Ausstellung

Mit Lebenslust dem Leiden trotzen

Lea Alexandra (16) wäre gerne Mary Poppins. Das Künstler-Duo Hans-Werner Leidemann (im Bild)/Susanne Küch hat ihren Traum auf die Leinwand gebracht. In der Camera Obscura sind Wunschbilder kranker Menschen zu sehen. Foto:Mara Tröger

Lea Alexandra (16) wäre gerne Mary Poppins. Das Künstler-Duo Hans-Werner Leidemann (im Bild)/Susanne Küch hat ihren Traum auf die Leinwand gebracht. In der Camera Obscura sind Wunschbilder kranker Menschen zu sehen. Foto:Mara Tröger

Mülheim.   Eine Ausstellung in der Camera Obscura zeigt Bilder von Menschen, die an Neurofibromatose erkrankt sind. Zwei Künstler fingen ihre Träume ein.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Lässig hockt Elke (47) auf einem großen glänzenden Motorrad. Die kurzen blonden Haare bilden einen starken Kontrast zur schwarzen Lederkluft. Die „Rockerbraut“ schaut herausfordernd in die Kamera. Hinter ihr ragt der Eiffelturm in den blauen Himmel.

Das Bild, auf dem Fotografie und Malerei eine spannende Symbiose eingehen, gehört zu einer ungewöhnlichen Ausstellung, die vom 10. Februar bis 31. März in der Camera Obscura in der Müga zu sehen ist. „Neurofibromatose – Na, und?“ lautet der Titel. Es geht um Menschen, die an der gleichnamigen Krankheit leiden, um ihre Nöte und Sorgen im Alltag – vor allem aber um ihren Mut, ihre Lebenslust, ihre Zuversicht, ihre Träume.

Als Rockerbraut durch Paris kurven

„Ich wollte immer den Motorradführerschein machen und dann durch Paris fahren. Doch durch die Krankheit habe ich Gleichgewichts- und Orientierungsstörungen bekommen, kann diesen Plan leider nicht mehr verwirklichen. Deshalb wollte ich, dass das Bild mich als Motorradfahrerin zeigt“, erklärt Elke Thiele (siehe oben).

Die Bochumerin leitet seit 2007 eine Selbsthilfegruppe („Die Klingelknöpfe“), in der sich Menschen mit Neurofibromatose (kurz: NF) austauschen und unterstützen. NF ist eine vererbbare, genetisch bedingte Tumor-Erkrankung. Sie zeigt sich durch viele Tumore auf der Haut und im Nervensystem, die zwar überwiegend gutartig sind, aber innere Organe beeinträchtigen und einen Menschen äußerlich gravierend entstellen können. „Erkrankte werden oft angestarrt, beschimpft und beleidigt“, berichten die Gruppenmitglieder.

Erkrankte werden angestarrt und beleidigt

Ihr Anliegen ist es daher, auf das Krankheitsbild aufmerksam zu machen und Berührungsängste abzubauen. Als Elke Thiele zufällig den Duisburger Fotografen Hans-Werner Leidemann kennenlernte, entstand die Idee, gemeinsam eine Kunstaktion zum Thema durchzuführen. Acht Mitglieder aus der Selbsthilfegruppe beteiligten sich daran. Sie ließen ganz normale Porträtaufnahmen von sich machen, wurden aber auch in ihrer „Traumrolle“ von Leidemann abgelichtet. „Uns gefällt an dem Projekt, dass die Betroffenen nicht auf ihre Krankheit reduziert werden, sondern positiv und farbenfroh in Szene gesetzt werden“, sagt die Grafikerin und Malerin Susanne Küch, die ebenfalls an der Aktion beteiligt war. Es gehe eben nicht um Äußerliches, sondern um innere Werte und Ideale.

Jedes Bild entstand in Teamarbeit. „Die Menschen kamen zum Fotoshooting ins Studio, später wurden die Fotografien freigestellt und auf Leinwand gedruckt“, erläutert Jörg Schmitz, Leiter der Camera Obscura. Susanne Küch malte schließlich drumherum „fotorealistische Kulissen“.

Berührend sind die Motive, vielfach lassen sie den Betrachter aber auch schmunzeln. Christine (25) wird von einem Känguru als Siegerin eines Boxkampfes beglückwünscht, Patrick (36) ist mit einem riesengroßen Ami-Schlitten auf der Route 66 unterwegs. „Ich wollte einfach mal mit meinem Rollstuhl fliegen“, kommentiert Brigitte (61), die aufgrund der Neurofibromatose nicht mehr laufen kann, ihr lustiges Bild.

Wunsch nach mehr Aufklärung und Toleranz

Dorothee (60) schwebt als strickender Engel in einem roten Sessel durch die Luft. Das Kunstprojekt habe viel Spaß gemacht, sagen die beiden Frauen. Sie wünschen sich mehr Aufklärung über Neurofibromatose, mehr Toleranz seitens der Mitmenschen.

Jedes Exponat wird von dem aktuellen Porträt des Erkrankten und einem Foto aus der Zeit vor der Erkrankung flankiert. Dazu gibt es einige Erklärungen – und Leitsprüche der erkrankten Menschen. „Aufgeben ist keine Option!“, lautet einer, ein anderer „Jeder sollte den anderen so akzeptieren, wie er ist – mit und ohne Makel.“

>>Die Ausstellung in der Camera Obscura, Am Schloß Broich 42, wird am morgigen Sonntag um 11 Uhr eröffnet. Der Eintritt zur Vernissage ist frei, einige der Porträtierten sind anwesend.

An allen anderen Tagen gilt der reguläre Eintrittspreis für die Camera Obscura (4,50 Euro, ermäßigt 3,50 Euro). Geöffnet ist mittwochs bis sonntags von 10 bis 17 Uhr.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben