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Lesergruppe erhält Einblick in das Stadtarchiv

Kai  Rawe

Kai Rawe

Foto: Oliver Müller

Mülheim.   Leser erfuhren im Stadtarchiv wie Stadtarchivare und Vermesser arbeiten. Wer selbst dort zur Familie forschen möchte, bekommt Hilfe und Kopien

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Vergilbte Karten, langweiliges Pergament – diese falsche Ansicht verbreiten Menschen, die sich für die Vergangenheit ihrer Heimat nicht interessieren. Dass alte Karten oft spannende Einzelheiten beinhalten, das konnten Leserinnen und Leser im Stadtarchiv erfahren.

„Alles, was wir im Stadtarchiv aufbewahren und pflegen gehört Ihnen. Darum können sie die historischen Karten und Erklärungen dazu benutzen“, warben Kai Rawe, Leiter des Stadtarchivs, und Matthias Lincke, Leiter des Vermessungs- und Katasteramtes, dafür, diese wertvollen Quellen zu benutzten. „Wir helfen ihnen gern, wenn Sie etwas suchen.“

Findungsbücher helfen bei der Suche

Gleich sechs Fachleute betreuten unsere Leserinnen und Leser an diesem Extra-Besuchsnachmittag. Annett Fercho zeigte, wie sorgfältig Einzelstücke mit weißen Handschuhen zu behandeln sind. „Für den häufigen Gebrauch haben wir Kopien, die weniger empfindlich sind.“ „Nur in besonders begründeten Fällen – wissenschaftliche Forschung – zeigen wir Originale“, fügte Kai Rawe hinzu. Schon war die Gruppe im Lesesaal des Stadtarchivs mitten drin in der Stadterforschung. Über so genannte Findungsbücher (eine Art Nummernkatalog) gelangt jeder an das gesuchte Stück.

Als die ersten Vermesser über Land zogen und die Besitzer den Grundstücken zuordneten, war nicht immer klar, wie groß deren Eigentum war. Die Grenzlängen wurden in Fuß und Ruten, die Flächen in Morgen gemessen. Die Dezimalmaße kamen später. Die ersten Karten stammen von 1820-22. Erst 1839, war das gesamte heutige Stadtgebiet kartiert. In diesen Flurkarten und Urkatastern sind Namen festgehalten, die noch heute im Stadtgebiet gegenwärtig sind.

„Damals war alles Handarbeit“

Das Vermessungswesen diente der Ermittlung von Steuern. Was unter der napoleonischen Besetzung begann, perfektionierten die Preußen danach. Die Beamten hatten nun eine amtliche Grundkarte mit Flurbereichen, in denen exakt aufgeschlüsselt war, wer welchen Grundbesitz hatte. Entsprechend wurden die Steuern berechnet.

Auch die Schreibweisen und Schriften haben sich im Lauf der Jahrzehnte verändert (oft Übertragungsfehler). „Damals war alles Handarbeit. Heute erfassen wir die Daten elektronisch“, erklärt Matthias Lincke. Seine Kollegen Wolf-Rüdiger Lohmar und Martin Kleibrink zeigen, wie sich Holthausen in vielen Jahrzehnten von der Landgemeinde zur Wohnsiedlung verändert hat. Über die Urkarte legen sie auf der Leinwand Pläne aus jüngerer Zeit und zeigen, was an Häusern dazugekommen ist. Gleiches dokumentieren Karten von der Saarner Kuppe. Dort sind die einst freistehenden Hofgebäude Ober- und Unterlehn heute von Wohnhäusern umringt. „Luftbilder helfen uns beim Erfassen. Bauen Sie ungenehmigt etwas – uns entgeht das nicht“, betonen Lohmar und Kleibrink. Auch das Katasteramt bietet Kopien von alten Stadtkarten – gegen Gebühr – für die Familienforschung an. Geht es um die älteren Pläne, kennt sich Klaus Jacobi noch bestens aus.

Dokumente bei 18 Grad und geringer Luftfeuchtigkeit verwahrt

Um die wertvollen Dokumente und Quellen zu erhalten, lagern sie im Stadtarchiv. Konstante 18 Grad Celsius, geringe Luftfeuchtigkeit und glatte Flächen bieten die großen Aufbahrungsschränke im Magazin der früheren Augenklinik.

„Das Kartenlesen ist viel spannender, als ich dachte“, sagt am Ende eine Leserin. „Ich muss hier noch einmal hin und einen alten Hof suchen“, ergänzt ein anderer. „Immer willkommen“, fordert der Archivleiter zum Stöbern auf.

>> VON DER URKUNDE BIS ZUR SATELLITENVERMESSUNG

Welche Karten und Urkunden das Haus der Stadtgeschichte aufbewahrt, davon konnten sich die Gäste im klimatisierten Magazin überzeugen. Dr. Kai Rawe, Leiter des Stadtarchivs, und Annett Fercho, Bereichsleiterin amtliches Schriftgut, öffneten einige Schubladen und zeigten die wertvollen Einzelstücke.

Matthias Linke, Amtsleiter für Geodatenmanagement, Vermessung, Kataster und Wohnbauförderung, Wolf-Jürgen Lohmar, Abteilungsleiter Kataster, Martin Kleibring, Fortführungsdienst Kataster, und Klaus Jacobi, früher ebenfalls Katasteramt, erläuterten das Arbeiten und Vergleichen von alten und neuen Karten.

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