Coronakrise

Mülheim: Händler und Vermieter suchen Wege aus der Misere

Das Mülheimer Rhein-Ruhr-Zentrum an einem ungewöhnlich ruhigen Tag in Vor-Corona-Zeiten. Momentan haben fast alle Geschäfte geschlossen.

Das Mülheimer Rhein-Ruhr-Zentrum an einem ungewöhnlich ruhigen Tag in Vor-Corona-Zeiten. Momentan haben fast alle Geschäfte geschlossen.

Foto: DANIEL ELKE / Foto: DANIEL ELKE / FUNKE Foto Services

Mülheim  Seit fast drei Wochen sind die Geschäfte geschlossen. Werden alle Läden in den Einkaufszentren und in der Mülheimer Innenstadt überleben?

Seit die Coronakrise das Geschäftsleben lahm gelegt hat, sieht die bittere Realität so aus: Null Einnahmen für die meisten Einzelhändler, weiter laufende Kosten. Wie gehen die Beteiligten damit um? Wie sind die Perspektiven im Rhein-Ruhr-Zentrum, im Forum, beim Citymanagement?

Allgemeine Empörung hat die Ankündigung einiger großer Handelsketten ausgelöst, ab 1. April ihre Miet- und Nebenkostenzahlungen einzustellen. Unter anderem hatten sich Deichmann und H&M in diese Richtung geäußert. Beide sind sowohl im Mülheimer Forum mit Filialen vertreten als auch im Rhein-Ruhr-Zentrum (RRZ).

Karstadt-Kaufhof stoppt Mietzahlungen pauschal

Wenig später schlug Karstadt-Kaufhof Alarm: Der Konzern hat sich in ein sogenanntes Schutzschirmverfahren begeben und zugleich seine Mietzahlungen gestoppt, rückwirkend ab März und pauschal vorerst bis Juni. Für das RRZ bedeutet dies, dass ein Ankermieter offenbar vier Monate lang nicht überweisen wird.

Das Center am Humboldtring ist zwar noch geöffnet, doch die Passagen liegen menschenleer da. Rund 150 Shops sind zugeschlossen, alle Sitzgelegenheiten mit Flatterband abgesperrt. Die wenigen Besucher steuern gezielt eine Handvoll Läden an, die geöffnet bleiben dürfen. Es sind nur noch sieben: Döbbe, dm, das Reformhaus, Wolsdorff, Hussel, Fielmann und die Apotheke, teils mit verkürzten Zeiten.

Nur noch sieben Läden geöffnet - RRZ ist menschenleer

Zur Ankündigung der genannten Handelsketten, wegen der Coronakrise vorerst nicht mehr zu zahlen, möchte der Center-Eigentümer Redos keine Stellung nehmen, sondern verweist direkt an die betreffenden Unternehmen. Generell signalisiert man aber Entgegenkommen, für alle Shops: "Das RRZ steht im engen Austausch mit allen Mietern über die jeweils individuelle Situation", erklärt eine Sprecherin auf Anfrage. Falls nötig, könnten "auch gemeinsam Lösungsmöglichkeiten ausgelotet werden".

"Gemeinsam Lösungsmöglichkeiten ausloten"

Deichmann weist auf Anfrage dieser Redaktion noch einmal ausdrücklich darauf hin, dass man die Miet- und Nebenkostenzahlungen keinesfalls verweigere, sondern die Vermieter nur gebeten habe, diese zu stunden. Niemand solle aber dadurch in eine Notlage kommen. Wie es sich konkret an den vier Mülheimer Standorten verhält - RRZ, Forum, Heifeskamp und Düsseldorfer Straße - wird aber nicht bekannt gegeben: "Wir bitten um Verständnis, dass wir die individuelle Situation einzelner unserer 1.500 Filialen nicht öffentlich kommentieren können", teilt Deichmann mit.

Noch relativ lebendig geht es im Forum City zu, das Fußgänger weiterhin als Passage zwischen Hauptbahnhof und Innenstadt nutzen. In 16 der insgesamt rund 70 Läden können die Mülheimer noch einkaufen, vielfach zu etwas verkürzten Zeiten.

Forum: Verständnis für die existentiellen Nöte

Centermanager Daniel Wahle äußert Verständnis für die existentiellen Nöte der Mieter. "Uns ist natürlich klar, dass sie mit wirtschaftlichen Verlusten oder gar Insolvenz konfrontiert sein können". Grundsätzlich pflege man im Forum ein "partnerschaftliches Verhältnis" und werde auch in der Krise gemeinsame Lösungen finden. "Das kann beispielsweise die Stundung von Mietzahlungen sein", so Wahle, "wodurch die Unternehmen finanziellen Spielraum gewinnen, um die Krise zu überstehen." In jedem Einzelfall werde das Forum individuell entscheiden.

Innenstadt: Hoffnung, dass die allermeisten Geschäfte es überstehen

Auf die Mülheimer Innenstadt blickt Citymanagerin Gesa Delija mit Sorge. Werden alle Geschäfte überleben? "Ich habe keine Glaskugel", sagt sie, "nur die Hoffnung, dass die allermeisten es überstehen. In Einzelfällen, wenn Händler ohnehin schon angeschlagen waren, werden sie es aber leider nicht schaffen."

Delija hat erfahren, dass einige Vermieter in der Innenstadt den Geschäftsleuten von sich aus finanziell entgegen gekommen sind. Aber nicht alle Eigentümer seien dazu bereit, nicht alle könnten sich das auch wirtschaftlich erlauben. "Einige haben vielleicht nur diese eine Immobilie, die auch noch nicht abbezahlt ist..."

Citymanagerin: "Bin oft einfach nur Kummerkasten"

Händlern, denen es jetzt wirklich schlecht geht, rät Gesa Delija, das Gespräch mit dem Vermieter zu suchen, etwa zur Möglichkeit, Mietzahlungen zu stunden. Sie sagt: "Im Moment bin ich in meiner Funktion als Citymanagerin oft einfach nur Kummerkasten. Häufig klopfe ich bei den Läden an. Denn hinter jedem Schaufenster sitzt ja auch eine Existenz."

WAS WIRD AUS DEN MODERNISIERUNGSPLÄNEN?

Für beide Mülheimer Einkaufszentren gibt es umfassende Modernisierungspläne. Die Eigentümer des Forums wollen daran festhalten, sie erklären: "Ungeachtet der temporären Corona-Krise werden wir die Pläne nach Normalisierung der Lage fortführen."

Im Rhein-Ruhr-Zentrum sollte Mitte 2020 ein grundlegender Umbau starten, verbunden mit einer 200-Millionen-Euro-Investition. Diese steht nun auf dem Prüfstand. Eine Sprecherin des Eigentümers Redos erklärt: "Die Zunahme von Schutzschirmverfahren, wie zuletzt von Galeria Karstadt Kaufhof, betrifft auch unser Vorhaben beim RRZ. Wir werden diese neue Situation prüfen und die Auswirkungen auf unser Projekt bewerten."

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