Kritik

Kundin beklagt sich über Schikane bei der Mülheimer Tafel

Auch Obst und Gemüse gibt es bei der Mülheimer Tafel. Das sei oft braun oder habe Druckstellen, beschwert sich Christiane Gasch. Ulrich Schreyer, Diakoniewerks-Leiter entgegnet aber, dass das nicht in seiner Gewalt liege.

Auch Obst und Gemüse gibt es bei der Mülheimer Tafel. Das sei oft braun oder habe Druckstellen, beschwert sich Christiane Gasch. Ulrich Schreyer, Diakoniewerks-Leiter entgegnet aber, dass das nicht in seiner Gewalt liege.

Foto: Christoph Wojtyczka

Mülheim.   Tafel-Mitarbeiter in Mülheim hätten Kunden weggejagt, kritisiert Christiane Gasch. Leiter Ulrich Schreyer bezieht Stellung zu den Vorwürfen.

„Wie die Mitarbeiter uns behandeln, ist reine Schikane“, berichtet Christiane Gasch und spricht dabei von der Essensausgabe der Mülheimer Tafel, die zum Diakoniewerk gehört. Seit anderthalb Jahren geht die Frührentnerin dorthin, seitdem werde das Angebot schlechter, die Behandlung auch.

„Ich war heute noch da“, berichtet Gasch vergangene Woche. „Und obwohl wir schon Stunden vorher vor der Ausgabe gewartet haben, um bessere Lebensmittel zu bekommen, haben die Mitarbeiter zuerst die Kunden hineingelassen, die ganz hinten in der Schlage standen.“ Passiert sei das schon öfter.

Ulrich Schreyer, Leiter des Diakoniewerks, kann diese Vorwürfe auf Anfrage nicht abstreiten. „Das kann die Reaktion der Mitarbeiter auf Gedränge im vorderen Bereich sein. Die haben dann die zuerst reingelassen, die hinten standen“, erklärt er. Insgesamt sollten die Mitarbeiter dafür sorgen, dass die Ausgabe bei der Tafel gesittet läuft. Sie bekommen Vorgaben, wie sie verfahren sollen. Denn: „Es gibt öfter Auseinandersetzungen und Konflikte“, so Schreyer weiter. Und die Kunden würden sich nicht immer korrekt verhalten: „Manche stellen ihre Einkaufswagen in die Schlange und gehen erst einmal einen Kaffee trinken, das geht nicht“, gibt der Diakoniewerks-Leiter zu bedenken. In diesem Fall hätten die Mitarbeiter die Vorgabe, dieses Verhalten zu unterbinden.

Respektloses Verhalten der Mitarbeiter

Wie sich die Diakoniewerks-Mitarbeiter ihr gegenüber verhalten haben, bezeichnet Christiane Gasch jedoch als respektlos. Bei der Ausgabe müssten die Kunden auch bei starker Sommerhitze in Reih und Glied in der Schlage stehen, einmal hätte ein Mitarbeiter sie vom Diakoniewerks-Gelände bis auf den angrenzenden Fußweg und weiter gejagt und verfolgt. Ein Vorfall den Schreyer so nicht direkt bestätigen kann. Generell sei es aber so, dass es für die Mitarbeiter nicht immer leicht sei, das nötige Fingerspitzengefühl zu haben. Er versuche aber, mit den Mitarbeitern zu sprechen und sie zu sensibilisieren.

„Der Idealfall wäre natürlich, dass alles einwandfrei funktioniert. Aber das klappt einfach nicht, was auch daran liegt, dass wir, im Gegensatz zu vielen anderen, eine Tafel ohne Bürokratie sind“, erklärt Schreyer. Damit meint er, dass die Kunden Lebensmittel ohne Berechtigungsschein bekommen, auch Geld müssen sie nicht zahlen. Insgesamt sei die Tafel im Prinzip nichts anderes, als ein Abbild der Gesellschaft – wo es was umsonst gibt, komme es auch zu Streit.

Beschwerde über die Qualität der Lebensmittel

Doch nicht nur über die Mitarbeiter hat sich Christiane Gasch beschwert, sondern auch über die Qualität der Lebensmittel. Bananen seien braun, Obst und Gemüse hätten Druckstellen. Ulrich Schreyer betont: „Da haben wir keine Gewalt drüber. Wir geben das weiter, was uns zur Verfügung gestellt wird und kaufen für die Ausgabe nicht dazu.“ Trotzdem halte sich die Tafel an Lebensmittelverordnungen, die auch für Supermärkte gelten. Und bei der Ausgabe würden die Mitarbeiter stets nach Wünschen der Kunden fragen und das abgeben, was diese haben wollen – allerdings in dem Maße, das jeder etwas bekommt.

Christiane Gasch wird trotzdem auch weiterhin versuchen, für mehr Ordnung und gerechte Behandlung bei der Tafel einzustehen. Dafür hat sie Unterschriften gesammelt und Briefe an Ulrich Schreyer geschrieben. Auch persönliche Gespräche gab es bereits. „Insgesamt ist die Situation nicht so leicht zu händeln“, meint Schreyer. Wie genau sich die Situation in Zukunft entwickelt, bleibt also offen. Bei einer Sache ist sich Schreyer sicher: An dem Konzept der Tafel ohne Bürokratie will er festhalten – aus Überzeugung.

>> MÜLHEIMER TAFEL VERSORGT SEIT 2000 BEDÜRFTIGE

Seit September 2000 gibt es die Tafel in Mülheim. Sie ist ein Projekt in Trägerschaft des Diakoniewerks in Kooperation mit dem Sozialamt der Stadt Mülheim. Die Tafel versorgt Bedürftige. Dazu gehören Familien am Existenzminimum, Alleinerziehende, Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger oder Obdachlose.

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