Prostituierten-Prozess

Mülheimer Freier erpresst: Aussage belastet Prostituierte

Im Prozess um die Erpressung eines Mülheimer Freiers wird Mittwoch ein Urteil erwartet.

Im Prozess um die Erpressung eines Mülheimer Freiers wird Mittwoch ein Urteil erwartet.

Foto: Rottmann Ralf / WR-Ralf Rottmann

Mülheim/Paderborn.  „Ich soll rausholen, was geht“: Im Prozess um die Erpressung eines Mülheimer Freiers belastet ein Mitangeklagter die Prostituierte aus Paderborn.

War sie eine gierige Erpresserin – oder wollte sie sich nur nicht um ihren Lohn prellen lassen? In dem Prozess gegen eine 28-jährige Prostituierte, die einen Mann aus Mülheim mehrfach erpresst haben soll, hat das Landgericht Paderborn die nicht ganz einfache Aufgabe, verschiedene Möglichkeiten einer Wahrheit zu untersuchen. Das Geständnis des Mitangeklagten der 28-Jährigen am zweiten Prozesstag könnte helfen, Licht ins Dunkel zu bringen.

Der Fall könnte bei Gericht auch unter dem Stichwort „Kuriositäten“ abgelegt werden: Wie berichtet, soll die junge Prostituierte, die sich über das Internet anbot, von Freiern später zusätzliches Geld verlangt und ihren Forderungen mithilfe eines 26-jährigen Mannes Nachdruck verliehen haben – nach Ansicht der Staatsanwaltschaft räuberische Erpressung.

Mülheimer soll mehrfach von Prostituierter ausgenommen worden sein

Hauptgeschädigter ist ein 52-Jähriger aus Mülheim, der von der Angeklagten mehrfach ausgenommen worden sein soll. Am zweiten Prozesstag ließ der mitangeklagte Familienvater, ebenfalls aus Paderborn, in seinem Geständnis aufhorchen: Er habe seiner Geliebten helfen wollen, ihre mit Freiern vereinbarte Bezahlung zu erlangen, die diese nach ihrer eigenen Behauptung zum Teil in erheblicher Höhe schuldig geblieben seien.

„Ich war in sie verliebt, sie hat meinen Beschützerinstinkt geweckt“, ließ der 26-Jährige seinen Verteidiger für ihn erklären. Tatsächlich habe er deshalb den Mülheimer bei zwei Gelegenheiten bedroht, insgesamt 2000 Euro herauszurücken – und später auch seinen BMW, den er dann selbst für über zwei Wochen gefahren habe, weil seine Geliebte keinen Führerschein besitze.

„Ich soll hoch pokern und rausholen, was geht“

Bei einem Treffen in Paderborn habe sie ihn instruiert, zu dem Mülheimer ins Auto zu steigen. „Ich soll hoch pokern und rausholen, was geht“, soll die 28-Jährige ihm zuvor gesagt haben. „Ich habe ihm Gewalt angedroht“, gab der Angeklagte zu – der 52-Jährige habe jedoch den Gang zum Geldautomaten freiwillig angetreten.

Ein Düsseldorfer Polizist berichtete im Zeugenstand von den Ermittlungen, die auf Ersuchen der Paderborner Polizei vor Ort angestellt worden seien. Er hatte die Prostituierte nach ihrer Festnahme vernommen – sie habe den Mülheimer als „Kokser“ bezeichnet, der sich geweigert habe, ihre Dienste zu bezahlen.

Polizei überwachte Telefon der Prostituierten

Ein neues Licht warf die Zeugenaussage eines jungen Paderborner Polizisten auf die Angelegenheit: Er hatte an der Telefonüberwachung teilgenommen, die nach der Anzeige des Mülheimers zu Jahresbeginn gegen die 28-Jährige geschaltet worden war. Darin taucht ein Fall auf, in dem die Prostituierte sich mit einer erfundenen Geschichte bei einem weiteren Freier mit „Nachdruck“ 1000 Euro erschlichen haben könnte.

Ein Urteil soll am kommenden Mittwoch gesprochen werden.

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