Handy-Verbot

Mülheimer Gastronomen sind durchweg gegen Handy-freie Zonen

Gehört das Handy in die Kiste? Obwohl lautstarkes Telefonieren und Klingeln den Service und viele Gäste stört, scheuen Mülheimer Gastronomen noch ein Handy-Verbot oder eine Handy-freie Zone.

Gehört das Handy in die Kiste? Obwohl lautstarkes Telefonieren und Klingeln den Service und viele Gäste stört, scheuen Mülheimer Gastronomen noch ein Handy-Verbot oder eine Handy-freie Zone.

Foto: Johannes Schmitt-Tegge / dpa

Mülheim.  Klingeln, knipsen, telefonieren: Sollte es Handy-freie Zonen im Restaurant geben? Wie Mülheimer Gastronomen mit Smartphone und Co umgehen.

Klingeln, knipsen, lautstark telefonieren: Das Handy im Restaurant ist nervtötend – zumindest ist die große Mehrheit der Gäste sich darüber schnell einig, wenn sie gefragt wird. Doch eine aktuelle Umfrage des Dienstleisters Bookatable stellt auch eine andere Seite fest: Gerade einmal 20 Prozent stellen es überhaupt aus. Sollte es also eine Handy-freie Zone im Restaurant geben? So sehen das Mülheimer Gastronomen.

Denn auch in Mülheim ist der Umgang mit dem Smartphone im Restaurant ein emotionales Thema. „Mich nervt es, unseren Service beeinträchtigt es, wenn Gäste lautstark mit dem Handy telefonieren“, räumt Jörg Thon, Vorsitzender des Gastro-Verbands Dehoga Nordrhein und Inhaber des Mülheimer Ratskellers, ein. „Restaurants sind dazu da, sich miteinander zu unterhalten – aber bitte nur mit dem Gegenüber“, findet er.

Keine Verbote, aber Hinweis: Bitte sprechen Sie mit Ihrem Nachbarn

Gibt es ein Handy-Verbot in Mülheimer Gastronomiebetrieben? Thon ist keines bekannt, und würde – trotz der Ärgerlichkeiten – selbst auch keins verhängen: „Wir haben doch schon genug Verbote. Das muss man liberal sehen.“ Einen augenzwinkernden Hinweis auf einem Schild oder in der Speisekarte – ,Bitte sprechen Sie mit Ihrem Nachbarn’ – hingegen schon.

Für Heike Nöthel Stöckmann, Chefin im Restaurant Am Kamin, hingegen ist die Sache nicht nur eine Frage von persönlicher Klasse und Stil, sondern der Wertschätzung: „Ich selbst lebe Handy-frei. Wenn man mit jemandem Essen geht, sollte das Gegenüber so wichtig sein, dass man es aus lässt.“ 95 Prozent ihrer Gäste sehen das offenbar ähnlich, und verzichten auf den Dauerempfang.

Doch: „In einem Fall hat ein weiblicher Gast ununterbrochen aufs Handy geschaut, während ich am Tisch stand. Ich habe mich zurückgezogen und ein Viertelstunde gewartet, bis sie das Smartphone weggelegt hat.“ Ein Verbot käme für die Kamin-Chefin durchaus in Frage, „wenn ein bestimmtes Ausmaß überschritten wird“.

Nur ein Viertel der Befragten würde ein Handyverbot begrüßen

Allerdings können die meisten offenbar nicht die Finger von ihrem ,elektronischen Gegenüber’ lassen oder haben Sorge, etwas zu verpassen – das zumindest stellt die Umfrage von Bookatable unter 1700 Restaurantbesuchern fest. Demnach haben nur 42 Prozent den Klingelton auf ,aus’ gestellt. 29 lassen es aber vibrieren. Und ein Prozent lässt sein Mobiltelefon während des Restaurantbesuchs sogar auf ,laut’.

Fast ein Drittel der Besucher macht Fotos von seinem Essen, 60 Prozent zeigen ihrer Begleitung Fotos. Dabei fühlen sich die allermeisten Menschen (97 %) gestört, wenn ihr Gegenüber sich mit dem Telefon beschäftigt. Gut ein Viertel der Befragten würde ein Handyverbot in ihrer Gastronomie regelrecht begrüßen, nur 20 Prozent hielten das für übertrieben und würden solche Restaurants meiden.

Fotos von ihren Menüs sehen hingegen viele Gastronomen gern

Ein Handy-Verbot hält Chef Sinan Bozkurt im Ronja zumindest noch nicht für notwendig: „Natürlich machen vor allem junge Leute häufig ein Foto von unserem Essen und stellen es online. Aber wer telefonieren will, nimmt Rücksicht und geht vor die Tür – wie ich gerade auch“, merkt er augenzwinkernd an. Das Ronja kommt sogar ohne W-Lan aus, „in den vergangenen sechs Monaten, die wir im Ringlokschuppen sind, haben vielleicht drei Menschen mal nachgefragt“.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben