Gastronomie

Mülheim: Wie die Kneipe „Bei Uschi“ mit dem Lockdown umgeht

Wirt Michael Völkel muss seine Kneipe an der Monning ab Montag schließen. Verständnis hat er dafür nicht.

Wirt Michael Völkel muss seine Kneipe an der Monning ab Montag schließen. Verständnis hat er dafür nicht.

Foto: Oliver Müller / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Ab Montag müssen Gastronomiebetriebe für mindestens einen Monat schließen. Für die Kneipen ist es besonders hart. Ein Besuch „Bei Uschi“.

Mehrere Mülheimer Gastronomie-Betriebe mussten aufgrund der Corona-Pandemie bereits schließen. Nun wird die Branche durch die Zwangsschließungen erneut vor eine Zerreißprobe gestellt. Viele Betreiber fühlen sich ungerecht behandelt. Besuch in einer Speldorfer Kneipe.

„Mein Konzept ist Herzlichkeit inklusive Begrüßung per Handschlag“, sagt Michael Völkel, der seit vier Jahren die Kneipe „Bei Uschi“ an der Monning führt. Den obligatorischen Handschlag musste er schon vor über einem halben Jahr einstellen. Vor der Theke hängen Duschvorhänge, die als Spuckschutz dienen. „Günstiger als Plexiglas“, sagt Völkel schmunzelnd.

„Man fragt sich: Wofür hat man die ganze Zeit gekämpft?“

Der Kneipier will seinen Humor nicht verlieren. Dabei ist es alles andere als lustig. „Wir haben alles eingehalten, man gibt sich richtig Mühe. Deswegen fragt man sich jetzt schon, wofür man die ganze Zeit gekämpft hat“, erklärt Völkel. Zumal niemand die Menschen von privaten Zusammenkünften abhalten könne. „Dann doch lieber kontrollierte Abstände und Listen, die man nachverfolgen kann“, findet der Kneipier.

Durch die Reduzierung auf weniger Haushalte habe er schon die letzten Wochen als einen „stillen Lockdown“ empfunden. Die Anzahl seiner Gäste ließ sich oft an zwei Händen abzählen. „Das ist ja nicht mehr ökonomisch“, erklärt der Duisburger, der nach dem ersten Lockdown Überbrückungshilfen erhalten hat. „Aber ich weiß nicht, ob ich das nicht doch noch zurückzahlen muss.“ Auch auf Rücksichtnahme des Verpächters möchte er nicht angewiesen sein. „Das wird ja immer so leicht daher gesagt. Aber die Verpächter brauchen auch ihr Geld.“

Kneipen gehören für Völkel zum Kulturgut

Ihm geht es aber gar nicht in erster Linie um das Finanzielle. „Das ist eine Leidenschaft, die man hier lebt. Solche urigen Kneipen gehören zum Kulturgut“, findet Völkel. Er hat „Bei Uschi“ zu einer Eventkneipe mit regelmäßigen Karaokeabenden gemacht. „Aber die ganzen Spaßsachen bleiben jetzt auf der Strecke“, weiß der Hobbymusiker. „Mit meiner Band ist es ja das gleiche.“

Dass der einmonatige Lockdown positive Auswirkungen hat, glaubt er nicht. „Die Krise wird dadurch nur verschoben. Eine wirklich Zukunft ist erstmal nicht in Sicht.“

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