Wirtschaft

Mülheim: Selbecker erteilen Gewerbekonzept klare Absage

Auf den Feldern zwischen Stooter Straße und Autobahn A52 sollen laut Konzept auf 70 Hektar neue Gewerbeflächen entstehen. Der Selbecker Bürgerverein sieht darin eine Verschlechterung der Luftqualität. Er will die Natur schützen und zuerst Brachflächen reaktivieren.

Auf den Feldern zwischen Stooter Straße und Autobahn A52 sollen laut Konzept auf 70 Hektar neue Gewerbeflächen entstehen. Der Selbecker Bürgerverein sieht darin eine Verschlechterung der Luftqualität. Er will die Natur schützen und zuerst Brachflächen reaktivieren.

Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Gegen das Wirtschaftsflächenkonzept von Mülheimer Wirtschaftsförderer Hendrik Dönnebrink protestiert nun auch der Selbecker Bürgerverein.

Der Selbecker Bürgerverein (SBV) erteilt dem von „Mülheim & Buisiness“ vorgelegten Wirtschaftsflächenkonzept eine klare Absage.

Statt weiterer Flächenfraß mit Versiegelung seien ein niedriger Energieverbrauch und der Erhalt von Grün- und Wasserflächenflächen zukunftsorientierte Standards. Produzierendes Gewerbe sei seit Jahren auf dem Rückzug, Dienstleitung und Wissenschaft gewännen bei der Wertschöpfung an Bedeutung. Statt des Ausbaus weiterer Straßen seien mehr Radwege und öffentlicher Nahverkehr attraktive Standortfaktoren für ansiedlungswillige Firmen. Dazu müsse auch die Gewerbesteuer gesenkt werden.

Verein sieht Nachholbedarf im Dienstleistungsbereich

Das von den Wirtschaftsförderern „vorgelegt Konzept ist aus Sicht des SBV einseitig auf die von der Wirtschaft geforderte Ausweisung neuer Gewerbe- und Industrieflächen ausgerichtet“, reagiert der Vorstand. Ob damit neue Betriebe und Arbeitsplätze der Stadt zusätzliche Steuereinnahmen bringen, belege das Konzept nicht. Dazu müsse sich „Mülheim gegen Konkurrenz aus den Nachbarstädten wehren“.

„Im Dienstleistungsbereich hat Mülheim im Vergleich zu den Nachbarn Nachholbedarf“, argumentiert der SBV. Daher sei eine „vorsichtige und mit Umweltzielen vereinbare Vergrößerung der Gewerbeflächen notwendig“. Zuerst seien vorhandene Brachflächen zu nutzen. Deren Aufbereitung koste ebenso Geld wie die Erschließung auf „grüner Wiese“.

Vorgelegte Konzept sei „unverständlich und verantwortungslos“

Mülheim habe einen anerkannt guten Wohnwert mit hohen Immobilienpreisen. Damit verbunden seien hohe Einkommensteuerabgaben, die „einen erheblichen Teil des städtischen Haushalts ausmachten. „Diese Wohnqualität, die durch Naturräume entlang des Ruhrtals bestimmt wird, gilt es zu erhalten und zu schützen.“

Hügel- und Waldlandschaften in der Umgebung erhöhten den Freizeitwert, regulierten das Klima. Daher sei es „völlig unverständlich und verantwortungslos, in diesem Bereich größere Gewerbeansiedlungen zu planen. Naturflächen würden so „unwiederbringlich zerstört.“

Kritik: Durchlüftung Selbecks habe sich verschlechtert

Der SBV „wendet sich entschieden gegen Gewerbeflächen im Landschaftsschutzgebiet ,Saarn-Selbecker-Hochflächen’“. Die Behauptung, die Anbindung eines solchen Gebietes sei ortsdurchfahrtsfrei möglich, sei falsch. Das könnte nur über eine neue Autobahnausfahrt in der Freilandzone erreicht werden.

Schon das weitgehende Schließen der ursprünglich geplanten „Grünen Fenster“ entlang der Kölner Straße und der damit erfolgten Bebauung und Ansiedlung von Gewerbe (Wohnwagen, etc.) „hat die Durchlüftung verschlechtert und verkehrsbedingte Schadstoffemissionen erhöht“, sagt der SBV.

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