Runder Tisch

Mülheim: Griefahn setzt weiter auf Entwicklungsgesellschaft

Mittelpunkt der Mülheimer Innenstadt: Die Schloßstraße und der Kurt-Schumacher-Platz vor dem Forum.

Mittelpunkt der Mülheimer Innenstadt: Die Schloßstraße und der Kurt-Schumacher-Platz vor dem Forum.

Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Auf Einladung von Monika Griefahn befasste sich ein runder Tisch einmal mehr mit der Zukunft der Mülheimer Innenstadt. Der große Wurf blieb aus.

Die Mülheimer Innenstadt bleibt ein Dauerthema und ist gerade im Wahlkampf ein beliebter Inhalt zahlreicher Debatten. Auch die SPD-Kandidatin Monika Griefahn versuchte sich am Mittwoch mit einem runden Tisch an neuen City-Ideen. Der große Wurf blieb dabei erwartungsgemäß aus.

Digitalisierung, mehr Fahrradfreundlichkeit und die Stadtentwicklungsgesellschaft – die Schlagworte rund um Mülheims Stadtkern sind bekannt. Und sie kamen auch in der Runde der SPD-Politikerin und ihrer vier Gäste ein ums andere Mal zur Sprache.

Positive Aspekte der Mülheimer Innenstadt wurden betont

Alle fünf versuchten zu betonen, dass sich in der jüngsten Vergangenheit auch einiges zum Guten entwickelt habe. „Ich erkenne viel Positives, es gibt auch schöne Ecken“, sagt Jörn Gedig. Der Textilunternehmer ist das beste Beispiel dafür, dass die Mülheimer City auch Erfolgsgeschichten schreiben kann. Über einen Pop-up-Store etablierte er sich und führt mittlerweile den Laden „4330 Mülheim“ an der Wallstraße.

Er rät allen, die gute Ideen haben, sich auch die richtigen Partner zu suchen. „Ohne die Unterstützung von Mülheim & Business wären wir sicherlich nicht so schnell durchgestartet“, gibt Gedig zu – und ergänzt: „Wir standen schnell im Mittelpunkt der Medien, wurden gepusht und konnten uns schnell etablieren, wo andere sicherlich viele Wochen und Monate gebraucht hätten.“

Das Beispiel 4330 macht der OB-Kandidatin Mut

Solche Beispiele machen der OB-Kandidatin Mut. „Die Leute geben nicht auf und lassen die Menschen nicht einfach nach Duisburg oder Essen abwandern“, sagt Monika Griefahn.

Das Konzept der Pop-up-Stores könnte in Zukunft noch wichtiger werden, glaubt Bernd Hermes, Vorstandsmitglied der Interessengemeinschaft Innenstadt. „Sonst fehlen uns irgendwann die Nachfolger für die Läden, die lange die Innenstadt geprägt haben“, prognostiziert er. „Wir wollen die, die mutig sind und neue Projekte umsetzen“, betont er. Das Interesse an „großen Playern“ sei eher gering.

Rahmenbedingungen des Handels haben sich verändert

Auch er ist der Meinung, dass die City eigentlich besser ist als ihr Image. Stichwort Medienhaus oder Kunstmuseum. „Unter Auswärtigen ist das Image oft besser als bei den Mülheimern“, glaubt er. Dies gelte es aufzupolieren, sagt auch Michael Zühlke, Geschäftsführer der Hans-Böckler-Betriebsgesellschaft, einer Eigentümergemeinschaft rund um die Hochhäuser und das Forum. „Was wir alle brauchen, ist Kaufkraft“, weiß der Geschäftsführer.

Allerdings, hält Bernd Hermes dagegen, haben sich die Rahmenbedingungen verändert. „Wir brauchen heute 30 Prozent weniger Verkaufsfläche“, betont er. Daher, sagt nun wieder Zühlke, müsse die City auch in anderer Hinsicht punkten – zum Beispiel durch mehr Festivitäten. „Vor Jahren wurde etwa der Kulinarische Treff aus der Stadt an die Ruhr verlegt“, bedauert er.

Mülheimer City fehlt die Aufenthaltsqualität

Für guten Handel muss eben auch die Aufenthaltsqualität gegeben sein, weiß Julia Schiminski, die sechs Jahre lang selbst im Handel tätig war und heute denselben berät. „Durch die Einkaufszentren gibt es leider zu wenig Grün in den Innenstädten“, bedauert die Mülheimerin.

Auch in Sachen Digitalisierung gibt es großen Nachholbedarf. „Das fängt ja schon damit an, dass ich mein Parkticket unter der Konrad-Adenauer-Brücke nur mit Münzen bezahlen kann“, sagt Julia Schiminski lachend. Jörn Gedig kann sich eine gemeinsame Online-Plattform der Innenstadt-Händler vorstellen. Kunden können dann online kaufen, aber gleichzeitig den lokalen Handel bedienen.

Stadtentwicklungsgesellschaft soll die Wohnungsproblematik angehen

Das gesunkene Ansehen der City liegt vor allem an der deutlich veränderten Wohnsituation. Galt die Innenstadt einst als gehobene Wohngegend, hat sich das fast ins Gegenteil gekehrt. „Oft werden Wohnungen im Paket aufgekauft, letztes Jahr 15 auf einmal, wo die Miete vom Sozialamt gezahlt wird. Den Vermietern ist es egal, was mit den Häusern passiert, weil sie nicht in Mülheim ansässig sind“, erläutert Bernd Hermes die Situation.

Da setzt die Stadtentwicklungsgesellschaft an, die Monika Griefahn gründen möchte. „Sie könnte auch Problem-Immobilien aufkaufen und die Häuser dahingehend verwalten, dass die Stadt auch bestimmen kann, was damit passiert“, so die SPD-Politikerin. Bernd Hermes würde dieses Projekt gerne noch konkretisieren und wünscht sich eine Innenstadtentwicklungsgesellschaft. Seine größte Hoffnung liegt auf den Ruhrbania-Baufeldern drei und vier.

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