe einfach Freunde daran. Und ohne die Kinder würde mir etwas fehlen.“

>>Kurse für Vier- bis Fünfjährige sind montags um 16 Uhr, für die Instrumentalkinder um 17 Uhr. Zwei- bis Dreijährige mit Begleitung kommen donnerstags, 16 Uhr, Vierjährige ab 17 Uhr. Adresse: Klotzdelle 3.

Die Kurse kosten monatlich 30 Euro, Infos unter 720 67. Bei hoher Nachfrage wäre ein Mittwochs-Angebot möglich.

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