Brexit

Mülheim: Wie der Brexit Unternehmen zu schaffen macht

Jan Imig leitet den Standort von Gear4music in Mülheim.

Jan Imig leitet den Standort von Gear4music in Mülheim.

Foto: Jörg Schimmel / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Der Mülheimer Musik-Onlinehändler Gear4music mit Hauptsitz in England kämpft mit dem Brexit. Das größte Problem: die Unsicherheit.

Während der Brexit nach dem Ausscheiden Großbritanniens aus der EU seit dem 31. Januar langsam aus den Nachrichten verschwindet, ist er für Unternehmen immer noch sehr präsent. Denn geregelt ist noch wenig, Unsicherheiten prägen die Stimmung im Handel. So auch bei Gear4music. Der Online-Händler von Musikinstrumenten im Mülheimer Hafen gehört zur Gear4music Gruppe mit Sitz im englischen York. „Wir müssen uns auf alle Eventualitäten vorbereiten“, sagt Standortleiter Jan Imig. Und das macht viel Arbeit.

Großbritannien ist nicht mehr Teil der EU, doch wie die Beziehungen zum Königreich in Zukunft aussehen werden, ist noch völlig unklar. „Welcher Deal es letztlich wird, weiß keiner“, sagt Imig. Der Findungsprozess könne sich noch lange hinziehen. Und so spielt das Unternehmen verschiedene Szenarien durch, ist auf diverse mögliche neue Zollbestimmungen vorbereitet. Das größte Problem: die Unsicherheit. „Wir werden sehr schnell reagieren müssen.“

Gear4music hat seit 2017 einen Standort in Mülheim

Gear4music hat seit 2017 neben England und Schweden einen Standort in Mülheim. Von hier aus verschickt das Unternehmen Musikinstrumente und Zubehör nach ganz Zentraleuropa. Über 56.000 Artikel sind im Angebot von Gear4music: von Gitarren und Tasteninstrumenten (die Top-Seller) über Synthesizer und Lautsprecher bis hin zum pinken Saxophon. „Deutschland ist der größte Markt nach den USA“, sagt Jan Imig.

Den kleinen Musikgeschäften droht allerdings das Aussterben, sie finden keinen Nachwuchs, haben nicht den nötigen Absatz. Der Großteil des Geschäfts findet online statt. Trotzdem hat Gear4music eine eindrucksvolle 600 Quadratmeter große Fläche, auf der die Firma ihre Instrumente präsentiert.

Mitten im Mülheimer Hafen gelegen, neben den großen Lagerhallen, ist der Eingang noch nicht einladend, doch der Showroom selbst ist ein Paradies für Musikbegeisterte: Dutzende E-Gitarren, DJ-Equipment, Keyboards, Schlagzeuge zum Ausprobieren. „Viele Kunden halten sich bei uns mehrere Stunden auf“, sagt Imig. Denn der wahre Liebhaber braucht die haptische Erfahrung: „Es ist eine besondere Beziehung zwischen Mensch und Instrument.“

Problem im Online-Handel: Die Rücksendungen

Nebenan, im über 5000 Quadratmeter großen Lager, sorgen knapp 20 Mitarbeiter für die Verpackung und den Versand der Waren, nehmen die Lieferungen der Firmen und die Eigenprodukte entgegen, verpacken neu, bringen die Pakete auf den Weg zu den zahlreichen Versandzentren im Ruhrgebiet. Eben dies, die gute Logistik-Infrastruktur, war für Gear4music ein Grund für den Standort im Revier.

Ein Problem sind die zahlreichen Retouren, die sich im Lager stapeln, ausgepackt, geprüft und meist nur als B-Ware wieder verkauft werden müssen. Eine Zahl will Jan Imig nicht nennen, aber bei kleinen Margen kann eine Rücksendung schnell zum Verlust führen. Das Angebot gehört zum Service, ebenso wie schnelle Versandzeiten. „Die Online-Käufer sind da sehr verwöhnt.“ Das Schlimmste am Brexit, so Imig, wären Verzögerungen bei den Lieferungen.

Brexit: „Wir machen sieben Kreuze, wenn das Buch zu ist“

Gear4music will seinen Warenbestand künftig nicht mehrfach spiegeln müssen – in Deutschland, Schweden und Großbritannien. Auch wenn die drei Standorte autark funktionieren, sind es gerade die Raritäten, die nicht in allen Lagern verfügbar sein müssen. Arbeitskapazitäten hat der Brexit das Unternehmen in jedem Fall gekostet, vor allem im Bereich der IT.

Und ein Großteil der Mühe war vermutlich für den Papierkorb, weil nur eine der vielen Eventualitäten eintreten wird. Jan Imig hofft auf baldige Sicherheit: „Wir machen sieben Kreuze, wenn das Buch endlich zu ist.“

Das bedeutet der Brexit für uns Deutsche
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