Bundestagswahl

Mülheimer Bundestagskandidaten äußern sich zur Bildungsfrage

Szene aus der Polit-Runde: Astrid Timmermann-Fechter (CDU) und Arno Klare (SPD) hatten Spaß.

Foto: C. Wojtyczka

Szene aus der Polit-Runde: Astrid Timmermann-Fechter (CDU) und Arno Klare (SPD) hatten Spaß. Foto: C. Wojtyczka

Mülheim.   Leserbeirat hatte zur Podiumsdiskussion geladen. In der zweiten Folge unserer achtteiligen Serie steht das Thema Schule im Mittelpunkt.

Der Leserbeirat hatte eingeladen – und mit den sechs Direktkandidaten im Medienhaus diskutiert. Themen waren Bildung, Wohnen oder Flüchtlingspolitik. In Serie stellen wir die Antworten der Kandidaten auf die Fragen unserer Leser vor. Die zweite Frage lautete: Gelungene Integration ist nur dann möglich, wenn die Neuankömmlinge und ihre Angehörigen adäquate Bildungschancen bekommen. Was wollen Sie tun für eine bessere Ausstattung der Schulen?


Arno Klare, SPD: Wir haben ein Zwölf-Milliarden-Programm vorgeschlagen, um daraus die Bildungsinfrastruktur zu verbessern. Das ist ein wichtiger Schritt, weil die Schulhardware darüber bestimmt, wie Lernen organisiert werden kann und ob man noch mehr und kleinere Klassen bildet. Für das Lehrpersonal ist das Land zuständig. Wir müssen aber das Kooperationsverbot im Schulbereich aufheben, das verbietet, dass der Bund unmittelbar etwas an die Kommunen geben kann. Wir müssen aber den „Klick“ im Kopf haben, die Menschen, die zu uns kommen, nicht immer als Belastung zu begreifen, sondern als Chance für diese Republik.


Astrid Timmermann-Fechter, CDU: Meines Erachtens ist für das Gelingen der Integration das Erlernen der deutschen Sprache von Bedeutung. Deshalb haben wir Sprach- und Integrationskurse ausgeweitet. Bei den von ihnen geschilderten Problemen an den Schulen sind wir im Land gefordert, Maßnahmen zu entwickeln. Wir wollen die Förderschulen erhalten, dass man die Wahlmöglichkeit hat. Wir müssen aber auch die Flüchtlingskinder in externen Klassen unterrichten, das halte ich für besonders wichtig.


Joachim vom Berg, FDP: Ich halte es für ganz wichtig, dass Flüchtlingskinder sofort, sobald sie in Deutschland sind, eine Schule besuchen können, damit sie die Sprache lernen. In vielen Bundesländern ist der Fall, dass sie erst nach dem Verlassen einer Flüchtlingseinrichtung an einer Schule teilnehmen können. Dazu gehört auch, dass Jugendliche ihren Abschluss anerkannt bekommen und eine Lehre machen, einen Beruf oder ein Studium aufnehmen können. Denn der beste Platz für die Integration ist die Schule, der Arbeitsplatz oder die Kita.


Franziska Krumwiede-Steiner, Grüne: Ist bisher genug unternommen worden? Da geht definitiv noch mehr. Es braucht eine Willkommensklasse, eine Sprachförderklasse zumindest in den ersten beiden Jahren. Die gibt es aber nicht in jeder Stadt. Kinder mit Flüchtlingshintergrund und unterschiedlichem Sprachniveau sind deshalb verteilt auf Klassen 1 bis 4, und man kann sie eigentlich nicht richtig fördern. Dafür muss man die Personalpolitik ändern und mehr Lehrer einstellen, auch wenn man eigentlich genug hätte. Es wäre gut, wenn das Kooperationsverbot aufgehoben wird, denn die 10 Millionen für Mülheim dürfen derzeit nicht für Dinge eingesetzt werden, die mit Unterricht zu tun haben.


Alexander von Wrese, AfD: Sprache als Integrationsmittel ist richtig, aber da sage ich auch – und das unterscheidet uns von den anderen Parteien – wir haben Parallelgesellschaften und Ghettoisierung. Sprache reicht nicht aus, deshalb ist wichtig, dass jeder, der zu uns kommt, den Rechtsstaat akzeptiert und unsere Gesellschaftsordnung anerkennt. Bei der Bildung ist es entscheidend, dass wir das Bildungsniveau, das wir haben, nicht runterfahren und unsere Qualitäten als Wirtschaftsstandort einbüßen, mit der Argumentation, dann fällt es allen anderen leichter sich zu integrieren. Ein zentrales Abitur, Rückeinführung von Magister, Staatsexamen und Diplomstudiengang sind die wesentlichen Punkte, die ein wichtiger Schritt wären.


Marc Scheffler, Die Linke: Gerade in der Integration fehlt viel Geld. Es muss bereit gestellt werden, damit Integration klappen kann. Ansonsten können nicht genügend Angebote für Kinder, die zu uns kommen, geschaffen werden. In der Bildung gilt dasselbe. Die genannten zwölf Milliarden reichen nicht, gerade, wenn man sich marode Schulgebäude wie das Otto-Pankok Gymnasium anschaut.

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