Tanklasterbrand

Nach Brand auf A40: Mülheim-Styrum wird erneut zum Stauland

Zwei weitere Eisenbahnbrücken über der A 40 in Styrum müssen abgerissen werden. Dafür wird die Autobahn Anfang Dezember erneut für voraussichtlich zehn Tage voll gesperrt.

Zwei weitere Eisenbahnbrücken über der A 40 in Styrum müssen abgerissen werden. Dafür wird die Autobahn Anfang Dezember erneut für voraussichtlich zehn Tage voll gesperrt.

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Weil nach dem Tanklasterbrand in Mülheim-Styrum nicht nur eine, sondern zwei weitere Brücken bröseln, wird es wieder Sperrungen und Staus geben.

Der schlimme Brand des Tanklasters Mitte September auf der Autobahn 40 unter den Styrumer Eisenbahnbrücken zeigt weitere Millionen schwere Folgen. Was Ingenieure nach ersten Sichtungen der Unfallstelle bereits leise befürchtet hatten, haben Gutachter jetzt bestätigt. Ihre Hiobsbotschaft: Zwei weitere Eisenbahnbrücken bröseln und müssen erneuert werden. Die mittlere Brücke für die Bahngleise Richtung Duisburg wird im Dezember von einer Behelfskonstruktion ersetzt. Dafür wird die A 40 erneut für zehn Tage gesperrt. Dann gehören Hauskamp-, Steinkamp- und Heidestraße wieder zu den härtesten Staustrecken der Stadt. Mülheim ist erneut stündlich in den Verkehrsdurchsagen zu hören. Anlieger sind mehrere Tage vom Auto- und Zuglärm befreit.

Seit dem 17. September, dem Tag des fatalen Tanklasteraunfalls, arbeiten mehrere Abteilungen der Deutschen Bahn AG (DB) und von Straßen.NRW eng zusammen, um die Folgen so schnell wie möglich zu beheben. Schnell bedeutet in diesem speziellen Fall jedoch Jahre. „Eine neue Brücke ist nicht in ein paar Monaten geplant, genehmigt und gebaut“, beschreibt Kirsten Verbeek, Sprecherin der Deutschen Bahn.

Alle Zugverbindungen nach Oberhausen bleiben länger unterbrochen

Was in den nächsten Wochen und Monaten zwischen Friesen- und Heidestraße abläuft, bereiten Eisenbahner und Straßenbauer gerade vor. Die Brücke mit den S-Bahngleisen von und nach Oberhausen sowie die Brücke mit dem Güterzuggleis von und nach Oberhausen müssen abgerissen werden, weil sie ebenfalls so stark beschädigt sind, dass sie keine Züge mehr sicher tragen können. Ein Abstützen ist unmöglich.

Der Abriss beider Brücken wird zwischen dem 4. und 10. Dezember erledigt, lautet der aktuelle Zeitplan. Beim Abriss der ersten Brücke waren vier Bagger gleichzeitig im Einsatz. Nach drei Tagen war die Sache erledigt. Wann in 2021 beide Verbindungen von und nach Oberhausen wieder mit Behelfsbrücken geschlossen werden, steht zur Zeit noch nicht fest. So lange werden Ersatzbusse die S 3 zwischen Bahnhof Styrum und Oberhausen Hauptbahnhof weiter im Halb-Stundentakt ersetzen.

Röhrenwerke und Hütte laben längere Gütertransporte

Über die Güterbahnbrücke sind bis vor sechs Wochen alle Großrohrtransporte aus den Styrumer Röhrenwerken gerollt. Auch die Friedrich-Wilhelms-Hütte wickelt viele Transporte mit der Bahn ab, obwohl sie einen eigenen Schiffsanleger am Ruhrufer hat. Dafür müssen die Güterzüge jetzt im kleinen Güterbahnhof Styrum rangiert und die beladenen Waggons Richtung Essen, abgefahren werden.

Für die bereits abgebrochene Brücke mit den Gleisen Richtung Duisburg, beginnen am Freitag die Gründungsbohrungen sowie die Betonarbeiten für die neuen Widerlager. Diese Arbeiten sind bis Anfang Dezember erledigt, damit die Behelfsbrücken aufgelegt werden können. Dafür werden mehrere Großkräne zum Einsatz kommen.

Steuerleitungen verlängern, umlegen und neu anschließen

Für die Steuerung des neuen elektronischen Stellwerks (ESW), das Ende Mai 2021 in Duisburg in Betrieb gehen soll, hatte die DB sowieso eine komplette Streckensperrung von 2. bis 7. Dezember eingeplant. „Diese Arbeiten werden auch erledigt“, erklärt Kirsten Verbeek.

„Gleichzeitig müssen alle Steuerleitung verlängert und wieder neu angeschlossen werden, die wir von der bereits abgerissenen Brücke auf die benachbarte umgelegt hatten. Weil diese nun auch fallen muss, laufen diese Arbeiten parallel. Ab 8. Dezember fahren wieder Züge von Duisburg nach Essen“, betont die Bahnsprecherin.

Großbohrgeräte beginnen mit der Brückengründung

„Parallel“ ist in den nächsten Monaten das am häufigsten benutzte Wort bei DB und Straßen.NRW. „Alle Arbeiten müssen gleichzeitig oder kurz hintereinander in einem engen Zeitkorsett getaktet werden, damit die Sperrung der A 40 sowie unserer Eisenbahnstrecken so kurz wie möglich bleiben“, erklärt Verbeek.

Die Autobahn bleibt ab 4. Dezember zehn Tage lang zwischen Kaiserberg und Anschlussstelle Styrum dicht. Die beiden Großbohrgeräte, die jetzt mit dem Gründen für die erste Behelfsbrücke beginnen, werden danach auf der Baustelle bleiben und nebenan für die weiteren, notwendigen Behelfsbrücken mehr als 60 Fundamentlöcher bohren.

Styrumer Brücken wurden für das neue S-Bahn-Netz 1967 errichtet

Damit steigert sich die Schadenssumme nach dem Tanklasterbrand um einen zweistelligen Millionenbetrag. Die fünf Eisenbahnbrücken in Styrum über der A 40 wurden 1967 für das neue S-Bahn-Netz Rhein-Ruhr errichtet. Damals ließ die „Deutsche Bundesbahn“ die Strecke zwischen Duisburg und Essen auf vier Gleise ausbauen.

Nach dem Brand des Tanklasters wird der Knoten wieder eine Dauerbaustelle. Die Autobahn und damit Pendler und Brummifahrer werden im kommenden Jahr weitere Vollsperrungen erleben. Zugreisende sollen nach Weihnachten wieder von Mülheim nach Duisburg auf Schienen vorankommen.

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