Ausstellung

Mülheimer Fotoprojekt zeigt Lebenswelten von Jung und Alt

Das Fotoprojekt „Lebenswelten von Alt und Jung in Heißen“ führte Schüler des Gymnasiums Heißen und Senioren zusammen. Hier zeigen sie die bei der Aktion entstanden Werke.

Das Fotoprojekt „Lebenswelten von Alt und Jung in Heißen“ führte Schüler des Gymnasiums Heißen und Senioren zusammen. Hier zeigen sie die bei der Aktion entstanden Werke.

Foto: Michael Dahlke

Für ein Fotoprojekt jenseits der Generationen kamen Schüler des Gymnasiums Heißen und Senioren zusammen. Dabei sind bewegende Bilder entstanden.

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Hanni Thönnessen ist zu Tränen gerührt, als sie von ihrer Mitarbeit beim jüngsten Projekt des Gymnasiums Heißen berichtet. Vieles hat sich im Leben der 85-Jährigen während dieser Unternehmung geändert. Am Montag war sie eine der Hauptpersonen bei der Eröffnung der Fotoausstellung „Lebenswelten von Alt und Jung in Heißen“.

Je vierzehn Bilder stehen in zwei Reihen aufgestellt und stellen die unterschiedlichen Lebenssituationen der Abgebildeten dar. Bilder aufgenommen auf dem Fußballplatz, im Garten, in der Kletterhalle – und auch in der Schule.

Zu dem Projekt fanden sich vier Gruppen zusammen – jeweils bestehend aus einer Seniorin und zwei Schülern. Getroffen hatte man sich erstmals im Frühjahr. Nach den Sommerferien begann die heiße Phase des gegenseitigen Besuchens. „Das war mit einem enormen organisatorischen Aufwand verbunden“, erzählt Isa Wojczicki vom Familiennetzwerk Heißen, die einen großen Beitrag zum Gelingen der Aktion leistete. Problematisch sei vor allem die Terminabsprache gewesen: „Zu diesem Zwecke haben wir extra eine Whatsapp-Gruppe gebildet, bei der auch die Seniorinnen eingebunden waren.“

Erlebnis war Balsam für die Seele der Seniorin

Durch die Vermittlung von Wojczicki kam die Fotografin Beate Szymiczek in das Projekt. Sie lieferte den Teilnehmern das nötige Know-How im Umgang mit Fotokameras. Die Bilder wurden dann selbst geschossen. „Die Schüler wissen zwar alle, wie man Selfies macht, aber eine richtige Kamera ist ja etwas anderes“, erklärt Wojczicki.

Für Hanni Thönnessen war die Zusammenarbeit mit den beiden elfjährigen Jan Möller und Jasper Spitzer ein wunderschönes Erlebnis und Balsam für ihre Seele. Bei Beginn des Projektes musste die 85-Jährige aufgrund von mehreren Stürzen ihre eigene Wohnung auf der Heimaterde aufgeben und in ein Altenheim im Dichterviertel umziehen. Ein Einschnitt verbunden mit großem Schmerz. „Alle meine Kontakte befinden sich in meiner alten Heimat“, sagt sie.

Ein gemeinsamer Besuch auf dem Sportplatz

Das Engagement und die Fröhlichkeit der beiden Sechstklässler halfen der Seniorin den Verlust des alten Umfeldes ein wenig zu vergessen. Gerne erinnert sie sich an den Tag auf dem Sportplatz. Dort zeigten ihr die beiden Kids ihre Leidenschaft für den Fußball. „Ich habe sogar selbst gegen den Ball getreten“, schildert die Seniorin, die sich sonst mit Rollator durch die Welt bewegt. Ein Bild in der Ausstellung zeigt Thönnessen an einer Bushaltestelle stehend. „Ich brauche eine Viertelstunde bis ich vom Altenheim dorthin komme“, klagt sie. Mit dem Foto möchten sie sowie Jan und Jasper ihren Wunsch nach einer näheren Einstiegsmöglichkeit zum Ausdruck bringen.

Mitinitiator Peter Behmenburg vom Pflegedienst „Pflege zu Hause“ ist über die Kooperation zwischen den Generationen hocherfreut: „Schon bevor ich die Fotos gesehen habe, habe ich gemerkt, wie viel Lebendigkeit und Spaß in die Beziehung zwischen Jung und Alt hineingekommen ist.“

>>> Das Altenprojekt am Gymnasium Heißen

Seit 2006 gibt es am Gymnasium Heißen das Altenprojekt. Die Fotoausstellung ist Teil der Initiative. 2013 veröffentlichten Schüler und Senioren ein Buch über die erste Liebe. Die Ausstellung „Lebenswelten“ ist noch bis zum 12. Januar 2019 zu sehen in der Stadtteil- und Schulbibliothek Heißen, Kleiststraße 50.

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