Kultur & Gastronomie

Sol Kulturbar in Mülheim: Zukunft ist äußerst ungewiss

Die Gruppe 78 Twins gestaltete das erste Konzert seit dem Lockdown im Garten neben der Sol Kulturbar in Mülheim.

Die Gruppe 78 Twins gestaltete das erste Konzert seit dem Lockdown im Garten neben der Sol Kulturbar in Mülheim.

Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Um die Sol Kulturbar in Mülheim sorgen sich die Fans und der Betreiber. Konzerte können nur im Freien stattfinden, zu wenig Geld kommt rein.

Die Sol Kulturbar steuert auf eine äußerst ungewisse Zukunft zu. Zwar konnten in der beliebten Musikkneipe am Raffelberg im Juli wieder zwei Open-Air-Konzerte stattfinden, doch gerettet ist sie damit noch lange nicht. Sol-Fans und Betreiber sorgen sich. Denn: An einen Betrieb wie vor der Corona-Krise ist nicht zu denken.

Drinnen sind nur zwölf Zuschauer erlaubt

„Wir können momentan nur draußen Konzerte veranstalten, drinnen ist es zu eng. Wir dürften laut Verordnung nur zwölf Zuhörer reinlassen – sonst sind es 80“, erklärt Hakan Mengil, Pächter der Kulturbar und fügt hinzu: „Wir knappsen rum, seit dem Lockdown hatten wir keine Möglichkeit mehr, Geld zu verdienen.“ Mit der Miete sei man daher im Rückstand.

Dabei stehen die Konzertgänger in den Startlöchern. Die beiden Open-Air-Konzerte im Biergarten waren schnell ausverkauft. „Erlaubt sind laut Landesvorgaben momentan 100 Personen, wir haben uns sicherheitshalber auf 90 Leute beschränkt“, berichtet Mengil. Der Freiluftbetrieb sei aber eine äußerst unsichere Sache: „Wir sind total vom Wetter abhängig, nur bei schönem Wetter können Veranstaltungen laufen.“ Von den durchschnittlich sechs Konzerten pro Monat sei man weit entfernt. Hinzu komme: „Wir können nur kurzfristig planen, müssen dann schauen, welche Band überhaupt noch zu haben ist.“

Kultur wird mit zweierlei Maß gemessen

Einige Stammgäste sind alarmiert. Leserin Petra Dittelbach schrieb uns nach dem ersten Konzert: „Es war endlich wieder ein grandioser Abend in einer grandiosen Location, die leider grandios hängen gelassen wird.“ Die Stadt Mülheim sei als Vermieterin bisher nicht bereit, die durch die Coronakrise entstandenen Mietschulden zu erlassen oder zu reduzieren, behauptet sie. „Es kann sein, dass das Sol unverschuldet untergeht - was eine Schande für die hiesige Kulturszene wäre.“

Und Leser Heiner Waldmann meint: „Hier wird Kultur mit zweierlei Maß gemessen, die „volksnahe Kunst“ (im Sol) ist wohl nichts wert. Bleibt nur zu hoffen, dass die Sol Kulturbar überlebt, sonst bricht ein genialer kultureller Ort in Mülheim weg – und das wäre äußerst schade.“

Stadt: Mietkosten stunden bis Ende 2020

Der Immobilienservice kommentiert: „Herr Mengil hat uns schon im März angeschrieben und einige Wochen später eine Antwort bekommen. Er ist mit den Mietzahlungen im Rückstand. Wir haben ihm dann angeboten, dass er die Beträge bis Ende 2020 stunden kann. Das haben wir auch bei anderen Gastronomen so gemacht“, sagt Leiter Frank Buchwald und fügt an: „Wir sind nicht daran interessiert, unseren Pächtern den Hahn zuzudrehen, so dass sie zumachen müssen.“ Den Betreiber der Sol Kulturbar habe man gebeten, seine wirtschaftlichen Verhältnisse darzulegen und aufzuzeigen, welche Beträge er wann zurückzahlen könne. Denkbar sei, dass nach einer Prüfung des Falles die Frist verlängert werde.

„Erlassen oder reduzieren können wir die Miete nicht, wir sind eine Kommune im Nothaushalt. Es gibt aber Hilfsprogramme von Land und Bund, die die fortlaufenden Kosten von Gastronomen – zum Beispiel die Miete – erstatten“, so Buchwald. Der Immobilienbetrieb halte erstmal still, werde den Pächter zunächst bis Ende August auch nicht ermahnen. Diese Mahnsperre ließe sich auch erweitern. „Wir sind kulant.“

Spenden und Gutscheine als Überbrückungshilfe

Das nützt Hakan Mengil aber nur bedingt etwas. An eine verlässliche Veranstaltungsplanung für das nächste Halbjahr sei derzeit nicht zu denken, erklärt er. „Bis Mitte September gelten die derzeitigen Corona-Regeln ja noch – und was danach kommt, ist noch ganz offen.“ Er könne deshalb auch gar nicht sagen, ob er in nächster Zeit Geld verdienen werde, und wann und wieviel. Er hoffe jetzt auf die Übergangsgelder für Eventbetriebe und Gastronomien von Land und Bund. „Und auf gutes Wetter!“

Zusammen mit den Fans der Sol Kulturbar sucht er zudem nach weiteren „Lösungswegen“. Spenden gehören dazu, aber auch der Verkauf von Gutscheinen, die jetzt gekauft und nach der Corona-Zeit eingelöst werden können – vielleicht komme man so durch die aktuelle schlimme Phase.

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