Kultur

Mülheimer Bücherfrühling wird 25 und kein bisschen leise

Die beiden haben was zu feiern: Brigitta Lange (li.) und Ursula Hilberath haben den Saarner Bücherfrühling vor 25 Jahren mit ins Leben gerufen.

Die beiden haben was zu feiern: Brigitta Lange (li.) und Ursula Hilberath haben den Saarner Bücherfrühling vor 25 Jahren mit ins Leben gerufen.

Foto: Martin Möller

Mülheim.   Mit ihrem Bücherfrühling haben Brigitta Hilberath und Ursula Lange aus Mülheim-Saarn vor 25 Jahren ein beliebtes Festival erfunden. Ein Gespräch.

Vor 25 Jahren war der Saarner Bücherfrühling ein kleines Pflänzchen mit gerade einmal zehn Veranstaltungen. Und die Buchhandlung Hilberath und Lange ein knappes Jahr alt: „Wir wollten aber von Anfang an mehr, als nur Regale mit Büchern anbieten“, verfolgten Ursula Hilberath und Brigitta Lange 1994 – mitten im erwachenden digitalen Zeitalter – die ambitionierte Idee, ein Festival rund um Bücher zu veranstalten.

Damit waren die Frauen des Gründungsteams – mit dabei Sabine Klischat (Begegnungsstätte Kloster Saarn) sowie die Klosterbücherei – echte Vorreiterinnen noch vor der heute so gefeierten „Lit Cologne“ und der viel jüngeren „Lit Ruhr“ – wenn auch mit aktuell 30 Veranstaltungen im deutlich kleineren Kostüm. „Wir saßen alle an einem Tisch und haben uns zur Ideenfindung mehrfach durch die hiesige Gastronomie gemampft“, plaudert Ursula Hilberath aus dem Buch der Gründungsmythen.

Bedauern, dass „Lit Ruhr“ bestehende Festivals ignorierte

Bei so viel Pionierarbeit für das Medium Buch ist es vielleicht kein Wunder, dass Brigitta Lange den Spross „Lit Ruhr“ mit leichten Regenwolken betrachtet: „Warum hat man dabei nicht die bestehenden Bücherfestivals im Ruhrgebiet einbezogen?“ Gute Frage.

Denn der Saarner Bücherfrühling hat Aufmerksamkeit verdient. Nicht nur, weil hier etliche Sterne aus Literatur und Film vorbeischauten: Iris Berben, Christine Westermann, Arno Geiger oder eben in diesem Jahr Joachim Król. Sondern weil der eigentliche Star die Literatur ist. Mal kommt sie als von Schülern inszeniertes Hörspiel daher, mal als Schüttelreim-Spaß im Teeladen, mal als kleines Gesellschaftsspiel. Etwa, wenn die Zuhörer Sätze aus der Literatur derart glaubhaft weitererzählen sollen, dass sie die anderen aufs Glatteis führen. „Den Leuten hat das richtig Spaß gemacht“, sagt Ursula Hilberath ein wenig verblüfft.

Literarische Wanderungen sind hoch im Rennen

Wenig überraschend hingegen ist, dass die literarischen Wanderungen hoch im Rennen und oft ausgebucht sind, weil sie an ungewöhnliche und manchmal auch nicht zugängliche Orte führen. Zum Beispiel zum sagenumwobenen „Kellermanns Loch“ oder zum Steinbruch Rauen: Zwischen Kröten, Brandungsgeröll und Fossilien wurde wacker Christian Morgensterns „Der alte Steinbruch“ angestimmt. Schräg, aber schön.

Die erste Wanderung startete jedoch am Auberg und mit dem inzwischen verstorbenen Mülheimer Dichter und Verfechter der Mölmschen Mundart, Walter Ferschen. Später übernahm Thorald vom Berg die literarischen Wanderungen. Auch auf’s Schiff ging es mal, doch das Lesen auf zwei Decks war zu kompliziert und teuer.

„Wir zerlegen Bücher nicht. Wir sagen, was uns gefällt“

Für Hilberath und Lange gehört das ebenso zur „Leseförderung“ wie die Kinderlesungen in der Begegnungsstätte Kloster Saarn – ein wichtiger Kooperationspartner. Oder das Literaturprojekt der Gesamtschule Saarn, das im Bücherfrühling seit zehn Jahren einen festen Ort hat. „Die machen alles selbst, wir stellen nur die Bühne in der Buchhandlung. Und da sagen manche Leute, die Jugend interessiere sich nicht mehr für Literatur“, wirkt Ursula Hilberath ganz stolz auf den Nachwuchs.

Und manchmal bleiben die Frauen auch ganz klassisch. Das literarische Quartett stellt nicht unbedingt die künftigen Bestseller der Spiegel-Liste, sondern ausschließlich Lieblingsbücher vor. Allerdings läuft das hier ohne reißerische Wortgefechte zwischen posierenden Pontifexen der Weltliteratur ab. „Wir zerlegen die Bücher nicht, sondern sagen, was uns gefällt“, ergänzt Krimi-Expertin Lange, Kollegin Hilberath ist dagegen für die „anspruchsvolle“ Wortkunst zuständig. Die besondere Empfehlung schätzen viele in beiden Fällen, „die Leute machen sich Listen, schreiben mit“, sagt Lange.

Natürlich wurde nicht alles zu Gold, was das Team anfasste. Gut vier Jahre dauerte es, bis sich das Festival herumgesprochen hatte. Doch: „Wir haben den Auftakt einfach selbstbewusst ,Erster Saarner Bücherfrühling’ genannt – dann war klar, dass wir einen zweiten machen müssen“, meint Lange mit trockenem Schalk.

>> BÜCHERFRÜHLING STARTET AM 17. APRIL

Der Saarner Bücherfrühling startet am Mittwoch, 17. April, um 19.30 Uhr, mit einer kabarettistischen Lesung rund ums Essen und Trinken, von der Antike bis zur Jetztzeit. Veranstaltungsort: BioLogisch, Lehnerstraße 4a.

Eintritt: 10 Euro inklusive Häppchen. Karten: Tel. 0208-46 15 75.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben