Insektensterben

Mülheimer Haushalt verhindert umfangreichen Insektenschutz

Ein Tagpfauenauge saugt Nektar aus den Blüten eines Baumes. Vor allem der Schmetterlingsbestand hat sich stark verringert.

Ein Tagpfauenauge saugt Nektar aus den Blüten eines Baumes. Vor allem der Schmetterlingsbestand hat sich stark verringert.

Foto: dpa

Mülheim.   Der Stadt fehlt das Geld, um erweiterte Maßnahmen für den Insektenschutz durchführen zu können. Dennoch habe man den Insektenschutz im Fokus.

Die besten Absichten helfen nicht, wenn sie nicht bezahlbar sind. Zumindest momentan. Dieses Argument bringt die Stadtverwaltung an, wenn es um die Förderung des Insektenbestands in der Stadt geht. Der geht, wie überall auf der Welt, massiv zurück. Vor allem der Schmetterlingsbestand soll laut Umweltamt stark gesunken sein. Die Politik hatte daraufhin einen Maßnahmenkatalog gefordert, damit sich der Bestand in der Stadt wieder erholen kann.

Die Stadt hat kein Personal für Kontrollen

Die meisten konkreten Maßnahmen scheitern allerdings an der finanziellen Schieflage der Stadt. Und von den Fördermitteln des Bundes in Höhe von 43.000 Euro könne man nicht die Zahl an Maßnahmen umsetzen, die nötig wären. Das sagte Umweltamtsleiter Dr. Jürgen Zentgraf und lieferte statt einer genauen, aber kostenintensiven Handlungsvorgabe lediglich Vorschläge, die kaum Geld, aber dafür Selbstverantwortung kosten würden. Zum Beispiel könne man in zukünftigen Bebauungsplänen entsprechende Maßnahmen zum Insektenschutz festlegen, die Baumschutzsatzung konsequent durchsetzen oder neue Satzungen zum Beispiel bezüglich der Vorgartengestaltung beschließen. Das Problem: Die Stadt hat kein Personal, um etwaige Vorgaben kontrollieren zu lassen.

Landwirte müssen insgesamt zehn Hektar Blühstreifen in der Stadt schaffen

Die Stadt selbst verzichtet laut eigener Aussage bereits seit mehreren Jahren auf Grünflächen, Friedhöfen, Verkehrsanlagen und bei den Gesellschaften mit städtischer Beteiligung auf Pestizide. Die Umwandlung von kommunalen Flächen in Wildblumenwiesen erfolge aus Kostengründen einzelfallbezogen.

Einem Verzicht von Pestiziden auf verpachteten stadteigenen Landwirtschaftsflächen steht die Verwaltung derzeit noch zögernd gegenüber, da der Pachtpreis für etwaige Flächen neu ermittelt wird. Allerdings müssen die landwirtschaftlichen Betriebe in Mülheim laut Zentgraf insgesamt zehn Hektar Blühstreifen schaffen.

„Ich bin mir durchaus bewusst, dass man als Verwaltung bessere Maßnahmen vorschlagen kann“, sagte Umweltamtsleiter Zentgraf, momentan sei das aber einfach nicht finanzierbar. Dennoch: „Im Rahmen unserer Möglichkeiten nehmen wir den Insektenschutz in den Fokus.“

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