Kultur

Mülheim: Ex-Stadtplaner fordert Krisenfonds für Künstler

Ein Bild vom Ringlokschuppen samt Außenbühne auf der Drehscheibe, eine wichtige Kulturstätte in Mülheim. Auch hier herrscht vorerst Zwangspause bis zum 19. April.

Ein Bild vom Ringlokschuppen samt Außenbühne auf der Drehscheibe, eine wichtige Kulturstätte in Mülheim. Auch hier herrscht vorerst Zwangspause bis zum 19. April.

Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Mülheim  Der Mülheimer und Ex-Beigeordnete Jürgen Dressler warnt Politik davor, den Wert der Kultur zu unterschätzen. Wie er freie Künstler stützen will.

Einen Krisenfonds für die von der Coronavirus-Krise besonders betroffenen freischaffenden Künstler vor Ort schlägt nun der Mülheimer und ehemalige Duisburger Planungsdezernent Jürgen Dressler vor.

„Leitende Beamte und entsprechende Pensionäre, Menschen mit hohem Einkommen und Vermögen und Freiwillige spenden mindestens 100 Euro im Monat“, lautet seine konkrete Idee. Gut 50.000 Euro könnten im Monat auf einem Spendenkonto zusammenkommen - wenn man 500 willige Spender in der Stadt findet.

Damit die Spenden auch die Betroffenen erreichen, könnte das Geld von der Kulturverwaltung, die die betroffenen Künstler kennt, verwaltet und vermittelt werden, schlägt der 71-jährige Beigeordnete im Ruhestand weiter vor. Um die Gelder von der Einkommensteuer zu befreien, sollten die Spender zudem auf eine steuerbegünstigende Bescheinigung verzichten.

Ex-Stadtplaner Dressler mahnt: Kultur prägt das soziale Gefüge einer Stadt

Warum dieser Vorstoß des Ruheständlers? „Ich bin durch viele Gespräche mit der freien Theaterszene in Duisburg und Mülheim darauf gekommen. Denn sie sind gerade besonders gefährdet“, erklärt Dressler. Der ehemalige Stadtplaner warnt die Politik davor, angesichts der lauten Forderungen aus der Wirtschaft, nun den Wert der Kultur zu unterschätzen. „Kultur prägt das soziale Gefüge und die Geschichte einer Stadt. Die Stadt muss sich bewusst werden, dass sie die Vielfalt in diesem Bereich sichern muss.“

Der Ringlokschuppen, das Museum Temporär und das Theater an der Ruhr machen bis zum 19. April Zwangspause, die Stücke im Mai sind zunächst komplett abgesagt. „Wir sind nun auf der Suche nach alternativen Möglichkeiten und halten Sie hierüber auf dem Laufenden. Diese Entscheidung hat die Stadt Mülheim an der Ruhr in Abstimmung mit dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und der Beauftragten für Kultur und Medien der Bundesregierung aufgrund der Corona-Pandemie getroffen“, teilt die Stücke-Festivalleitung mit.

Mülheimer Einrichtungen tüfteln daran, freie Künstler zu stützen

Doch in der Kulturszene selbst denken die Einrichtungen darüber nach, wie sie die freien Künstler trotz abgesagter Veranstaltungen unterstützen können. Am Theater an der Ruhr und im Ringlokschuppen plant man bereits Ersatztermine eventuell für den Herbst und in Absprache mit den Künstlern. Für TAR-Geschäftsführer Sven Schlötcke kann die Coronavirus-Krise auch eine Chance bieten, neue Formate zu entwickeln. Am Raffelberg überlegt man, Theater nicht auch virtuell durch Kameras zu übertragen.

Arbeiten im Haus wurden vorgezogen um den Ausfall abzufedern

„Wir haben auch Arbeiten im Haus vorgezogen, die erst im Sommer angefallen wären, und suchen nach Ersatztätigkeiten, um den Ausfall für freischaffende Techniker und Hilfen abzufedern“, sagt Tobias Fritzsche, Pressesprecher im Ringlokschuppen. Über eine Möglichkeit zur konkreten Unterstützung denkt man hier auch nach, so etwa, dass Besucher, die es sich leisten können und wollen, sich die Tickets nicht erstatten lassen sondern spenden. „Das Geld geht dann überwiegend an den Künstler, ein Teil natürlich auch in unseren Betrieb“, so Fritzsche.

Denn klar ist ihnen allen: Wenn die Ausbreitung des Coronavirus gestoppt ist, und der Normalbetrieb wieder einkehrt, sind diese Häuser wieder auf freie Künstler angewiesen – nur muss es sie dann noch geben.

EXISTENZSICHERUNGSPROGRAMM FÜR FREIE

Ein Existenzsicherungsprogramm für freie Künstler fordert jüngst der Kulturrat NRW, darunter eine Grundsicherung in einem vereinfachten Verfahren. „Wir mahnen bei den Kommunalen Spitzenverbänden Entscheidungen und Koordinierung mit dem Land an. Es fehlen weithin Entscheidungen der Kommunen“, kritisiert der Vorsitzende Gerhart Baum.

Derweil nehmen Künstler und Freiberufler das Heft in die eigene Hand. Per Online-Petition an Finanzminister Olaf Scholz wollen sie „Hilfen für Freiberufler und Künstler während des "#Corona-Shutdowns“ erreichen. Rund 252.000 Menschen haben sie bisher unterzeichnet. https://www.openpetition.de/petition/online/hilfen-fuer-freiberufler-und-kuenstler-waehrend-des-corona-shutdowns-2

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