Tarzan-Darsteller

Leonard spielt das Dschungelkind im Tarzan-Musical

Das Menschenkind, das von Gorillas großgezogen wird, spielt Leonard Conrads aus Mülheim im Musical „Tarzan“ in Oberhausen.

Foto: Michael Dahlke

Das Menschenkind, das von Gorillas großgezogen wird, spielt Leonard Conrads aus Mülheim im Musical „Tarzan“ in Oberhausen. Foto: Michael Dahlke

Leo (10) ist Kinderdarsteller im Musical „Tarzan“. Er hat sogar eine richtig große Rolle. Vor jedem Auftritt geht es in die Schmodder-Box.

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Mittwoch, 17 Uhr, Stage Metronom Theater, Oberhausen: Am Bühneneingang wartet ein kleiner blonder Junge auf uns. Leonard Conrads (noch 9, bald 10) spielt das Dschungelkind im Musical „Tarzan“, er will uns zeigen, wie er sich vorbereitet auf die Show. Start ist um 18.30 Uhr, die Zeit bis dahin ist durchgetaktet.

Erstmal geht es in die Garderobe der Kinder, den „Young Tarzan Room“. Außer Leo (so sein Spitzname) gibt es noch etwa zehn weitere Jungen, die regelmäßig in die Rolle des jungen Tarzan schlüpfen. Der Mülheimer zieht sich um, in Turnhose und Bademantel eilt er mit seiner Betreuerin Andrea Nolte in die Maske. Hier werden seine Haare aufgezwirbelt und eng an den Kopf gesteckt, damit die Perücke mit den langen Tarzan-Zotteln auch gut am Kopf anliegt. „Die Affen können ihr Mikro und die ganze Technik unter dem Kostüm tragen, aber ich habe ja nur einen Lendenschurz an, bei mir muss alles unter die Perücke“, erklärt Leonard. Das Mini-Mikrofon hängt unauffällig auf seiner Stirn.

Mini-Mikro hängt auf der Stirn

Weil das Frisieren etwas dauert, hat der Viertklässler von der Lierbergschule jetzt ein wenig Zeit fürs Interview. Wie ist er zum Musical gekommen? „Eine Freundin meiner Eltern hat in der Zeitung gelesen, dass Kinder für Tarzan gesucht werden und gedacht: Das wäre was für Leonard!“, erinnert er sich.

Sie habe damit goldrichtig gelegen. „Ich will doch schon Filmschauspieler werden, seit ich 4 bin“, sagt Leo. Also ging er zum ersten Casting, arbeitete sich danach von Runde zu Runde weiter. „Einmal waren sogar Jeff und Jim von Disney aus Amerika da und haben uns begutachtet. Ich konnte sie überzeugen, dass ich das kann“, erzählt er.

Während er so plaudert, nimmt neben ihm Hauptdarsteller Alexander Klaws Platz. Er spielt den großen Tarzan, nickt dem kleinen Kollegen zu. Leo lächelt zurück, muss aber schon wieder weiter – zur „Schmodder-Box“. Hier werden die Darsteller von Kopf bis Fuß mit Farbe angemalt. Weil er warten muss und damit ihm nicht kalt wird, stellt Leo sich unter eine Rotlichtlampe, die hier alle „Äffchen-Wärmer“ nennen.

Die Gelegenheit, um über die „Tarzan-Schule“ zu reden. „Da gehen wir Kinderdarsteller zwei Mal in der Woche hin, um zu trainieren“, berichtet Leo. Schon lange vor der Premiere haben die Jungs angefangen, sich vorzubereiten. „Wir haben singen und schauspielern geübt, die Choreographien einstudiert und Kunststücke gelernt wie Räder, Flugrollen oder auch Meckacos (eine Art Flic-Flac).“ Gelenkig ist der dünne Grundschüler – vielleicht auch erblich geprägt. „Mein Papa ist Saxophonist, meine Mama war deutsche Meisterin in der Rhythmischen Sportgymnastik“, erzählt er. Apropos Papa: Der sitzt heute im Publikum -- mit Arbeitskolleginnen. „Ich bin sonst nie aufgeregt, aber heute möchte ich es richtig gut machen“, sagt Leo, der schon an die 18 Auftritte gemeistert hat.

Nach dem Muskeltraining ist die Stimme dran

Jetzt aber hurtig ins Tanzstudio: Hier machen Leo und Ersatzjunge Simon sich zusammen mit Trainerin Ramona Rohr vor dem Spiegel warm, sie laufen, springen, turnen und üben den Affen-Walk.

Nach dem Muskeltraining ist die Stimme dran. Mit seinem erwachsenen Kollegen Massimiliano Pironti (spielt den Affen Terk) singt sich Leo ein. Erst werden Vokale und Konsonanten gesungen, dann die richtigen Lieder angestimmt. Die zwei Affen-Freunde grinsen sich dabei zu.

Zurück in der Garderobe wartet Leo auf seinen Einsatz, bald ist es soweit, er darf raus und nicht nur ganz alleine einen Song singen, sondern auch an Seilen (Lianen) über die Bühne (Urwald) schwingen. Die Tarzan-Geschichte findet er „echt cool“. „Ich würde auch gerne mal echte Berg-Gorillas sehen“, sagt er.

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