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Mülheim: Programm des Museums zeigt politische Kunst der DDR

„Die Einheit der Arbeiterklasse“ von Josep Renau an der Fassade eines Treppenhauses in Halle-Neustadt hat der Fotograf und Architekt Martin Maleschka dokumentiert.

„Die Einheit der Arbeiterklasse“ von Josep Renau an der Fassade eines Treppenhauses in Halle-Neustadt hat der Fotograf und Architekt Martin Maleschka dokumentiert.

Foto: Martin Maleschka

Mülheim.  Wie steht’s um politische Kunst im öffentlichen Raum, welche lieben Mülheimer, wie sehen Kinder die City? Museumsprogramm 2020 hat’s in sich

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Auch wenn das Kunstmuseum am Synagogenplatz wohl länger als geplant auf sich warten lässt: Das umtriebige Museum Temporär macht aus der Not der notwendigen Sanierung eine Tugend und liefert ein sehr rundes Programm mit hoher Kunst und engagierten Themen für das kommende Jahr 2020. Ein besonderes Glanzlicht zur Jahresmitte: Mülheimer zeigen ihre Lieblingswerke – private wie unerwartete Einblicke in das, was die Menschen in der Ruhrstadt schätzen.

Mülheimer Museum thematisiert politische Kunst im öffentlichen Raum der DDR

Doch bevor dieser Vorhang gelupft wird, enthüllt der Maler und Grafiker Julian Reiser, was den gebürtigen Hamburger während seines Stipendiats in Mülheim inspiriert hat. Reiser experimentiert mit den unterschiedlichsten bildgebenden Verfahren, paart die Themen der klassischen Malerei mit computergenerierten Mustern und Motiven.

So wird der Wandel des Kunstbegriffs und der Kunstproduktion über die Epochen hinweg sichtbar. Julian Reiser hat übrigens Freie Kunst an der Kunstakademie Münster studiert. 2017 wurde er mit dem Nrw.Bank.Kunstpreis ausgezeichnet. Die Eröffnung ist im Museum Temporär an der Schloßstraße 28 am Donnerstag, 30. Januar, um 18 Uhr. Die Ausstellung ist bis zum 8. März zu sehen.

Im März macht sich das Museum erneut auf den Weg zur Kunst im öffentlichen Raum. Diesmal allerdings nicht zu der eigenen, sondern jeder der vergangenen DDR. Üppig wurde sie damals gestaltet und gefördert für Stadtzentren, öffentliche Gebäude und Wohngebiete – selbstredend ganz im Geiste der politischen Botschaft im Arbeiter und Bauernstaat. Wie sie der Fotograf und Architekt Martin Maleschka jedoch dokumentiert hat, ist sie bislang selten zu sehen gewesen – oder überhaupt. Denn etliches an öffentlicher Kunst ist seit dem Mauerfall entfernt oder zerstört worden. Maleschka kämpft um den Erhalt – wenn auch nicht aus ideologischen Gründen. Die Ausstellung „Baubezogene Kunst in der DDR 1950 -1990“ startet am Donnerstag, 19. März, um 18 Uhr, und geht bis zum 17. Mai.

Junge Mülheimer Menschen nehmen ihre Stadt in den Fokus

Viel wird diskutiert über Gewerbeflächen am Flughafen, schwimmende Häuser auf der Ruhr und Grün in der City. Doch wie sehen junge Mülheimer ihre Stadt? Was ist ihnen wichtig? Die drei Künstler Mark Koppe, Heiko Tiemann und Tabea Borchardt haben Vorschul- und Grundschulkinder dabei begleitet, wie sie mit der Kamera ihre Lieblingsorte aufsuchen und zeigen. Auch unbeliebte Orte kommen zur Sprache. Die Gruppenausstellung „Bilder meiner Stadt“ eröffnet am Mittwoch, 20. Mai, um 17 Uhr, und ist bis zum 21. Juni zu sehen.

„Was uns gefällt“ – das klingt nach privaten Einblicken wie selbstbewussten Aussagen gleichermaßen. Und so könnte die neue Ausstellung zur Jahresmitte auch werden: eine neugierige und wertschätzende Betrachtung von liebgewordenen Kunst-Objekten, jenseits musealer und kunstmarktabhängiger Kriterien. Zuvor aber sind Mülheimerinnen und Mülheimer aufgerufen, Gemälde, Grafiken, Kleinplastiken oder kunstgewerbliche Gegenstände aus ihrem Privatbesitz ins Museum Temporär zu bringen. Um sie der Welt zu zeigen. Das Rezept aus Lokalkolorit und Neugier ging schon bei der beliebten Ausstellung „Wieviel Bauhaus ist in Mülheim“ fabelhaft auf. Der Vorhang hebt sich am Donnerstag, 2. Juli, um 18 Uhr. Bis zum 6. September darf sich überraschen lassen.

Kunst rettet verklappte Pflanzen

Das könnte selbst für Freitagsklimaschützer schräg sein: Das Künstlerduo 431art – Haike Rausch und Torsten Grosch – haben eine Art Pflanzenklappe für willige Adoptiveltern geschaffen. Dort kann vernachlässigtes oder gar ungeliebtes Grün ,verklappt’ und – hoffentlich – von Liebhabern aufgenommen werden. Ist „Botanoadopt“ einfach nur Spaß mit Tiefsinn oder doch schon engagierte Kunst an der Schnittstelle von Alltag und Wissenschaft? Angeblich haben Rausch und Grosch damit weit über 1000 von der heimlichen Entsorgung bedrohte Pflanzen gerettet. Für zehn Tage – vom 10. bis zum 20. September – ist das Projekt in Mülheim. Eröffnung: Donnerstag, 10. September, 18 Uhr.

Am 6. Dezember ist sie wieder zurück: die Jahresausstellung der Mülheimer Künstler und Künstlerinnen. Sie zeigt aktuelle Werke, die im Jahr 2020 geschaffen wurden. Eröffnung: Samstag, 5. Dezember, 18 Uhr. Sie geht bis zum 31. Januar 2021.

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