Brustkrebs-Früherkennung

Millionenförderung für Mülheimer Projekt „Discovering Hands“

Die Tastuntersuchung erfolgt mit Hilfe spezieller Klebestreifen, an denen sich die blinden Frauen orientieren können.

Die Tastuntersuchung erfolgt mit Hilfe spezieller Klebestreifen, an denen sich die blinden Frauen orientieren können.

Foto: Discovering Hands

Mülheim.   Sozialunternehmen bekommt fast 1,4 Mio. Euro von der Spendeninitiative SKala. Blinde Frauen werden ausgebildet für Tastuntersuchungen der Brust.

Ein wahrer Geldsegen geht an ein gemeinnütziges Unternehmen in Mülheim: „Discovering Hands“ erhält fast 1,4 Millionen Euro aus der Spendeninitiative SKala, die von der Unternehmerin Susanne Klatten ins Leben gerufen wurde. Nun können noch mehr blinde oder sehbehinderte Frauen für die Früherkennung von Brustkrebs qualifiziert werden.

„Discovering Hands“ ist eine von rund 1800 Organisationen, die sich seit Frühjahr 2017 bei SKala beworben haben. Rund 100 Bewerber wurden bislang in die Förderung aufgenommen und insgesamt etwa 35 Millionen Euro vergeben. Unterstützt werden nur Projekte, die „nachweislich eine große soziale Wirkung erzielen“.

Das Integrationsunternehmen „Discovering Hands“ mit Sitz an der Wiesenstraße kann seine Aktivitäten nun auf neuer Grundlage erheblich ausweiten. Begonnen hat es vor etwas mehr als zehn Jahren mit einer Idee des Mülheimer Gynäkologen Dr. Frank Hoffmann, der eine Praxis in der Nachbarstadt Duisburg betreibt. Er ließ 2008 erstmals blinde Frauen, die nachweislich über einen besonders sensiblen Tastsinn verfügen, für die Brustkrebsvorsorge ausbilden.

Mit Kooperationspartnern entwickelte Hoffmann ein neunmonatiges Trainingsprogramm, das zunächst nur beim Berufsförderungswerk in Düren angeboten wurde. Als Sozialunternehmen firmiert „Discovering Hands“ seit 2011. Mittlerweile gibt es auch eine eigene Akademie in Berlin. Insgesamt wurden rund 40 Frauen zu Medizinisch-Taktilen Untersucherinnen (MTU) ausgebildet.

24 weitere Schulungen möglich

Mit Hilfe der siebenstelligen Förderung über SKala sollen 24 weitere Untersucherinnen geschult werden, und zwar aus einem erweiterten Personenkreis, wie Dr. Frank Hoffmann erläutert: „Bislang lief diese Qualifizierung ausschließlich über die Reha-Träger, also Arbeitsagentur oder Rentenkassen. Künftig können sich auch Frauen, die keine Umschulung finanziert bekommen, für den äußerst sinnvollen Beruf der MTU ausbilden lassen.“

Außerdem will man eine moderne, barrierefreie Ausbildungsplattform entwickeln, bei der E-Learning eine zentrale Rolle spielt. So können die angehenden Untersucherinnen während des Trainings an ihrem Wohnort bleiben.

Bei „Discovering Hands“ geht es auch darum, sehbehinderten Menschen eine berufliche Perspektive und finanzielle Selbstständigkeit zu eröffnen. Angestellt sind die MTU in Vollzeit, sie arbeiten in gynäkologischen Praxen und Kliniken. Nach Angaben von Hoffmann als Gründer und Geschäftsführer des Sozialunternehmens verdienen sie 1800 bis 2200 Euro pro Monat.

Durch ihren Einsatz soll die Früherkennung von Brustkrebs deutlich verbessert, sollen die Heilungschancen erhöht werden. MTU sind in der Lage, deutlich kleinere Tumore zu erkennen als Ärzte in regulären Untersuchungen. Ziel ist, dass betroffene Frauen die Diagnose schon in einem möglichst frühen Stadium bekommen, wenn sich noch keine Metastasen gebildet haben.

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