Komisch

Mülheim: Fußballpapst Pistor witzelt fußlahm übers Kicken

Ist das noch lustig oder kann es weg? Sven Pistor servierte im Ringlokschuppen altbekannte Youtube-Schmunzeleien und plauderte mit Ex-Profi Michael Schulz.

Ist das noch lustig oder kann es weg? Sven Pistor servierte im Ringlokschuppen altbekannte Youtube-Schmunzeleien und plauderte mit Ex-Profi Michael Schulz.

Foto: Frank Oppitz / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Die Comedy-„Fußballballschule“ von Kicker-Koryphäe Sven Pistor dribbelt sich mit Youtube-Clips, Quiz und C-Promis müde durch zwei Spielhälften.

Kängurus, die über den Fußballplatz hüpfen, Dackel, die Elfmeter besser halten als der Keeper, Spieler, die breitbeinig in den Pfosten rutschen – guckt man sich beim Prokrastinieren gern zuhause an. Wenn WDR-Fußballexperte Sven Pistor seine Comedy-„Fußballballschule“ vor fast ausverkauftem Saal zum guten Teil mit betagten Youtube-Clips über die erste und zweite Spielzeit bringt, sind jedoch Fragen erlaubt. Nicht nur urheberrechtliche.

Am Donnerstagabend im Ringlokschuppen stellen sich vor allem qualitative: Ist das noch lustig oder kann das weg? Pillen-Papst Pistor fummelt sich beim Warmlaufen durch die Vierer-Ketten im Publikum: Wer ist für Schalke, wer für BVB, wer für RWO ...? Lässt seine sonore Radiostimme wohlig schnarren. Dribbelt an den “Zecken“ – „BVB-Spiele sind wie Gina-Wild-Filme: irgendwann komm die blonde Granate“ – und der anderen „blonden Granate“ Klinsmann vorbei. Frotzelt über Hummels, „der kann reden, ist aber ganz schön lahm“, und den tiefsinnigen Verschreiber „Bummels“ in irgendeiner Zeitung.

Zwischen Quiz und Plauderei mit Promi „Schuuulz“

„Zwei Remis und ein Unentschieden“ – wer das Kicken liebt, dürfte die unfreiwilligen Bonmots in Print und Online längst kennen, dem kleineren Rest des knatschvollen Saals entlocken die freigelegten Fun-Fossilien des Hörfunkmoderators noch ein Lachen. Die jüngeren auf der Tribüne rätseln da noch, wer eigentlich Gina Wild ist.

Apropos: Fremdscham bereitet der Auftritt des späten Profifußballers Michael Schulz (BVB, Nationalmannschaft), der offenbar geschmeichelt vom Rampenlicht aus dem Nähkästchen plauderte: Klinsmann sei „ein Sonnyboy, so lange es läuft“, aber ein „Egozentriker“ auf den „man reingefallen“ sei. Gibt seine „psychologische Kriegsführung“ – etwa seinem Gegner ins Ohr hauchen – preis. „Wenn sich der Spieler mit dir beschäftigt, achtet er nicht auf den Ball“, kommentiert der Ex-Kicker. Neuigkeitswert hat das Geplänkel mit „Schuuulz“ aber selten, das sich zäh ins Abseits spielt.

Pistor wechselt aus, bringt ein Quiz mit Publikum – denn schließlich ist heute abend ja „Fußballschule“ angesagt. Gilt das Tor, wenn der Spieler von TSV Grunbach einen Abstoß macht und der Gegenwind die Pille unhaltbar ins eigene Netz weht? Die Fachwelt auf der Bühne rätselt, der Schiri gibt das Tor. Das Regelwerk ist aber klar: nein – es hätte Ecke geben müssen.

Späße über ballverliebte Vierbeiner und Vokuhila

Nach der Halbzeit geht der Moderator mit gleicher Aufstellung aufs Feld: niedliche Tier-Videos von ballverliebten Hunden, Katzen, Kängurus, ein bisschen Quiz, kuriose Vokuhila-Fußballerfrisuren – und Michael Schulz. Was bleibt hängen von Pistors Fußball-Penne? Dass die meisten Italiener den Sex einem Fußballspiel vorziehen würden, jedoch die wenigsten deutschen Männer?

Oder vielleicht das: Seinen sportlichen Aufstieg verdankt der FC Bayern München seinem ersten Präsidenten Kurt Landauer (1913/14). Landauer trug dazu bei, dass der anfangs ziemlich erfolglose Verein zuerst 1926 und 1928 die süddeutsche Meisterschaft, und nach mehreren Versuchen im Finale dann 1932 die deutsche Meisterschaft erreichte.

Warum die Bayern doch sympathisch sind

Dass Landauer auch Jude war, wurde ihm zum Trotz aller Erfolge zum Verhängnis. Die Nazis ließen Landauer 1933 das Amt als Präsidenten niederlegen, er verlor auch seine Arbeitsstelle, wurde 1938 in Dachau interniert. 1939 flüchtete er in die Schweiz. Die Bayern blieben dem Ex-Präsidenten aber treu. Als die 1940 in Zürich spielten wurde ihnen untersagt, Landauer zu begrüßen. Doch sie drehten den Nazis eine Nase, gingen zur Tribüne, wo Kurt Landauer saß und begrüßten den Exil-Präsidenten herzlich. „Das macht die Bayern doch sympathisch“, findet Pistor. Recht hat er.

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