Gesundheit

Mülheimer Apothekern wird eher selten auf die Finger gesehen

Bei den Kontrollbesuchen wird besonders auf Rezepturen geachtet, also selbst hergestellte Medikamente. Aber nur eine Mülheimer Apotheke produziertZytostatika für die Chemotherapie.

Bei den Kontrollbesuchen wird besonders auf Rezepturen geachtet, also selbst hergestellte Medikamente. Aber nur eine Mülheimer Apotheke produziertZytostatika für die Chemotherapie.

Foto: Dietmar Wäsche

Mülheim.  Zwei Essener Amtsapothekerinnen sind zuständig für drei Großstädte, darunter Mülheim. Kontrollen werden angekündigt, außer im Verdachtsfall.

Die kriminellen Praktiken des inzwischen verurteilten Bottroper Apothekers haben nicht nur die Gemüter vieler Menschen bewegt, sondern auch im Kontrollsystem etwas angestoßen. So hat NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann per Erlass die Apothekenüberwachung im Land neu geordnet und intensiviert. Zuständig sind die Kreise oder kreisfreien Städte, denen nun einheitliche Regeln gesetzt wurden. Dies gilt vor allem für unangemeldete Kontrollen, mit denen die Herstellung von Injektions- und Infusionsmitteln überwacht werden soll.

Die Mülheimer Apotheken werden seit Längerem nicht mehr durch das hiesige Gesundheitsamt beaufsichtigt, sondern durch die Essener Behörde: Dort sind zwei Amtsapothekerinnen, Silke Hugo-Hanke und Dr. Nicole Horst, für die drei Großstädte Essen, Mülheim und Oberhausen zuständig.

Anlassbezogene Begehungen

Zu ihrer üblichen Vorgehensweise teilen sie mit: „Die Überwachung erfolgt entsprechend der gesetzlichen Vorgaben durch angekündigte Regelbesichtigungen oder anlassbezogene unangekündigte Begehungen.“ Das bedeutet: Die Kontrolleurinnen melden sich vorher an, überraschend erscheinen sie nur dann, wenn ein Verdacht besteht „auf unzulässige Verhaltens- oder Verfahrensweisen“.

Apotheken, die Zytostatika herstellen, Mittel für die Chemotherapie von Krebspatienten, würden in kürzeren Abständen kontrolliert, erläutert Amtsapothekerin Silke Hugo-Hanke, ohne diese Intervalle näher zu benennen. Proben selbst produzierter Arzneimittel würden „stichpunktartig“ im Rahmen landesweiter Schwerpunktprojekte genommen. In Mülheim gibt es derzeit nur eine einzige Apotheke, die Zytostatika herstellt.

Besuch kam alle zehn Jahre

Alle anderen müssen, sofern sie nicht unangenehm aufgefallen sind, nur selten mit Kontrollbesuchen rechnen. Hannu Uwe Kratz ist Kreisvertrauensapotheker des örtlichen Apothekerverbandes und Ansprechpartner für Patienten, die Beschwerden über Berufskollegen vorbringen wollen. Kratz führt seit zwei Jahrzehnten die Kronen-Apotheke in Dümpten und ist seither nach eigenen Angaben „etwa alle zehn Jahre kontrolliert worden, also nicht oft“. Er wisse aber auch von Kollegen, die wesentlich häufiger besucht würden, „es ist sehr abhängig davon, wie vorherige Kontrollen ausgefallen sind“.

Personalkontrollen unangekündigt

Normalweise würden die Visiten angekündigt, so Kratz, „außer bei reinen Personalkontrollen, wenn etwa im Nachtdienst nachgehalten wird, ob tatsächlich durchgehend ein Apotheker da ist, wie vorgeschrieben“. Wenn reguläre Kontrollen stattfinden, die etwa einen halben Tag dauerten, würde vor allem beim Umgang mit Betäubungsmitteln genau hingeschaut und bei den Rezepturen. Hier könnten auch Proben verlangt werden. Denn auch Apotheken, die keine Zytostatika produzieren, stellen Medikamente für schwer kranke Menschen selbst her, Kratz nennt als häufiges Beispiel: „Kapseln für herzkranke Kinder, die nicht in entsprechender Dosierung auf dem Markt sind“.

Der Bottroper Fall beschäftige ihn auch persönlich sehr, sagt der Kreisvertrauensapotheker: „Ich habe mir vorher überhaupt nicht vorstellen können, dass es so etwas gibt. Aus reiner Geldgier. Ich hoffe sehr, dass es ein Einzelfall ist.“

>>>Nur noch 40 Apotheken in Mülheim

Genau 40 Apotheken gibt es derzeit in Mülheim: 39 öffentliche und eine Krankenhausapotheke. Die Tendenz ist aber sinkend. Nach Auskunft der Amtsapothekerinnen hat die Zahl der Apotheken in Mülheim innerhalb der letzten zehn Jahre stetig abgenommen, etwa eine pro Jahr ist vom Markt verschwunden.

Diese Entwicklung lässt sich deutschlandweit beobachten. Als Hauptgrund nennen Branchenvertreter den wirtschaftlichen Wettbewerb. Auch Kreisvertrauensapotheker Hannu Uwe Kratz sagt: „Es wird immer schwieriger, eine Apotheke gewinnbringend zu führen.“ Nach seiner Erfahrung sind es eher kleine, ältere Apotheken, die schließen müssen. Oft, weil kein Nachfolger gefunden wird.

Übrigens hat die Stadt Gelsenkirchen, als Konsequenz aus dem Bottroper Krebsmittel-Skandal, angekündigt, wieder eigene Amtsapotheker einzustellen . Bislang war dort eine Aufsicht für zwölf Städte zuständig.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben