Kultur

Mit guten Argumenten gegen Stammtisch-Parolen angehen

Jürgen Albrecht und Karin Kettling gastieren mit ihren Theaterabenden vornehmlich in Lokalen.

Foto: Stephan Eickershoff, Archiv

Jürgen Albrecht und Karin Kettling gastieren mit ihren Theaterabenden vornehmlich in Lokalen. Foto: Stephan Eickershoff, Archiv

Mülheim.   Sach watt: Ein Abend mit Improvisationstheater macht den Alltagsrassismus im Pfarrsaal von St. Barbara zum Thema.

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Zu einem Abend mit Improvisationstheater gegen den Alltagsrassismus mit einem Schauspieler-Duo hatte der Stadtkatholikenrat in den Pfarrsaal von St. Barbara am Schildberg eingeladen. Mal schwadroniert Karin Kettling über den notwendigen Schutz der deutschen Kultur, damit deutsche Schauspieler ihre Arbeit nicht verlieren. Dann verwandelt sich ihr Kollege Jürgen Albrecht in einen Hausmeister, der über „die Ausländer“ schimpft, „die erst ihre Kippen und ihren Müll in den Hof werfen und dann unsere Wohnungen anzünden!“ Seine Forderung: „Die müssen alle wieder weg!“ Diesmal hält Kettling als Nachbarin mit antirassistischen Argumenten dagegen: „Das ist doch ein normaler Nachbarschaftsstreit. Haben Sie schon mal mit den ausländischen Nachbarn gesprochen?“ „Das kommt gar nicht in Frage“, so Albrecht. „Das sind doch nette junge Leute, mit denen man sprechen kann. Wir haben uns in unserer Siedlung doch immer mehr junge Leute gewünscht“, kontert Kettling.

Beim Mitmachtheater sind die Zuschauer gefragt

Dann sind beim Mitmachtheater die Zuschauer gefragt, die sich bei einem Getränk die Szene angeschaut haben. Bei „Sach watt“ geht es darum, selbst etwas gegen fremdenfeindliche Stammtisch-Parolen zu sagen. „Man ist zu gut erzogen und möchte nicht unangenehm auffallen“, beschreibt ein Zuschauer seine Hemmschwelle, sich einzumischen. Doch das Coaching in Sachen Zivilcourage zeigt in den nächsten Theaterakten Wirkung. Die Zuschauer im Saal verbünden sich gegen die Phrasendrescherei: „Nicht nur die Würde der deutschen Menschen ist unantastbar“, ruft eine Zuschauerin. „Woher haben Sie eigentlich Ihre Erkenntnisse über ihre zugewanderten Nachbarn?“ will eine andere wissen. Und als der Hausmeister sich beklagt, „dass die Flüchtlinge ja alles hinten und vorne hereingesteckt bekommen“, fragt eine Frau: „Wollen Sie mit den Flüchtlingen tauschen? Wissen Sie, wie hoch die Asylbewerberleistungen sind?“ Und schon kommt die Parolen-Maschine ins Stocken.

Für Rolf Völker vom gastgebenden Stadtkatholikenrat steht am Ende des Abends fest: „Wer zu fremdenfeindlichen Stammtischparolen schweigt, überlässt Populisten und Rechtsextremisten das Feld.“

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