Schulhund

Labradorrüde Riku soll für entspannte Lernatmosphäre sorgen

Aufmerksam beobachtet Labrador Riku sein Frauchen. Lehrerin Sarah Walsken durchläuft mit ihm eine Ausbildung zum Besuchshund an Schulen.

Aufmerksam beobachtet Labrador Riku sein Frauchen. Lehrerin Sarah Walsken durchläuft mit ihm eine Ausbildung zum Besuchshund an Schulen.

Foto: Herbert Höltgen

Mülheim.  Der Labradorrüde hat seine Ausbildung zum Schulhund an der Karl-Ziegler-Schule gestartet. Die Schüler lernen Rücksicht zu nehmen.

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Die Aufregung ist groß: Der eineinhalbjährige Labradorrüde Riku betritt den Biologie-Raum der Karl-Ziegler-Schule. Es ist seine erste Unterrichtsstunde. Blicke von 23 Schülern der neunten Klasse sind auf ihn gerichtet. Die Blicke von Riku wandern immer wieder prüfend zu Frauchen Sarah Walsken. Die Lehrerin weiß genau, wenn sie jetzt Nervosität zeigt, überträgt sie diese auf den hellbraunen Vierbeiner. Also cool bleiben.

In der vorderen Ecke des Biologie-Raumes hat Schüler Victor eine Decke für Riku hingelegt. Der Neuntklässler hat sich bereit erklärt gemeinsam mit Kumpel Lukas den Ordnungsdienst zu übernehmen, der jetzt zugleich Hundedienst ist. Die Decke ist sein Platz: Hier soll Riku bleiben bis er die Erlaubnis bekommt, herumzulaufen.

Ab dem kommenden Schuljahr wird Riku nach halbjähriger Ausbildung und erfolgreicher Abschlussprüfung regelmäßig sein Frauchen Sarah Walsken in ihre Unterrichtsstunden begleiten. Professionell begleitet, in Theorie wie Praxis, wird die Schulhundausbildung von Hundetrainer Marc Engelhardt und Stefanie Richter. Gemeinsam führen sie das Mülheimer Ausbildungszentrum für Büro-, Therapiebegleit-, Schul- sowie Besuchshunde.

Der Labrador testet Grenzen aus

Hundetrainer Marc Engelhardt beobachtet Rikus Verhalten und wie seine Halterin darauf reagiert. „Riku ist wirklich lieb aber ein Wirbelwind, der noch lernen muss auf seiner Decke zu entspannen ohne aufzuspringen“, erklärt Marc Engelhardt. Und tatsächlich testet Riku die Grenzen aus: Während die Schüler Gruppenreferate halten, verlässt er seinen Platz und sucht die Nähe seines Frauchens. Doch Sarah Walsken ist konsequent, schickt ihn immer wieder zurück auf seine Decke. Zur Belohnung streichelt sie den Labrador. „Sein Stresspegel ist jetzt schon relativ hoch, aber für diese Situation absolut normal“, sagt der Hundetrainer. Dann darf Riku die Jugendlichen kennenlernen. Aufgeregt beschnuppert er die Schüler, die sich in einem Stuhlkreis zusammengesetzt haben. Behutsam streicheln sie den Vierbeiner, der jederzeit den Kreis verlassen kann, wenn es ihm zu bunt wird.

Sarah Walsken, die die Kosten für die Hundeausbildung selbst übernimmt, hat im Vorfeld Schule, Schüler und Eltern für die Schulhund-Idee begeistern können.

„Der Unterricht ist einfach abwechslungsreicher mit Riku“, meint Schülerin Lucie. Erste positive Auswirkungen auf die Atmosphäre im Unterricht zeigen sich schon. „Meine Schüler nehmen Rücksicht auf Riku, sie sind ruhiger als normalerweise“, lobt die 29-jährige Lehrerin. Außerdem lernen sie, Verantwortung zu übernehmen. Angedacht ist, dass die Schüler später den Gassi-Dienst übernehmen. Auch eine Schulhund-AG soll es geben.

In der Karl-Ziegler-Schule hat der Labradorrüde einen eigenen Raum als Rückzugsort, erklärt Marc Engelhardt: „Nach seiner ersten Schulstunde wird Riku gewiss tief und fest schlafen und die ganzen neuen Eindrücke verarbeiten.“

Bilder und Videos von Riku sind auf Instagram und Facebook unter „SchulhundRiku“ zu finden.

>> HUNDE BEFÖRDERN EMPATHIEFÄHIGKEIT

In einer Reihe von internationalen Studien wurde die positive Wirkung von Hunden auf das Sozialverhalten und die seelische Entwicklung von Kindern nachgewiesen. Hunde können die sozialen Kompetenzen und die Empathiefähigkeit befördern und Ängste abbauen. Mittlerweile werden auch Therapiehunde gezielt bei Kindern eingesetzt, die unter ADHS leiden.

Ob Hunde im Unterricht eingesetzt werden, entscheidet in Nordrhein-Westfalen jede Schule selbst. Besonders geeignet seien dafür Labradore und Golden Retriever, aber „grundsätzlich taugt jede Hunderasse mit freundlichem und tolerantem Wesen für den Einsatz an Schulen“, sagt Stefanie Richter vom Mülheimer Ausbildungszentrum für Berufsbegleithunde.

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