Klimastreik

Mehr als 1500 Menschen demonstrieren in Mülheim fürs Klima

Mehr als 600 Schüler und Erwachsene versammeln sich am Freitagnachmittag auf dem Mülheimer Kurt-Schumacher-Platz, um sich an der Fridays-for-Future-Bewegung zu beteiligen. Während der Demo kamen hunderte hinzu.

Mehr als 600 Schüler und Erwachsene versammeln sich am Freitagnachmittag auf dem Mülheimer Kurt-Schumacher-Platz, um sich an der Fridays-for-Future-Bewegung zu beteiligen. Während der Demo kamen hunderte hinzu.

Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Kurz nach 14 Uhr schlossen sich – nach Angaben der Bewegung – rund 1500 Mülheimer dem globalen Klimastreik von Fridays-for-Future an

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Rund 1500 Menschen haben sich am Freitagnachmittag auf dem Kurt-Schumacher-Platz an der Demonstration der Fridays-for-Future-Bewegung beteiligt. Zu Beginn ging die Bewegung von 600 aus, doch schnell wuchs die Menge während ihres Zugs durch die Stadt an. Damit setzte Fridays-for-Future das bislang stärkste und lautstärkste Signal für den Schutz des Klimas in der Stadt.

„Wir werden streiken, bis ihr handelt“

Timo Spors, Mit-Organisator bei Fridays-for-Future und Mitglied der Mülheimer Grünen, leitete die Veranstaltung mit einer Rede ein. Er kritisierte zunächst scharf die von der Bundesregierung geplante Erhöhung der Pendlerpauschale als „Autopolitik unter dem Deckmantel des Klimaschutzes“. Die Mülheimer Kommunalpolitik verschonte er dabei ebensowenig: Von den umfangreichen Forderungen der Fridays-for-Future-Bewegung habe sie nichts umgesetzt.

Im Gegenteil: Statt den ÖPNV auszubauen, schwäche man ihn mit „unmenschlichen Kürzungen. Wir werden streiken, bis ihr handelt!“, rief er zu den Demonstranten.

Gijs Burger, Kantor der evangelischen Kirchengemeinde in Mülheim, sagte in seiner Rede, „es beschämt mich zutiefst, dass ihr als unsere Kinder auf die Straße gehen müsst, weil wir Erwachsene nicht leidenschaftlicher für den Erhalt unserer Erde kämpfen“.

Scharfe Kritik am parallel stattfindenden ersten öffentlichen Dialog zur Klimaanpassung

Mit „Hopp - Hopp - Hopp: Kohlestopp“ gingen hunderte Demonstranten anschließend durch die Mülheimer Altstadt. Von dort lief der Zug weiter in Richtung Ruhr, wo unter anderem auch Schleuseninsel und die Marina Ziel waren. 14 Kinder der offenen Ganzstagsgrundschule Trooststraße stärkten hier mit Wasser ihre Kräfte: „Demonstrieren macht durstig“ – danach ging’s kräftig weiter: „Wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut.“

Auffällig aber: Zahlreiche Erwachsene unterstützten diesmal die Bewegung.

Scharfe Kritik äußerten die Parents for Future an dem parallel im Medienhaus stattfindenden, ersten öffentlichen Dialog zur Klimaanpassung in Mülheim: „Ein Dialog mit den Bürgern ist gut, aber warum muss er zeitgleich stattfinden?“, fragte sich Hanna Schenck von Parents for Future.

Und warum sei niemand von der Bewegung zu der Veranstaltung der Stadtverwaltung eingeladen worden. „Vielleicht, weil wir den Klimaschutz als Ziel haben und nicht nur die Klimaanpassung wie es das Thema der Stadt ist. Hat die Stadt dem Klimaschutz den Bankrott erklärt?“, spitzt sie zu.

Etliche Demonstranten leben bereits umweltbewusst

Die Mülheimer FFF-Demo sorgte auch bei den Mülheimern, die sich nicht beteiligen, für Aufsehen. Eine Frau, die das bunte Demonstrations-Treiben vom Café Plati aus beobachtet hatte, äußert sich hinterfragend: „Parolen sind schnell geschrieben, aber ob jeder im Alltag bereit ist zu verzichten?!

Sicher nicht alle, aber manche schon. Anna und ihre Schwester Svenja sind zum ersten Mal dabei und haben ein Schild gemalt: „Für meine Zukunft. Ich bin erst 9“ steht darauf. Ihr Leben haben sie umgestellt und leben seit Jahren vegan. Gerrit (21) ist „jetzt seit einem Jahr Vegetarier, ich fahre viel Fahrrad und kaufe seit einiger Zeit keine Jeans mehr, sondern Second Hand Cordhosen.“ Larissa (23) und Johanna (19) kaufen viel in Bioläden ein, Milch und Sahne holen sie in Glasflaschen. Miriam (42) und Arthur (44) fahren mehr Fahrrad und produzieren so wenig Müll wie möglich – „Wir versuchen generell, unseren Konsum einzuschränken.“

Die Demonstration endete wieder am Kurt-Schumacher-Platz mit weiteren Musikbeiträgen und Appellen an die Politik. Annika Renger vom Verlag an der Ruhr stellte fest: „Wir müssen alle jetzt Verantwortung übernehmen. Wir müssen selbst zu Vorbildern werden“ und richtete das Wort an die Politik: „Die Kinder und Jugendlichen sind nicht allein! Alle fürs Klima.“

(devo/ani)

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